Literatur-Nachrichten

Außergewöhnliche Frauen und ihre Biografie

Die Knef, die Bardot, die Guggenheim, die Westwood: Lesen Sie hier, was die legendären Diven miteinander verbindet.

Eine junge Frau, hellhäutig und langgliedrig, liegt nackt in der Sonne. Nur einige Sekunden lang ist sie in dem Film „Die Sünderin“ von Willi Forst zu sehen. Das war 1951. Das prüde Nachkriegsdeutschland zeigte sich zutiefst schockiert. Die Blonde war Hildegard Knef, fortan die bundesdeutsche Sünderin schlechthin. Mit den Jahren feierte sie als Schauspielerin, als Musical-Star am Broadway, als Schriftstellerin und Chansonsängerin Riesenerfolge. Sie sang von roten Rosen und einem Koffer in Berlin. Bis weit in die Siebziger war sie der einzige deutsche Weltstar – neben ihrer Freundin Marlene Dietrich. Beiden hat man hierzulande die „Flucht“ in die Vereinigten Staaten lange Jahre nicht verziehen. Und doch: Aus dem Berliner „Hildchen“ wurde „die Knef“. Ein absoluter Medienprofi, süchtig nach Öffentlichkeit, mit der sie ungehemmt ihre Ehen teilte, nicht zu vergessen ihr spätes Mutterglück, 60 Operationen und ein heilloses Facelifting. Immer mit leichtem Silberblick und dieser rauchigen, sehr tiefen Stimme sang sie ironisch von sich selbst: „Von nun an geht’s bergab.“ Ein Leben wie auf einer Achterbahn, ein mächtiges Ego, großes Talent. Auch Maßlosigkeit ist zweifellos Teil der Aura, die die großen, die legendären Stars und Diven umgibt. Nur schön zu sein, reicht nicht: Wagemut, ein Hauch von Torheit gehören dazu, Provokation und die Kunst der Selbstdarstellung. Der strahlende Stern der 50er und 60er Jahre war Brigitte Bardot. Sie wurde als schönste Frau der Welt gefeiert. Männer und Frauen gleichermaßen lagen ihr zu Füßen. Ihre Schmollmund-Schönheit, die schiere erotische Körperlichkeit verführte immer auch mit sonniger Wildheit und der reinen Naivität einer Kindfrau. Bardot wurde zur Legende, die ihr Geheimnis zu wahren wusste, denn auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes zog sie sich radikal zurück. Beiden Frauen – der Knef ebenso wie der Bardot – sind jetzt großformatige Bildbände gewidmet. Die Aufnahmen aus ihren Glanzzeiten sind so überaus lebendig, dass die Knef (1925–2002) und BB (geb. 1934) förmlich aus den Buchdeckeln herauszuspringen scheinen, neben uns stehen und mächtig Wellen schlagen im flachen Wasser unseres Alltags. Radikaler noch und völlig kompromisslos lebte Peggy Guggenheim (1898–1979). Ihr Hauptmerkmal – reiche Erbin zu sein – hatte sie schon als junge Frau zielstrebig eingesetzt, um sich den großen Passionen ihres Lebens hinzugeben: der Kunst und den Künstlern. Guggenheim war chaotische Diva und Muse der Pariser und Londoner Boheme in den Vorkriegsjahrzehnten. Sie kannte alle, zog mit großer Gefolgschaft hierhin und dorthin. Dabei sammelte sie Kunst nach dem Motto „Jeden Tag ein Bild“. Guggenheim rettete mehrere Emigrantenleben, nahm sich „fünf Ehegatten und ein paar weitere Männer“, unter anderen war sie mit Samuel Beckett und Max Ernst verheiratet. Sie lebte sich aus als skandalumwitterte, einflussreiche Kunstsammlerin, Galeristin und Mäzenatin. Als 1945 ihre Autobiografie erschien, machte die US-Presse sie nieder: „Ein abstoßender, vulgärer Bericht eines dekadenten Lebens.“ Guggenheim blieb ungerührt. Sie lebte fortan in Venedig. Ihr Palazzo am Canale Grande, den sie schon zu Lebzeiten zum Kunstmuseum umgestalten ließ, ist noch heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten. Nicht nur wegen der lebensgroßen nackten Reiterskulptur von Mario Marini, dessen Penis die Guggenheim sonntäglich abschraubte, wenn die Nonnen zum Gottesdienst vorbeigingen. Bei so viel Glanz und Gloria kommt niemand an der dickleibigen Biografie von Mary V. Dearborn vorbei. Nicht weniger farbenprächtig und schockerprobt hat sich Vivienne Westwood (geb. 1941) durchs Leben geschlagen: Aus dem Arbeiterkind wurde die innovativste Modedesignerin unserer Zeit. Auch sie ist eine Frau der Extreme, furchtlos und subversiv, mit großer Phantasie und nadelscharfem Instinkt für kommende Trends. In der Punkszene Londons schneiderte sie drauflos, vor allem für die legendären „Sex Pistols“, lief als „wandelnde Verkehrsampel“ durch die Kings Road, einschüchternd und anarchisch mit Porno-T-Shirts und bunter Gummikleidung. Die Autodidaktin schuf dann Parodien auf die Mode vergangener Zeiten, kreierte atemberaubende, opulente Van-Dyck-Roben, eng geschnürte Mieder im Tweed-Karo. Und macht immer noch mobil „gegen langweilige, asexuelle Körper in der Grämlichkeit des Reihenhauses“.

Ingrid Nowel

Titel

  1. Hildegard Knef
    • VerlagSchwarzkopf & Schwarzkopf
    • ISBN 3896026623

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  2. Ihre großen Jahre
    • VerlagKnesebeck
    • ISBN 389660323X

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  3. Ich bereu nichts!
    • VerlagLübbe
    • ISBN 3785720521

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