Literatur-Nachrichten

Jung Changs Biografie über Mao

Leichenberge überall: Die chinesische Dissidentin Jung Chang schildert Maos Schreckensherrschaft.

Vor 14 Jahren erschien Jung Changs Autobiografie mit dem Titel „Wilde Schwäne“. Darin schildert sie das Schicksal ihrer Familie über drei Generationen. Die Geschichte der Großmutter wird erzählt, die in jungen Jahren als Konkubine verkauft wird, um dem Vater eine Beförderung zu ermöglichen. Der Mutter wird gedacht, die sich als junge Frau der kommunistischen Revolutionsbewegung anschließt. Und die Autorin berichtet von ihrer eigenen Generation, von der „Kulturrevolution“ und roten Garden, in denen sie als junges Mädchen selbst aktiv gewesen ist, von Machtkämpfen und den Demokratisierungsversuchen nach Maos Tod. Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt und mit zehn Millionen verkauften Exemplaren eines der erfolgreichsten Sachbücher aller Zeiten. Mit ihrem neuen Buch knüpft Jung Chang, die heute in London lebt, an „Wilde Schwäne“ an. Die große Biografie von Mao Tse-tung, die sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem englischen Historiker Jon Halliday, geschrieben hat, ist das Ergebnis von zwölf Jahren intensiver Arbeit. Maos Leben – von der Geburt im Jahr 1893 in einem Dorf der Provinz Hunan bis zu seinem Tod 1976 – wird hier auf einer breiten Quellenbasis umfassend dargestellt. Wobei die Autorin auch eine eindrucksvolle Fülle von chinesischen Materialien ausgewertet hat. Und anders als der Stalin-Biograf Simon Sebag Montefiore nimmt Chang in ihrem Buch auch das Schicksal des von dem Diktator beherrschten Volkes mit in den Blick. Mao Tse-tung, den viele womöglich als einen etwas exotischen Revolutionär in Erinnerung haben, wird in dieser großen Biografie in seiner ganzen monströsen Blutrünstigkeit geschildert. Etwa 70 Millionen Menschenleben haben all die Kämpfe, Säuberungsaktionen in den eigenen Reihen, Exekutionen von politischen Gegnern und Hungersnöte infolge von Fehlplanungen insgesamt gekostet. Mao hat damit rein zahlenmäßig noch mehr Menschenleben auf dem Gewissen als Hitler oder Stalin. Chang zeichnet ein sehr plastisches Bild dieses Mannes, der sich aus einfachsten Anfängen als Dorfschullehrer erst zum von Stalin bezahlten und dirigierten kommunistischen Einflussagenten entwickelt, dann zum erfolgreichen Anführer einer Revolutionsarmee wird und schließlich mehr als ein Vierteljahrhundert lang ein Weltreich regiert. Auf diesem Weg ging Mao buchstäblich über Leichen. Er verriet seine Freunde, misshandelte seine Frauen und nahm das größte Kulturvolk dieser Erde in Geiselhaft, um seine ganz persönliche Vision vom Sozialismus zu verwirklichen. Es sollte ein Sozialismus ohne menschliches Gesicht werden.

Ernst Piper

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