Literatur-Nachrichten

Scheiden tut weh

Verliebt, verlobt, verheiratet – und geschieden? Diese Bücher helfen der Partnerschaft aus der Krise.

Die Scheidungswelle rollt. In deutschen Großstädten erfasst sie inzwischen fast jede zweite Ehe – Dunkelziffer unbekannt. Denn Paare, die wegen „der Kinder“, aus Angst vor Einsamkeit oder wegen der Finanzen nur mehr nebeneinanderher leben, klammert die Statistik aus. Dabei hatte alles so Glück verheißend begonnen: Märchenprinz findet Traumfrau, und beide schwören sich am Traualtar ewige Liebe. Spätestens jedoch, wenn der Hormoncocktail im Blut von euphorischer Verliebtheit auf Beziehungsalltag umstellt, tritt bei vielen Paaren Ernüchterung ein. Weil das Leben zu zweit problematischer ist als erwartet, schmeißen sie das Handtuch – früher im verflixten siebten, heute im statistisch fatalen vierten Ehejahr. Auch Felicitas von Lovenberg gehört zu jenen, die nachher klüger waren: Mit 26 verheiratet, mit 31 freudvoll geschieden, nimmt die zur Ehe-Skeptikerin konvertierte „FAZ“-Redakteurin ihre persönlichen Erfahrungen zum Anlass, die institutionalisierte Zweisamkeit humorvoll und provokant zu beleuchten. Mit „Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie?“ will sie – augenzwinkernd – sinnlose Ehen verhindern und „zahllose Liebesbeziehungen retten, bevor es zu spät ist“. Der Trauschein ist für Lovenberg eben kein Gütesiegel für Leidenschaft ohne Verfallsdatum. Deswegen siedelt sie die Liebesheirat auf der untersten Stufe ihrer Ehe-Evolution an. Die besteht aus insgesamt sieben Stadien und endet nach sieben Kapiteln bei der idealen Beziehung. Der Weg ins Paar-Paradies ist allerdings weit und beschwerlich: Romeo und Julia – das Vorbild heutiger Liebesheiraten (1. Stufe) – hatten immerhin das Glück, ihre Liebe nie im Alltag beweisen zu müssen. Auf Stufe zwei – der Konventionsehe – warnt Lovenberg vor patriarchalischer Arbeitsteilung und dem hohen Frustrationspotenzial für Hausfrauen. Im dritten Stadium stehen Margaret und Denis Thatcher oder Virginia und Leonard Woolf für die gelungene Vernunftehe. Freunde, Bekannte, Schauspieler und Schriftsteller lässt Lovenberg ebenso wie literarische Figuren die Stadien der Mehrfachehe (4. Stufe), der „Ehe zu dritt“ (5. Stufe) und des Single-Daseins (6. Stufe) durchlaufen. Der Beziehungs-Olymp ist den wahren Romantikern (7. Stufe) vorbehalten, die auf eheliche Konventionen, Vorteile und Sicherheiten verzichten, um jeden Tag aufs Neue die mutige und anstrengende Herausforderung anzunehmen, einen anderen Menschen zu lieben, ohne ihn besitzen zu wollen. Dass eine Beziehung kein Zuckerschlecken, sondern ein täglich hart erkämpftes Abenteuer ist, erläutert auch die Paartherapeutin Ursel Bucher. Ihr Buch „Das Geheimnis der Partnerschaft“ ist ein einfühlsamer Wegweiser aus der Beziehungskrise, der verunsicherten Paaren – gleich ob mit oder ohne Trauschein – mit zwölf Thesen Mut macht, das Zweisamkeits-Tief konstruktiv anzugehen. Leitsätze wie „Der andere ist nicht für mein Lebensglück zuständig“ und „Die Freundschaft ist die höchste Form einer Partnerschaft“ untermauert Bucher mit anschaulichen Fallgeschichten aus ihrem Praxisalltag. Damit nimmt sie nicht zuletzt allen krisengeschüttelten Paaren die Scheu vor dem Gang zu einem Therapeuten. Viele Beziehungen scheitern, weil die Paare sich in romantische Vorstellungen und egoistische Ansichten über die Zweisamkeit verstricken. Ursula Nuber sorgt mit „Was Paare wissen müssen“ für Aufklärung. Die stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift „Psychologie heute“ stellt verunsicherten Liebenden mit „Zehn Grundregeln für das Leben zu zweit“ ein klares Überlebenspaket zusammen. Damit kann sich jedes Paar einen Rahmen für eine moderne Beziehung schaffen, ohne auf überholte und traditionelle Rollenmodelle zurückgreifen zu müssen. Ihren Ratgeber reichert Nuber mit allgemein verständlichem psychologischem Fachwissen und praktischen Kurztests an, die dabei helfen, die eigene Partnerschaft richtig einschätzen zu lernen. Einig sind sich die drei Autorinnen, wenn es um die Frage „Partnerschaft und Kinder“ geht. Sie fordern von Staat und Gesellschaft, die ständig wegen niedriger Geburtenraten jammern, endlich eine umfassende und kostenfreie Kinderbetreuung. Diese äußere Rahmenbedingung wäre eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Paare ihren Alltag freier und gleichberechtigter gestalten könnten.

Gabriella Vitiello

Titel

  1. Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie?
    • VerlagDroemer
    • ISBN 3426273683

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  2. Was Paare wissen müssen
    • VerlagKrüger
    • ISBN 3810501182

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  3. Das zerbrechliche Glück
    • Verlagwjs
    • ISBN 3937989129

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  4. Das Geheimnis der Partnerschaft
    • VerlagKlett-Cotta
    • ISBN 3608960058

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