Literatur-Nachrichten

Der Bestseller-Autor Alexander McCall Smith

Mit einer afrikanischen Detektivin ist er berühmt geworden, aber im schottischen Edinburgh ist er zu Hause. Das Buchjournal zu Besuch bei Alexander McCall Smith.

Weiße Kringellöckchen, rosige Wangen, verrutschte Lesebrille: Alexander McCall Smith sieht ein bisschen aus wie Einstein, leicht derangiert, den Schalk im Nacken. Im Arbeitszimmer seiner alten Stadtvilla im baumbestandenen Vorort herrscht ein gepflegtes Chaos. Überquellende Bücherregale mit medizinischer und juristischer Fachliteratur, Lyrik, Romane von Charles Dickens, Philosophisches von Kant, zahlreiche afrikanische Skulpturen auf dem Schreibtisch der neueste Apple-Computer – dieser Raum umspannt den Lebenskosmos des 57-jährigen Familienvaters. McCall Smith ist Professor für Medizinrecht und eine internationale Kapazität auf dem Gebiet der Genetik. Er berät die UNESCO, die britische sowie die deutsche Regierung in Fragen der Bioethik. Und er ist Schriftsteller: „Mein zweites Leben führe ich mit ,Mma Ramotswe‘ und der ,No. 1 Ladies’ Detective Agency‘“, lacht er. Mit dieser Romanserie kam der Welterfolg als Autor. Seit einem Jahr hält sie sich auf den englischsprachigen Bestsellerlisten und ist inzwischen in 33 Sprachen erschienen. Jetzt wird der Stoff von Anthony Minghella – bekannt geworden mit der Hollywoodversion von „Der englische Patient“ – verfilmt. Den sechsten Band der Serie hat McCall Smith gerade beendet. Mma Precious Ramotswe ist Mitte 30, „traditionell gebaut“ und folglich stets stattlich schaukelnd. Mit ihrem Verlobten und zwei adoptierten Kindern lebt sie in Botswana. Precious betreibt die No. 1 Ladies’ Detective Agency. Mit kleinem Auto, zwei Schreibmaschinen, dem „Lexikon der Detektivarbeit“ und Assistentin Mma Makutsi. Precious ist erfolgreich und liebt ihren Beruf. Ganz gleich, ob da ein Haustyrann seine Tochter bespitzeln lassen will, ob Mr. Molefelo eine schwere Schuld wiedergutmachen möchte. Oder ob Frauenhelden aufgelauert werden muss. Auch in dunkle Geheimnisse Afrikas dringt Precious vor. Mit viel Commonsense, Einfühlungsvermögen und Taktgefühl löst sie die Fälle, die ihren Klienten so viel Kummer bereiten. Im auf Deutsch soeben erschienenen vierten Band macht sich Konkurrenz breit. Mit Folgen: „Das Unternehmen arbeitet mit Verlust.“ Doch die beiden Frauen haben genug Ideen, um ihre Firma wieder flottzumachen. Precious kennt ihren Wert: „Frauen wissen, was passiert. Sie sehen und bemerken mehr, wie Agatha Christie.“ Es sind sanfte Krimigeschichten, langsam dahinfließend unter dem hitzeweißen Himmel. Wo unzählige Tassen Rotbuschtee getrunken werden und Zeit genug ist, erst nachzudenken und dann mit Bedacht zu handeln. Wo der Eukalyptuswald Schatten spendet und vor den Häusern über Viehherden und Löwen geschwätzt wird. Die Detective Lady No. 1 beleuchtet Land und Leute mit Humor und Liebe. Ihre Weltsicht gründet auf Werten wie Vertrauen, Würde und Güte – das ist das Besondere an diesen Geschichten. Sie wärmen das Herz mit ihrem hintergründigen Charme vor der Kulisse einer fremden Ferne mit fest gefügten Moralvorstellungen. Wie kann sich ein Top-Wissenschaftler in die Welt einer Schwarzafrikanerin versetzen? „Ich bin in Rhodesien geboren und aufgewachsen, und nach meinem Studium in Edinburgh bin ich ins Nachbarland Botswana gegangen“, erklärt McCall Smith. Dort hat er am Aufbau des Rechtssystems mitgearbeitet. „Ich liebe das Land, ich komme jedes Jahr einmal zurück, und ich schreibe dann – fast wie in Trance.“ Auf rund 50 Bücher hat es McCall Smith mittlerweile gebracht. Fachtitel sind darunter, Kinderbücher, eine satirische Romantrilogie. Seit Monaten mailt er täglich eine frisch ausgedachte Fortsetzung seines Edinburgh-Romans an die Tageszeitung „Scotsman“. Die BBC hat bereits mit der Verfilmung begonnen. Und eine zweite Serienheldin ist geboren, die sich in Edinburgh in Kriminalistisches verstrickt. Nach den sprudelnden Quellen seiner Inspirationen befragt, wird McCall Smith nachdenklich: „Höre ich Stimmen? Nein. Ich setze mich an den Computer, es fließt aus mir heraus; ich könnte immer weiterschreiben.“ Für seine „Mma Ramotswe“-Romane hat er viele Auszeichnungen erhalten. Er öffnet eine Schatulle, nimmt den Dolch heraus, den begehrten Golden Dagger Award der Crime Writers’ Association. „Davon haben wir übrigens zwei in der Straße“, klärt McCall Smith auf. Das zweite Mordinstrument gehört Ian Rankin, der wohnt gleich nebenan. Seine Thriller um den spröden Inspektor Rebus sind ebenfalls Millionenseller und werden nur noch übertroffen von „Harry Potter“-Autorin Joanne K. Rowling, die auch um die Ecke wohnt. Was ja irgendwie passt: Ende letzten Jahres ist Edinburgh von der UNESCO nämlich zur ersten „Literaturstadt der Welt“ gekürt worden.

Ingrid Nowel

Titel

  1. Keine Konkurrenz für Mma Ramotswe
    • VerlagEhrenwirth
    • ISBN 343103456X

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  2. In Edinburgh ist Mord verboten
    • VerlagBlessing
    • ISBN 3896672630

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