Literatur-Nachrichten

... und am Ende siegt die Liebe - Reiselektüre!

Bloß keinen Stress im Urlaub! Und leichte Lektüre, bitte! Eine abenteuerliche Reise mit einer Schwester und vier Büchern, die zum Schmökern einladen.

Meine Schwester und ich, ein Wohnmobil in Kanada und ein Stapel nagelneuer Unterhaltungsliteratur. Traumhaft, oder? Jeden Tag die Wahl: die Innenwelten des Romans oder raus vor die Tür? Passionen oder Pazifik? Natürlich haben wir jeden Tag gelesen, manchmal im Schatten eines Baumes, dann wieder in einer Ecke des Autos. Und das Vergnügen war leichte Beute. Denn Margret und ich schmökern gern mal in Büchern mit Landhäusern drauf (oder wahlweise mit schwarzen Highheels). Man braucht nicht Wochen, um Lektüre solcher Art durchzukriegen, außerdem schont sie die Nerven. Maeve Binchy gehört eigentlich zur Landhaus-Fraktion, aber ihren neuen Roman hat die irische Bestseller-Autorin ans Mittelmeer verlegt. Ihr griechisches Dorf ist zwar viel idyllischer als das kretische Kaff, in dem Margret sonst ihre Ferien verbringt, doch das macht gar nichts. Auf die „Insel der Sterne“ spült der Zufall vier junge Leute aus vier Ländern. Alle haben sie ihre Sorgen und Probleme, alle sehnen sich nach Liebe und Harmonie, und so nach und nach findet zusammen, was zusammengehört. Väter und Söhne, Paare, Freundinnen. „Sehr übersichtlich“, urteilt Margret zufrieden. Schon komisch, diesen Dialogen in typisch griechischen Tavernen zu folgen, während wir uns am Ozean in die Fleecejacken kuscheln! Aber so eine gemütliche Geschichte wärmt eben auch. Maeve Binchy hat etwas Mütterliches, wenn sie uns – schön zwischen den Zeilen natürlich – zu mehr Mitgefühl ermahnt. Einander zuhören, nicht vorschnell urteilen, Verständnis für die alten Eltern aufbringen, so lauten ihre Botschaften. Vergleichsweise rasant und witzig beginnt da unser nächster Roman: Bei einem Juwelenklau im Hamburger Nobelvorort Blankenese erweist sich Paul als „Ein Mann zum Stehlen“. Und als echter Profi, der auch unvorhergesehene Situationen elegant und schlagfertig meistert. Natürlich hat Daniel Bielenstein keinen Krimi geschrieben, schließlich gehört er zu den neuen Männern, die sich sagen: Was die Frauen können, das können wir auch. Nämlich mit Frauenliteratur Geld verdienen. Zielgruppe: urbane, berufstätige Menschen Mitte 30. Erfolgreich, romantisch, Single. Und so geht es in Bielensteins neuem Buch doch mehr um die große Liebe als um den großen Coup. Selbst bei Silvia und Torsten, den Polizisten, die dem gefürchteten Juwelendieb auf der Spur sind. Meine Schwester Margret, immer auf der Suche nach schönen Sätzen, liest mir vor: „Es würde ihr gut tun, öfter einmal zur Ruhe zu kommen und in sich hineinzuspüren.“ Oh ja. Daniel Bielenstein ist ein Frauenversteher. Und Nicholas Sparks erst! Wenn Daniel Bielenstein wie Ildikó von Kürthy klingen möchte, ist Sparks eher das männliche Pendant zu Maeve Binchy. Schon weil er ein so enthusiastischer Vertreter des Landlebens ist. Siehe seinen neuen Roman „Die Nähe des Himmels“. Jeremy, als Wissenschaftsjournalist auf die Entlarvung von Geisterführern spezialisiert und mit den laxen Sitten der New Yorker Verlags- und Partyszene vertraut, lernt von den liebenswerten Bewohnern einer kleinen Stadt in North Carolina, dass man nicht alles erklären kann, sondern auch mal glauben und vertrauen muss. Trotzdem schön, dass die mysteriösen Lichter auf dem Friedhof doch noch ihren guten physikalischen Grund finden! Dass die Liebe am Ende siegt, ist bei einer „romantic novel“ ja sowieso klar. Im Norden Kanadas gibt es viele wilde und wohlschmeckende Tiere, und deshalb wäre Melissa Banks erstes Buch eigentlich viel passender für unseren Abenteuerurlaub gewesen: „Wie Frauen fischen und jagen“. Macht aber nichts. Ihre „Dinge, die Frauen aus Liebe tun“ entwickeln sich trotzdem zu unserem Ferienlektüre-Favoriten. Bank erzählt in acht Episoden vom Erwachsenwerden der Sophie Applebaum – in New York. Sophie ist nicht trendy, nicht smart, nicht entscheidungsstark und immer auf der Suche nach Identität, Erfolg und Liebe. Sie möchte rasend gern dazugehören, aber wie macht man das? Meistens verlaufen die Beziehungen irgendwie im Sande. „Wir waren eine Restaurant-Rechnung, geteilt durch zwei“, sagt Sophie über ihren Freund Josh, wenig später ihr Ex. Meine Schwester und ich folgen ihr amüsiert durch Big Apple und das verminte Terrain der Lebensgefühle, denn Sophie als Erzählerin hat einen feinen, trockenen Humor. Bis sie herausfindet, dass nur glücklich wird, wer glücklich ist, haben wir uns bestens unterhalten. Und jetzt fühlen wir uns auch wieder reif für die Großstadt!

Anne Buhrfeind

Titel

  1. Insel der Sterne
    • VerlagKnaur
    • ISBN 3426661810

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  2. Ein Mann zum Stehlen
    • VerlagScherz
    • ISBN 3502110026

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  3. Die Nähe des Himmels
    • VerlagHeyne
    • ISBN 3453016025

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  4. Dinge, die Frauen aus Liebe tun
    • VerlagDiana
    • ISBN 3453290135

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