Literatur-Nachrichten

Tägliches Vorlesen macht Kinder stark

Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde, sind häufiger darum bemüht, andere in die Gemeinschaft zu integrieren. Das unter anderem hat die Vorlesestudie 2015 von Stiftung Lesen, "Die Zeit" und der Deutschen Bahn Stiftung ergeben.

Regelmäßiges Vorlesen unterstütze die individuelle Entwicklung von Kindern, von schulischen Leistungen bis hin zu familiären Bindungen. Auch sei der allgemeine Gerechtigkeitssinn dieser Kinder besonders ausgeprägt, selbst jenseits ihres unmittelbaren Umfelds, heißt es weiter in der gemeinsamen Presseinformation. Die Initiatoren der Vorlesestudie − die Stiftung Lesen, die ZEIT Verlagsgruppe und die Deutsche Bahn Stiftung − präsentierten die Ergebnisse am 9. November in Berlin.  

Die Studienleiterin Simone C. Ehmig (Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen) wies darauf hin, dass die Bedeutung des Vorlesens unabhängig vom Bildungshintergrund der Familien nachweisbar ist: "Tägliches Vorlesen unterstützt Kinder auch dann in ihrer Entwicklung, wenn die Eltern kein Abitur und keinen Hochschulabschluss haben. Jeder Vater und jede Mutter sollte diese Möglichkeit nutzen, um das eigene Kind zu fördern."

Vorlesen stärke aber nicht nur die Kinder selbst, sondern auch die sozialen Beziehungen, in denen sie leben. Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde, seien häufiger darum bemüht, andere zu integrieren, als Kinder, denen nur selten oder nie vorgelesen wurde (40 vs. 17 Prozent). 85 Prozent der Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, besitzen nach Aussage ihrer Mütter einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, im Unterschied zu 40 Prozent der übrigen Kinder. Was das für die Gesellschaft insgesamt bedeutet, betonte Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen: "Ein Kind mit Gerechtigkeitssinn, das über sein direktes Umfeld hinaus Interesse und Solidarität zeigt, wird sich auch später engagieren – sei es im Ehrenamt oder als Entscheider in einer beruflichen Position."

Weitere Ergebnisse:

  • 7 Prozent der Mütter oder Väter haben ihren Kindern mehrmals am Tag vorgelesen, als sie klein waren. 18 Prozent einmal am Tag. Mehrmals in der Woche lasen 35 Prozent der Eltern ihren Kindern vor, einmal in der Woche 10 Prozent.
  • Seltener (15 Prozent) oder nie (15 Prozent) haben zusammen 30 Prozent der Eltern ihren Kindern vorgelesen, als sie klein waren.
  • 93 Prozent der Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, werden von ihren Müttern als fröhlich beschrieben, 75 Prozent als selbstbewusst. Dies gilt laut Studie für Kinder, denen selten oder nie vorgelesen wurde, nur in 59 beziehungsweise 44 Prozent der Fälle.

Zur Studie

Die Vorlesestudie ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung "Die Zeit" und der Deutschen Bahn Stiftung gGmbH und wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2015 hat das Feldinstitut Iconkids & Youth vom 30. Juni bis 31. Juli 524 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren und ihre Mütter persönlich befragt.

Die komplette Studie kann auf der Website der Stiftung Lesen heruntergeladen werden.

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