Literatur-Nachrichten

Der Ritter der Tafelrunde

Der Künstler und bekennende Genussmensch Bruno Bruni schaut mit seinem ungewöhnlichen Koch- und Erinnerungsbuch über den Tellerrand hinaus.

Nichts liebt er mehr, als seine Familie und Freunde zu bekochen. Aber Vorsicht! Ihm dabei in die Töpfe zu gucken, das hat er gar nicht gern. „Ich muss allein dabei sein, dann kann ich mich konzentrieren und bin glücklich.“ Sagt einer, der gleich drei Küchen zur Verfügung hat, um seiner kochenden Leidenschaft zu frönen. Eine gehört zu seinem Haus in Italien, eine seiner Frau in Hannover und eine zu seinem Hamburger Domizil, einem umgebauten Hallenbad. Überall schwingt Bruno Bruni die Kochlöffel. Ein klingender, ein melodischer Name, der in der Vorstellung sogleich alle sonnigen Genüsse Italiens heraufbeschwört. Aber grundsätzlich und überhaupt ist Bruno Bruni Bildhauer, Maler und Zeichner und als solcher einer der bekanntesten zeitgenössischen Künstler. Zahlreich sind seine Auszeichnungen. Nicht zuletzt in seiner Heimat ist er geehrt worden – da wurde er, der seit 40 Jahren vorwiegend in Hamburg zu Hause ist, zum „Offiziellen Ritter der Republik Italien“ gekürt. Der offizielle Ritter, mit seinen dunklen Wuschellocken, runder Brille und stets verglühter Zigarre, ist von Dolce-Vita-Appeal umgeben. In seinem Haus in Pesaro an der Adria waren sein Freund Gerhard Schröder und Familie zu Gast. Gleich nebenan residiert Pavarotti. Aber auch in Hamburg hat Bruni Duftmarken gesetzt: In seiner Stammkneipe „Cuneo“, dem ältesten Italiener in Hamburg, ist der Box-Fan fast jeden Abend anzutreffen: „Es ist mein zweites Zuhause.“ Auch dort zelebriert er, was er „meine Art zu leben“ nennt. Auf den Punkt lässt sich diese mit dem Titel seines neuen, rundum schönen Buches bringen: „Gaumenfreuden und Kunstgenuss“. Bruni wedelt mit der Zigarre, seine Stimme ist weich und tief. Er redet über Knoblauch und Öle, über Riesentöpfe für die Pasta und kommt auf das Problem mit den Tomaten: „In den Wintermonaten hier ist es schwierig, habe ich doch tatsächlich holländische mit italienischem Namen gekauft! Sehr clever, die Holländer.“ Was er mit seinem Kochbuch denn bezweckt? „Es sollte kein gewöhnliches Kochbuch sein: Ich bin ja kein Koch! Und ich will auch nicht ein Restaurant aufmachen.“ Muss er auch nicht: Eines seiner Lieblingsgerichte, die Scampi mit weißen Bohnen, sind „à la Bruno Bruni“ seit langem ein fester Bestandteil der „Cuneo“-Speisekarte. „Ich wollte ein Buch über mein Leben machen, über meine Familie, Kunst, Politik. Und mit meinen Rezepten.“ Zahlreiche Freunde kommen zu Wort, seine Brüder, seine Frau Margit und natürlich „Brunos kulinarische Verführungskunst“. Ein Erinnerungsbuch an die Mutter ist es auch geworden. Sie war es, die in Kriegs- und Nachkriegsjahren die große Bahnwärter-Familie zusammengehalten hat, immer selber buk und Nudeln machte. „Meine Mutter war eine phantastische Köchin, alles nach Gefühl, keine Rezepte. So mach ich es ebenfalls, mit Liebe für alles.“ Mama Bruni war es auch, die ihren mageren Bruno, der es an der Lunge hatte und so schön malen konnte, auf die Kunstschule schickte. „Da sitzt er warm und trocken, dachte sie.“ Warm und trocken hatte es Bruni allerdings noch lange nicht. In London schrubbte er Böden im Fish & Chip-Shop, brachte es aber auch zu seiner ersten Ausstellung. Eine Freundin schlug ihm dann vor, an die Kunsthochschule nach Hamburg zu wechseln. Einer der dortigen Dozenten sah sich seine Mappe an. „Bist du links?“, fragte er Bruni. Und als er das bejahte, hieß es lapidar: „Gut, du kannst morgen in meiner Klasse anfangen.“ Was folgte, ist Kunst-Geschichte: Malen, Zeichnen, Bildhauern, auch mal Randale, politische Einmischung, Heirat, Kinder, Ausstellungen – aber immer auch Freunde und Kochen. Mit seinen Zyklen und Serien – über Rosa Luxemburg, Che Guevara oder die dunklen anonymen Mafiosi –, mit den geschmeidigen Skulpturen spitzbrüstiger Frauenleiber, mit seinen meisterhaften Farblithografien und Handzeichnungen wurde er berühmt. Sein Buch mit vielen Fotos und Dokumenten, neuen Zeichnungen und Skizzen von Fischen, Erbsen und Menschen, mit Rezepten von Salaten, seinen Scampi, Wintersuppen im Tontopf und Kaninchen mit wildem Fenchel ist ein sinnliches Spiegelbild seiner „Art zu leben“ geworden. Bruni hat gerade seinen 70sten gefeiert. Kein Grund für ihn, klein beizugeben: „Ich bin groß, dick und gesund, will sehr lange leben und habe noch viel vor.“ Extratipp Wie Bruno Bruni ist auch André Heller ein Gastgeber mit Leidenschaft. Der Wiener Universalkünstler, 1947 geboren, genießt Weltruhm: Er ist Chansonier, Autor und Regisseur; er hat Labyrinthe und Wunderkammern wie die „Swarovski Kristallwelten“ geschaffen, Feuerspektakel, Zirkus- und Varieté-Shows. Sein verwunschener Garten, der giardino botanico, in Gardone am Gardasee ist Gartenparadies und Skulpturenpark. Als Kulturbeauftragter der FIFA ist er für alle Rahmenprogramme der Fußball-WM 2006 verantwortlich. Jetzt lädt er erstmals ein in sein privates Reich, einen prachtvollen, 200 Jahre alten Palazzo in venezianischem Stil. Lässt uns teilhaben an kulinarischen Genüssen, an von Herzen kommender Gastfreundschaft in exquisiter Atmosphäre.

Ingrid Nowel

Titel

  1. Gaumenfreuden und Kunstgenuß
    • VerlagHädecke
    • ISBN 3775004602

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  2. Zu Gast bei André Heller
    • VerlagBrandstätter
    • ISBN 385498443X

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