Literatur-Nachrichten

Am Anfang steht die Liebe

Trennungen sind lästig: etwas zwischen Kränkung und Aufatmen. Da hilft nur ein klarer Kopf. Sechs Ratgeber für fast jede Situation.

Fast jede zweite Ehe in Deutschland und der Schweiz wird geschieden. Noch häufiger enden Zweierbeziehungen ohne Trauschein. Das jahrhundertelang propagierte Konzept „… bis dass der Tod euch scheidet“ hat ausgedient, aus vielen, nicht nur schlechten Gründen. Was bleibt, wenn die Gefühlslage kippt, ist erst mal kompliziert, psychisch sowieso und im Ernstfall auch rechtlich. Das Schwerste, sagt Dietmar Stiemerling in seiner „Trennungshilfe für gescheiterte Partnerschaften“, ist die Einsicht ins Scheitern. Der Paartherapeut ist überzeugt, dass ein Ende mit kalkulierbarem Schrecken allemal besser ist als ein Schrecken ohne Ende, was sich immer leichter sagen als beherzigen lässt. Es gelingt ihm, sich dem sensiblen Komplex mit sachlichen Argumenten anzunähern. „Wenn Paare sich nicht trennen können“ zielt ausdrücklich auf Beziehungen, in der die Zweisamkeit nicht mehr zu retten ist, sehr wohl aber das Lebensglück beider Beteiligten. Im Idealfall ist die Lektüre der erste Schritt auf dem Weg zur Erkenntnis – im Zweifelsfall der erste Schritt zur Therapie. „Lass uns Freunde bleiben.“ Wer hat bei diesem Satz nicht schon sarkastisch geschnaubt? Dabei kann das Ende einer Beziehung tatsächlich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein, behauptet Mathias Voelchert in seinem Ratgeber „Trennung in Liebe“ – eine Lebenshilfe für Paare, die im Guten auseinander gehen wollen. Das Buch funktioniert ganzheitlich – über stimmungsvolle Fotos, knappe, aussagekräftige Zitate, einfühlsame Sprache. Der Autor blickt dabei auch auf die eigene einvernehmliche Trennung zurück, setzt auf die Kraft des guten Beispiels und appelliert an die „Selbstheilungskraft“ der Betroffenen. Wer seinem Rat Taten folgen lassen kann, hat wohl das Schlimmste hinter, das Beste vielleicht noch vor sich. Wenn’s hart auf hart kommt, ist nicht der Psychologe gefragt, sondern der Jurist. Ausgerechnet im Gefühlschaos werden Weichen für die Zukunft gestellt, denn jede Trennung hat erhebliche rechtliche Konsequenzen. Yvonne und Stephan Maaßen vermitteln in „Ihr gutes Recht bei Trennung und Scheidung“ alles, was es zu wissen gilt. In der Schweiz kennt sich Daniel Trachsel aus („Trennung – von der Krise zur Lösung. Kinder, Rechtliches, Finanzen“, Beobachter, 232 S., 34,– sFr). Die praxisorientierten Ratgeber bieten das richtige Werkzeug für einen sauberen Schnitt. Nicht immer um saubere, aber um tiefe Schnitte geht es in Abschiedsbriefen von Frauen. Sibylle Berg hat sie gesammelt unter dem Motto „Und ich dachte, es sei Liebe“. Die boshaften, romantischen, entnervten, klugen, melancholischen, ungläubigen oder schlicht traurigen letzten Botschaften können ganz wunderbar über eigene Befindlichkeiten hinweghelfen. Ob zeitgenössisch oder historisch, ob berühmt oder einfach eine von uns – ihre Episteln bringen auf den Punkt, was sich nun mal nicht leugnen lässt: Liebe ist erstens oft endlich und grundsätzlich nie genug. Heiraten angesichts der tristen Statistik wird mehr und mehr zur ethisch religiösen Frage. Da Scheiden immer wehtut, egal ob mit oder ohne Trauschein, und auch die rechtlichen Folgen ähnlich sind, kann’s ja fast nur um Steuern oder ums Prinzip gehen. In „Trotzdem heiraten“ verteidigt der Theologe Jochen Jülicher ganz locker das doch immer noch Besondere dieser „ernsthaft-fröhlichen“ Angelegenheit. Hilfreich für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, den Bund zu schließen, zum ersten, zweiten, dritten Mal, vielleicht sogar fürs Leben. An jene, die beim nächsten Mal alles besser machen wollen, richtet sich Umberto Galimbertis „Liebe. Eine Gebrauchsanweisung“. Galimberti gönnt es sich, im Wissen der Epochen zu schwelgen und damit weiterzuarbeiten. Ausgehend von der Tatsache, dass „heute die Verbindung zwischen zwei Menschen nicht mehr vom täglichen Kampf ums Überleben“ bestimmt ist, sondern „das Ergebnis einer persönlichen Wahl“ ist, entwickelt er das Modell einer zeitgemäßen, vom Mythos befreiten Liebe – bei der das „happily ever after“ nicht Bedingung, aber immerhin Option ist.

Ira Panic

Titel

  1. Wenn Paare sich nicht trennen können
    • VerlagKlett-Cotta
    • ISBN 3608890106

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  2. Trennung in Liebe
    • VerlagKösel
    • ISBN 346630718X

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  3. Ihr gutes Recht bei Trennung und Scheidung
    • VerlagUrania
    • ISBN 3332018086

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  4. "Und ich dachte, es sei Liebe"
    • VerlagDVA
    • ISBN 3421059209

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  5. Trotzdem heiraten
    • VerlagEchter
    • ISBN 3429027705

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  6. Die Liebe
    • VerlagBeck
    • ISBN 3406542093

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