Literatur-Nachrichten

Viechereien

Schwule Pinguine, tollkühne Krähen und ein extrem eifersüchtiger Dackel: Tierische Helden drehen in Kinderbüchern auf.

Tiere bringen uns zum Staunen, zum Lachen. Roy und Silo etwa, zwei Pinguinmännchen, die vom anderen Geschlecht nichts wissen wollen und gemeinsam ein Nest bauen, in dem sie unverdrossen einen Stein (!) bebrüten. Immer hübsch abwechselnd, wie das bei diesen Laufvögeln üblich ist. Eines Tages schieben ihnen barmherzige Pfleger ein echtes Ei unter. So kam das Pinguinkind Tango zu zwei Vätern. Die Geschichte ist nicht erfunden, sie hat sich im New Yorker Zoo zugetragen und inspirierte Edith Schreiber-Wicke und Carola Holland zu dem vergnüglich-schwungvollen Bilderbuch „Zwei Papas für Tango“, das Kinder wie nebenbei mit nicht alltäglichen Familienformen vertraut macht. Die Affinität von Kind und Tier verblüfft immer wieder. Letzthin verhexte ein Katzenbaby in unserer Familie eine komplette Rasselbande. Die Eieruhr musste gestellt werden, damit das putzige Fellknäuel gerecht von Schoß zu Schoß wechseln konnte. Aus Meckerziegen, Frechdachsen und Streithammeln wurden gesittet wartende, ehrfurchtsvoll flüsternde Kinder, von denen man bisher nur geträumt hatte. Auch Antje Damm weiß, dass kleine Menschen große Tierfreunde sind. Die Künstlerin, deren elektrisierende Einfälle in den vergangenen Jahren eine neue Note ins Bilderbuch brachten, überrascht in „Was ist das?“ mit einem Bilderreigen, in dem Alltagsgegenstände zu Tieren werden: Zwei Karotten mutieren zum Hasen, ein paar Drops verwandeln sich in eine Käferschar und ein Gartenschlauch in eine gefährliche Schlange. Diese Ratebilder lassen die Dinge hinter den Dingen sehen und machen Lust, selber weiterzuspinnen. Das Buch ist ein Augen-Öffner! Apropos: Geradezu Stielaugen macht Dackel Cheffie, als ins idyllische Heim Schäferhund Alex einbricht. Was, wenn Cheffie jetzt nicht mehr die Nummer eins bei der kleinen Emma ist? Verbissen setzt er sich zur Wehr – und erlebt am Ende eine beschämende Überraschung. Launig wird in „Cheffie ist der Boss“ das strapazierte Seelenleben des eifersüchtigen Dackels ausgebreitet. Die Illustrationen setzen dem Hunde-Spektakel die Krone auf. Tiergestalten im Bilder- und Kinderbuch sind die beliebtesten Helden. Tragende Rollen im Jugendroman spielen sie eher selten. Doch nach dem Überraschungserfolg des Abenteuerromans „Urchin von den Sternschnuppen“, in dem ein Eichhörnchen gegen finstere Mächte streitet, legt der Verlag Bloomsbury nach: „Der Mob. Auf Feder und Knochen“ erzählt von einer Krähen-Sippe, ihren Mythen, Gewohnheiten und auch von Quertreibern, die Regeln verletzen und damit die Sicherheit des Schwarms gefährden. Diese Tierfantastik aus der Vogelperspektive lässt den Leser abheben und betört durch ihren Metaphernreichtum: „Gibt es irgendeinen Vogel, der anmutiger fliegt als eine Krähe? Irgendeinen Vogel, der den Wind so abschätzen, so austesten, seine Stärke erkennen, mit ihm spielen, ihn necken und auf ihm schweben kann wie eine Krähe? Wir Krähen sind Piloten des Windes, Akrobaten der Luft.“ Jetzt wissen wir, wie der Hase läuft – wer von Tieren begeistert ist, lernt diese lieben, mehr noch, will ihnen auch den notwendigen Lebensraum erhalten. Also Kontakte schaffen zwischen Kind und Tier! Bücher zuschlagen und ab in den Zoo – oder zum nächsten Biotop!

Verena Hoenig

Titel

  1. Zwei Papas für Tango
    • VerlagThienemann
    • ISBN 3522435281

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  2. Was ist das?
    • VerlagGerstenberg
    • ISBN 3806751277

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  3. Cheffie ist der Boss
    • VerlagBeltz
    • ISBN 3407799098

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  4. Der Mob
    • VerlagBerlin Verlag
    • ISBN 3827050642

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  5. Pu der Bär / Pu baut ein Haus
    • VerlagDressler
    • ISBN 3791513206

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