Literatur-Nachrichten

Orientierung gesucht

Nie waren sie so wertvoll wie heute: Werte. Neue Gedanken über das, was im Leben wirklich zählt und welche Richtung wir einschlagen sollten.

Bevor man über Redlichkeit redet, muss man begreifen, wie stark die neue Unredlichkeit ist. Sagt „Ethikguru“ Rupert Lay, Autor von mehr als 40 Büchern, Jesuit, Berater von Konzernchefs und Ministern. Lay schrieb schon 1989 eine erfolgreiche „Ethik für Manager“, zu einem Zeitpunkt, als die Zehn Gebote noch kein Talkshowthema waren. Sein aktuelles Buch „Die neue Redlichkeit“ beginnt denn auch mit einem Ausflug in die Historie. Unredlichkeit gab es schon in der so genannten „guten alten Zeit“. Aber, so Lay und Co-Autor Posé vom Ethikverband der deutschen Wirtschaft, sie kommt heute ohne Schuldbewusstsein daher und ist allgegenwärtig. Anhand hunderter analysierter Einzelfälle belegt das Buch, wie nachhaltig unser Wertesystem gestört ist: Leere Glücksversprechen in der Politik, die rücksichtslose Verschiebung von Geld zur Profitmaximierung, das Dogma der Jugendlichkeit in Medien und Wirtschaft, tagtägliches Mobbing im Bürozimmer… Dagegen setzt Lay das Prinzip der „Biophilie“: „Handle und entscheide stets so, dass du eigenes und fremdes Leben eher mehrst als minderst.“ Der wichtigste Ort einer neuen Redlichkeit ist bei ihm der, an dem die Unredlichkeit noch ihre Triumphe feiert: das Unternehmen. Auch Barbara Mettler-von Meibom hat Unternehmen im Blick, aber ihr Buch ist vor allem eine sensible Anleitung zur Selbstfindung. Die Kraft, nach der wir uns neu ausrichten sollen, ist die „Wertschätzung“, ein oft vernachlässigter Wert. Wertschätzung bezieht sich nicht nur auf die Mitmenschen, sondern auf die Natur und das eigene Selbst. Die Autorin vermittelt psychotherapeutische und spirituelle Techniken, um die Wertschätzung im eigenen Verhalten und Bewusstsein zu verankern. Heiko Ernst, Chefredakteur der Zeitschrift „Psychologie heute“, scheint auf den ersten Blick die Besorgnis erregenden Zeitdiagnosen der anderen noch zu toppen. Elegant und scharfsinnig weist er nach: Unsere moderne Gesellschaft beruht geradewegs auf den sieben Todsünden. Wollust, Hochmut, Habsucht, Zorn, Neid, Trägheit und Völlerei. Die permanente Stimulation der Wollust ist heute kein Laster mehr, sondern Marketinginstrument und Lifestyleattribut. Hochmut erscheint nur noch dann bedenklich, wenn die Selbstinszenierung danebengeht, ansonsten ist im Kampf um Aufmerksamkeit Narzissmus ein Muss. Die Habsucht klingt aus dem Jubelschrei der Schnäppchenjäger („3-2-1-meins“), der Zorn tobt sich hinter dem Lenkrad aus. Sind wir also des Teufels? Ernst gibt Entwarnung: All diese Sünden können auch produktiv sein, es komme nur darauf an, das richtige Maß zu finden. Wenn Sie also das nächste Mal „der Teufel reitet“, reiten sie ruhig mit. Aber nur ein kleines Stück.

Bert Bresgen

Titel

  1. Die neue Redlichkeit
    • VerlagCampus
    • ISBN 3593379244

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  2. Wege zum Frieden mit der inneren und äusseren Natur
    • VerlagKösel
    • ISBN 3466-07104

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  3. Wie uns der Teufel reitet
    • VerlagUllstein Buchverlage
    • ISBN 3550078323

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