Belletristik / Im Porträt

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Das Leben ist gut

Die Poesie des Alltags

In seinem charmanten neuen Roman „Das Leben ist gut“ erzählt der Erfolgsautor und Wirt Alex Capus von einem Autor und Wirt. Wir haben in Olten mit ihm gesprochen.

Alex Capus hat es raus. Wenn man ihm so zusieht, wie er braun ­gebrannt in seinem ärmellosen grauen ­T-Shirt im leicht verwilderten Garten hinter seiner Bar sitzt und Espresso trinkt, kommt man leicht auf die Idee, mit ihm tauschen zu wollen. Er ist nicht nur ein erfolg­reicher Autor, der Kritiker wie Leser gleichermaßen begeistert, auch in seinem sonstigen Leben scheint alles am rechten Platz zu sein. Da ist zum Beispiel die Bar, die er vor drei Jahren gekauft hat und die damals noch ein „richtiges Drecksloch“ war, wie er aufgeräumt erzählt. Heute, nach der Renovierung, an der Capus tatkräftig mitgewirkt hat, ist sie eine der ­beliebtesten Bars in seinem Schweizer Heimatörtchen Olten. Und auch in Sachen Liebe scheint Capus das große Los gezogen zu haben. Seine Frau, die er seit 23 Jahren kennt und mit der er vier Kinder hat, ist ihm immer noch so nah und unverzichtbar wie in der Zeit des Kennenlernens. „Wenn ich einmal eine Nacht ohne sie verbringen muss, weiß ich gar nicht, wie ich mich abends ins Bett legen soll, so sehr irritiert mich das“, erzählt er schmunzelnd.

Eine Irritation, die er mit Max, dem Helden seines neuesten Romans, teilt. Max ist Schriftsteller, Barbesitzer und eigentlich hat er in ­seinem Leben alles wunderbar eingerichtet. Doch dann verkündet seine Frau aus ­heiterem Himmel, dass sie für ein Jahr eine Dozentur in Paris annehmen will. Ein ganzes Jahr also, in dem Max seine Frau nur an den Wochen­enden sehen wird – er weiß gar nicht, wie er das aushalten soll. Schon am ersten Tag vermisst er sie heftig. Er denkt morgens beim Frühstück an sie, während er Altglas zum Container fährt, in ­seiner Bar mit den Gästen Billard spielt oder Bier zapft. Er denkt an die ge­legentlichen heftigen Meinungsverschiedenheiten und die schönen ge­mein­samen Reisen. Er denkt daran, wie es wäre, wenn sie ihm verloren ginge. Ob es irgendwann wieder eine Frau für ihn gäbe und wie die dann beschaffen sein müsste: „Sie müsste anders aussehen, anders klingen, anders riechen. Das wäre ja sonst erniedrigend für uns alle, wenn sie bloß Tinas Wiedergängerin wäre.“

Alex Capus’ neuer Roman ist eine erfrischend unsentimentale Liebeserklärung seines Ich-Erzählers Max an seine Frau, aber gleichzeitig auch viel mehr als das. Es ist eine Liebeserklärung ­eines Schriftstellers und Barbesitzers an das Leben. Wenn Max nicht gerade an seine Frau denkt, lässt er höchst unterhaltsam seine Gedanken schweifen. Er sinniert über seine Freunde, seine Gäste in der Bar, seine Arbeit, seine fast erwachsenen Jungs, und das alles mit viel Humor und einem aufmerksamen Blick für die Schönheit und Zartheit mancher Momente und Begegnungen. Das Leben in all seiner Vielfalt hat es ihm angetan und der Schriftsteller in Max kommt nicht umhin, sich gelegentlich die Frage zu stellen, ob es nicht vielleicht sogar der Literatur und dem Schreiben vorzuziehen sei. Er ist dann beinahe überzeugt, „dass das Leben schon genug sei – dass es das Leben selbst sei, dem man Schönheit einhauchen müsse, statt es mit Kunst aufzuhübschen wie einen Weihnachtsbaum“. Aber natürlich kann er dann am Ende vom ­Schreiben doch nicht lassen. 

Capus’ Max ist ein Kleinstadtheld, den man sofort ins Herz schließen muss, unbeirrbar ortsfest und dennoch offen, der die Kleinstadt liebt, ohne kleingeistig zu sein. Nachdem so viele seiner Bücher am Leben historischer Figuren entlanggeschrieben sind, hat Capus seinem Protagonisten diesmal viel aus seinem eigenen Alltag mitgegeben. Wobei natürlich auch hier gilt, wie so oft bei guter Literatur, dass das Allermeiste genauso wahr ist wie prächtig aus­gedacht. Nicht allzu ausgedacht ist allem Anschein nach aber Max’ Begabung für ein gutes Leben, die er jener besonderen Mischung aus Sensibilität und Herzlichkeit, Forschheit und Pragmatismus verdankt. Eine Mischung, die ganz einfach ins Glück führen muss – und zu einem so schönen, unaufgeregten und menschenfreundlichen ­Roman wie „Das Leben ist gut“.

Nadja Einzmann

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