Belletristik / Premiere

Last Exit Wunstorf-Luthe

Ausweitung der Kampfzone: Philipp Winklers knallharter, tieftrauriger Debütroman über einen jungen Hooligan trifft wie ein Faustschlag. Clemens Meyer und David Fincher lassen grüßen.  

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Hool

Heiko Kolbe ist zwei Mal durchs Abi gerasselt, hat die Sache mit Yvonne verbockt, jobbt im Wotan Boxing Gym seines Onkels und ist Teil der Hannoveraner Hooligan-Szene. Manchmal, wenn die Gewalt, wie zur EM in Frankreich, vor laufender Kamera explodiert, sind Hooligans in aller Munde.

Doch in der Regel ist die Welt, in die uns Philipp Winkler mit seinem jugendlichen Helden mitnimmt, weiter entfernt als die Oberfläche des Mars. Dabei liegen die Orte der illegalen Free-Fights, zu denen sich die Hools per Wegwerf-Mobiltelefon verabreden, gleich nebenan: auf sonntäglichen Pendlerparkplätzen, im Stadtforst, in Industrie­brachen. Beim rituellen Einstecken und Austeilen, Mann gegen Mann, gibt es kein Publikum, keine Schaulustigen. Meist ist schon nach Minuten alles vorbei. 

Winkler, aufgewachsen in Hagenburg bei Hannover, hat 2015 für Auszüge aus „Hool“ den Retzhof-Preis für junge Literatur des Literaturhauses Graz erhalten. Sein packendes, sprachmächtiges Debüt ist – obwohl ausgezeichnet recherchiert bis in kleinste Details – keine verkappte Sozialreportage, sondern große Literatur: das Psychogramm eines Heranwachsenden, der nie gelernt hat, seine Gefühle zu artikulieren – und dem am Ende nichts bleibt außer der Gewalt.

Nils Kahlefendt

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