Spannung / Im Porträt

Eiskaltes Grauen

Unterm Polarkreis gedeihen kriminelle Fantasien besonders prächtig: Die Isländerin Yrsa Sigurdardóttir legt mit „DNA“ einen fabelhaften Start ihrer neuen Thrillerserie hin.

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DNA

Es gibt kaum ein friedlicheres Fleckchen Erde als Island. Nirgendwo ist die Zahl an Gewaltverbrechen niedriger, manchmal gibt es ein ganzes Jahr lang kein einziges Tötungsdelikt. Außer in Krimis, wo sich die riesige Vulkaninsel mit ihren gerade einmal 330 000 Einwohnern als mörderisches Eiland entpuppt. 

Eine Autorin, die den Isländern in den langen Winternächten das Gruseln beibringt, ist Yrsa Sigurdardóttir, die neben ihrem Landsmann Arnaldur Indridason zu den populärsten und international erfolgreichsten Schriftstellern des Landes gehört. Rätsel­hafte Begebenheiten, menschenleere Dörfer, brutale Verbrechen und die spektakuläre, unwirtliche Kulisse Islands – mit diesen Ingredienzen fesselt die studierte Bauingenieurin, die mit der sechsteiligen Thrillerreihe um die junge Anwältin Dóra Gudmundsdóttir berühmt wurde. 

Mordserie in Reykjavík 

Mit welcher Raffinesse die Schriftstellerin ihre Leser in Atem hält, beweist sie auch in ihrem neuen Thriller „DNA“, der mit dem Isländischen Krimipreis ausgezeichnet wurde und der zugleich Start einer neuen Serie mit Kommissar Huldar und der Psychologin Freyja ist. Schon der Anfang hat es in sich: In Reykjavík wird die Leiche der jungen Mutter Elísa entdeckt, deren Kopf mit silbernem Klebeband umwickelt ist und die auf entsetzliche Weise zu Tode gequält wurde. 

Elísas siebenjährige Tochter Margrét hatte sich, vom Täter unbemerkt, unterm Bett versteckt. Obwohl schwer traumatisiert, kann das Mädchen den Ermittlern Hinweise liefern: Es sei ein „schwarzer Mann“ gewesen – und er werde wieder morden. Tatsächlich gibt es kurz darauf ein weiteres Opfer, wieder verliert eine Frau auf dieselbe erbarmungslose Weise ihr Leben. 

Mit einer wohldosierten Mischung aus Spannung und Atmo­sphäre gehört Yrsa Sigurdardóttir seit Jahren zu den besten ­Spannungsautorinnen der Welt. Dabei lässt sie sich beim Erzählen durchaus Zeit. Auch bei „DNA“ hetzt sie nicht atemlos durchs Geschehen, sondern entwickelt die Geschichte behutsam und mit einem klugen Spannungsbogen. Außerdem stellt sie in ihren ­Krimis Figuren vor, die neugierig machen. So hatten Freyja und Huldar, der neu im Team ist, kurz zuvor einen One-Night-Stand – bei dem sich Huldar als Tischler ausgab. Es ist also Druck im Kessel, und das nicht nur wegen der Morde in Reykjavík.  Mit „DNA“ ist Yrsa Sigurdardóttir ein fabelhafter Serienstart gelungen, der Lust macht auf mehr. Lange müssen wir sicher nicht warten – in Island gedeihen kriminelle Fantasien bekanntlich prächtig.

Wolf Beetz

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