Spannung / Reihenweise

Terror der Braunhemden

Volker Kutscher erweckt in seinen Krimis um Kommissar Gereon Rath das Berlin der 1930er Jahre zum Leben. Im sechsten Band, „Lunapark“, hat es der Ermittler mit einer Mordserie und brutalen SA-Sturmtrupps zu tun.

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Lunapark

Frühjahr 1934, das Hitler-Regime sitzt fest im Sattel und die Nazis zeigen nun ihr wahres Gesicht: Die Geheime Staats­polizei verbreitet Angst und Schrecken, die Schlägertrupps der SA hetzen Menschen durch Berlins Straßen, überfallen Versammlungen und verschleppen Kommunisten, Juden und politisch ­Andersdenkende in ihre Folterkeller. Ausgerechnet in dieser auf­geheizten Atmosphäre hat es Kommissar Gereon Rath mit einer Mordserie an SA-Männern zu tun. Doch selbst die Kriminalpolizei kann nicht mehr ungestört arbeiten: Es wird eine Sonderkommission gebildet und Rath muss an der Seite des Gestapo-Mannes und Ex-Kollegen Reinhold Gräf ermitteln, der wie selbstverständlich davon ausgeht, dass die Täter Kommunisten sind. 

Rath indes verfolgt eine andere Spur: Im SA-Sturm hunderteins haben sich offenbar Berliner Kriminelle versammelt, die im Schutz der NSDAP-Kampforganisation ihre dunklen Geschäfte fortführen. Und die SA-Führung, bemerkt Rath, hält ihre schützende Hand über die Truppe. Doch wer steckt hinter den Morden? Hat jemand mit den Ganoven, die nun als Braunhemden die Stadt terrorisieren, eine Rechnung offen? 

„Lunapark“ heißt Volker Kutschers sechster Roman um Gereon Rath, den es aus Köln ins ungeliebte Berlin verschlagen hat. Erneut beeindrucken neben der Spannung und dem ausgeklügelten Plot vor allem die Atmosphäre der brodelnden Metropole und die historischen Details. So arbeitet Rath im Polizeipräsidium am Alex unter Führung von Kriminalrat Ernst Gennat, genannt „Buddha“, ob seiner stoischen Ruhe und seiner Leibesfülle, der einer der bekanntesten Kriminalisten seiner Zeit war. 

Band eins von Volker Kutschers außergewöhnlicher Krimiserie, „Der nasse Fisch“ (2007), setzt 1929 ein und erzählt von einem brutalen Mord und skrupellosen Verbrechern aus der Berliner Unterwelt. Schon damals lernten die Leser Gereon Rath als schillernde Figur kennen, die so gar nicht zum Idealbild des aufrechten Polizisten taugt, der in finsteren Zeiten für Recht und Ordnung sorgt. Rath ermittelt auf eigene Faust, setzt sich über Regeln hinweg, trinkt gern und hintergeht, wenn es sein muss, Kollegen, Vorgesetzte und sogar seine Familie. Er hasst Kommunisten, hat mit den Nazis aber nichts am Hut – wenngleich seine Abneigung nicht so weit geht wie die seiner mutigen, emanzipierten Frau und Ex-Kollegin Charly, die den Kripo-Dienst quittierte, als Hitler an die Macht kam.  

Wirtschaftskrise, Machtübernahme, Reichstagsbrand, Naziterror – vor dieser historischen Kulisse spielen Kutschers Krimis, die der Kölner Autor noch bis ins Jahr 1936, das Jahr der Olympischen Spiele in Berlin, fortführen will – und vielleicht darüber hinaus, wie er auf seiner Website schreibt. Dort ist auch zu lesen, dass „Die Sopranos“, die legendäre TV-Serie über eine italo-amerikanische Mafiafamilie, ihn inspiriert und beeinflusst habe. Und ähnlich, wie die US-Serie frischen Wind ins Fernseh-Einerlei brachte, eröffnet Kutscher dem Krimi neue Welten, indem er alte lebendig macht. Und bald wird Gereon Rath sogar zum Bildschirm-Helden: Regisseur Tom Tykwer dreht gerade unter größter Geheimhaltung nach Kutschers Romanen eine 16-teilige Krimireihe unter dem ­Titel „Babylon Berlin“, die Ende 2017 im Fernsehen laufen soll. 

Hier finden Sie ein Interview mit David Nathan, dem Sprecher der Hörbuch-Fassungen von Volker Kutschers Krimis, die bei Argon erscheinen. 

Fakten zur Reihe

Bd. 1: „Der nasse Fisch“
Bd. 2: „Der stumme Tod“
Bd. 3: „Goldstein“
Bd. 4: „Die Akte Vaterland“
Bd. 5: „Märzgefallene“
Bd. 6: „Lunapark“

Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch und Argon (Hörbücher)

Eckart Baier

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