Spannung / Wortwechsel

Das Scherbenhaus
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© Annett Achtzehn

"In diesem Haus lauert der Tod"

Susanne Kliem seziert in ihrem Psychothriller „Das Scherbenhaus“ nicht nur die Seele eines Stalkers. Das Leben der Heldin Carla gerät zum Horrortrip. Ein Gespräch über Wohnen, Ängste und gute Küche. 

Ihr Thriller „Das Scherbenhaus“ fasziniert mit gegensätz­lichen Lebenswelten. Heldin Carla zieht von einem alten, ­kuscheligen Bauernhaus in Stade nach Berlin in die Hightech-Immobilie Safe Haven. In diesem Smart Home läuft alles vollautomatisch. Wo zögen Sie lieber ein?
Weder in die eine noch in die andere Lebenswelt. Mich faszinieren diese neuen minimalistischen Glaspaläste in Berlins City, doch für so ein durchgestyltes Zuhause wäre ich selbst viel zu chaotisch. Und ein Bauernhaus mit knarzenden Holzbalken mitten in der Natur ist wunderbar romantisch, aber leider bin ich ein Angsthase und würde bei jedem nächtlichen Geräusch zusammenfahren. Deshalb fühle ich mich in meinem Berliner Dach­geschoss sehr gut aufgehoben.

Warum ist es für Menschen so wichtig, wie sie wohnen?
Unser Zuhause ist unser Rückzugsort von einer Außenwelt, die wir zunehmend als unkontrollierbar oder sogar bedrohlich empfinden. Es ist der Ort, an dem wir ganz wir selbst sein können. Wenn in diese Intimsphäre jemand gewaltsam eindringt, wie es im „Scherbenhaus“ passiert, stehen wir schutzlos da. Und wohin dann?

Ihre Heldin, eine Profiköchin, wird von einem Stalker verfolgt, der aus der Anonymität heraus zuschlägt. Bekommen Opfer wie sie immer noch zu wenig Hilfe?
Ja, denn selbst wenn es der Polizei gelingt, den Täter zu enttarnen, können sich die Betroffenen oft nicht von dem Gefühl der Bedrohung befreien. Sie sind traumatisiert. Auch Carla fühlt sich mit ihren Ängsten alleingelassen. Freunde und Familie verstehen nicht, warum sie ihr normales Leben nicht wieder aufnehmen kann.

Das Safe Haven, in das Carla sich flüchtet, ist von der Außenwelt abgeschottet wie eine Festung ­. Wollten Sie einen Mikrokosmos schaffen, in dem sich Beziehungen wie unter einem Brennglas beobachten lassen?
Genau. Es geht um die verschworene kleine Hausgemeinschaft dort, um ein enges Geflecht von Abhängigkeiten. Carla sucht Schutz, doch die merkwürdigen Zwischenfälle steigern sich und fordern zwei Menschenleben – in diesem Haus lauert der Tod. 

Psychische Extreme stehen im Zentrum Ihrer Krimis. Warum sind sie so fesselnd?
Vielleicht, weil auch wir hineingeraten könnten? Mir geht es um die Eskalation in menschlichen Beziehungen, um Ängste und seelische Ausnahmezustände, um Manipulation und Machtmissbrauch: um das Böse, das im Alltäglichen lauert. 

Es duftet nach Zimt und Koriander, es schmeckt nach Ziegenkäse und Feigenmousse: Ihr Roman ist auch eine sinnliche Ode an das Kochen. Essen Sie selbst immer so gut?
Oh, das wäre schön! Bei uns zu Hause ist mein Mann der Begabtere am Herd, und wenn er mal richtig loslegt, entstehen durchaus so wunderbare Kreationen wie bei der Profiköchin Carla. Im Alltag jedoch muss es bei uns vor allem schnell und unaufwendig gehen. Zum Glück lässt sich Carlas Birnen-Ziegenkäse-Tarte in knapp einer halben Stunde zaubern, genau wie im Roman beschrieben.

Interview: Petra Mies

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