Literatur-Nachrichten

Bundespräsident Steinmeier eröffnet deutschen Stand

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein Amtskollege Andrzej Duda, der Präsident der Republik Polen, werden am 19. Mai den deutschen Stand anlässlich des Gastlandauftritts der Bundesrepublik Deutschland auf der Warschauer Buchmesse (18.−21. Mai) offiziell eröffnen. Am Sonntag wird Außenminister Sigmar Gabriel erwartet.

Am Messe-Sonntag werden Außenminister Sigmar Gabriel und der Außenminister Polens, Witold Waszczykowski, am deutschen Stand erwartet, wie die Frankfurter Buchmesse mitteilt. Die beiden Politiker werden gemeinsam mit dem Schriftsteller Juri Andruchowytsch um 13.15 Uhr an dem Podiumsgespräch "Europa bewegen – Wie können wir den europäischen Gedanken wiederbeleben?" teilnehmen. Zum ersten Mal werde ein deutscher Gastlandauftritt auf einer ausländischen Buchmesse von zwei ranghohen politischen Delegationen besucht. Das zeige den hohen Stellenwert, den die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland bei den Regierungen beider Länder genießen, so die Frankfurter Buchmesse.

"Worte bewegen. Siła słów"

Das Programm, das von der Frankfurter Buchmesse und dem Goethe-Institut gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland vorbereitet wurde, steht unter dem Motto "Worte bewegen. Siła słów". Es soll die Literatur als einen Freiraum für den offenen Dialog und den Austausch von Gedanken, Emotionen und Informationen präsentieren.

"In einer Zeit, in der Europa zunehmend unter Druck steht und demokratische Grundrechte wie Presse- und Meinungsfreiheit gefährdet sind, wollen wir diesen Gastlandauftritt nutzen, um über Themen zu sprechen, die uns bewegen: Europa als Sehnsuchtsort, die besorgniserregenden rechtspopulistischen Tendenzen in vielen Ländern, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise – aber auch Fragen nach gemeinsamen Werten und kulturellen Identitäten", erklärt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. "Wie kein anderer Ort ist eine internationale Buchmesse der freien Meinungsäußerung verpflichtet. An wenigen Tagen kommen hier Menschen aus vielen Nationen zusammen, die sich mit Leidenschaft und Kompetenz für die Verbreitung des geschriebenen Wortes einsetzen. Dieses demokratische Grundrecht mit allen Mitteln zu verteidigen ist unsere wichtigste Aufgabe."

"Wir freuen uns auf den deutschen Gastlandauftritt in Warschau", sagt Christoph Bartmann, Leiter des Goethe-Instituts Warschau. "Er unterstützt unsere Bemühungen um einen intensiven deutsch-polnischen Kulturdialog auch in politisch schwierigen Zeiten. Die Namen der eingeladenen Autoren und die Titel der Veranstaltungen verraten, dass bei aller Vielfalt die Freiheit des Wortes ein zentrales Thema sein wird."

Zum deutschen Gemeinschaftsstand

Auf einer Fläche von 220 Quadratmetern wird der deutsche Gemeinschaftsstand (Stand 115 / D 11) der Vielfalt der deutschen Buchkultur eine Bühne bereiten: Insgesamt 66 Aussteller nutzen den Gastlandauftritt, um mit polnischen Verlagen ins Gespräch und ins Geschäft zu kommen – ein Rekord. 23 Verlage sind mit Mitarbeitern vor Ort vertreten, darunter Aufbau, Rowohlt, Suhrkamp, Kookbooks, Gabal und Loewe. Die polnische Buchhandlung Co-Liber wird den Buchverkauf am deutschen Stand übernehmen.

Mit Nobelpreisträgerin Herta Müller werde eine Schriftstellerin zu Gast sein, die biografisch und künstlerisch viele Grenzen überschritten hat, heißt es weiter. Ihre Erfahrungen in einer kommunistischen Diktatur habe Herta Müller literarisch verdichtet: Ihre Prosa verstört und bewegt. Bei polnischen Leserinnen und Lesern sei Herta Müller sehr gefragt – in keine andere Sprache wurden so viele ihrer Bücher übersetzt wie ins Polnische. Die rumänisch-deutsche Schriftstellerin werde oft als Mahnerin für die Verteidigung von Menschenrechten wahrgenommen. "In jeder Sprache sitzen andere Augen in den Wörtern" lautet der Titel der Veranstaltung, die Herta Müller mit dem polnischen Publizisten Adam Krzeminski ins Gespräch bringen wird.

"Quo vadis Europa?"

Unter diesem Motto werden der westukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch, die deutsche Politologin Ulrike Guérot und die polnische Publizistin Magdalena Grochowska drei unterschiedliche europäische Positionen verhandeln. Die Moderation übernimmt Jacek Żakowski.

Podiumsdiskussion "Für das Wort und die Freiheit"

Wo Presse- und Meinungsfreiheit unterdrückt werden, ist die Demokratie in Gefahr. Welche Konsequenzen hat das für eine Gesellschaft? Wie können insbesondere Autoren und Journalisten der Zensur begegnen, wie weiterhin ihren Beruf ausüben? Bei der Podiumsdiskussion "Für das Wort und die Freiheit. Chancen und Gefahren in Zeiten des politischen Wandels" werden die Autoren und Journalisten Artur Becker, Ewa Wanat, Marek Cichocki und Alexander Skipis (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) über eines der drängendsten Themen unserer Zeit sprechen, die Moderation übernimmt Gerhard Gnauck.

Weitere Highlights

Darüber hinaus erwartet die Besucher ein reiches Programm zu fachlichen, literarischen und gesellschaftspolitischen Themen, aber auch zu Kinder- und Jugendliteratur sowie Krimis. Elf Autoren werden in Warschau mit polnischen Literaten und Journalisten diskutieren: Neben den bereits erwähnten sind dies Wolfgang Bauer, Ulrike Draesner, Jakob Hein, Daniela Kohl, André Kubiczek, Charlotte Link, Alice Pantermüller und Daniela Seel.

Literaturbegeisterte können am deutschen Gemeinschaftsstand in rund 800 deutschen Büchern blättern – gezeigt werden u.a. die Kollektionen "Für das Wort und die Freiheit – Bücher zur Meinungsfreiheit", "Rights List Children’s Books on Tour", "Die Schönsten deutschen Bücher 2016", "Vom Ende der Einsamkeit − Literarische Neuerscheinungen", "Meines Vaters Land – Nachkriegsbiografien" sowie erstmalig die Kollektion "Dieses Baums Blatt. Naturerleben deutschsprachiger Autoren".

Zwischen dem deutschen und dem polnischen Buchmarkt bestehen langjährige, enge Verbindungen. Polnische Verlage sind wichtige Lizenzpartner für deutsche Verlegerinnen und Verleger: 2015 wurden 367 Lizenzen vergeben, ein leichter Anstieg gegenüber 2014 (324 verkaufte Lizenzen). Seit 2011 findet sich Polen unter den zehn wichtigsten Sprachen für die Lizenzvergabe deutscher Titel ins Ausland. In Deutschland ist das Interesse an polnischer Literatur konstant. Polnisch rangiert unter den 20 Top-Sprachen, aus denen deutsche Verlage übersetzen: 2015 wurden insgesamt 48 polnische Werke ins Deutsche übersetzt, davon 16 belletristische Titel (Quelle: Buch- und Buchhandel in Zahlen 2016).

Im Jahr 2000 präsentierte sich Polen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, 2006 folgte der Gegenbesuch Deutschlands in Warschau. Gespiegelt wird dieser Austausch auch durch das Interesse der polnischen Bevölkerung an deutscher Kultur: Laut Auswärtigem Amt lernen über zwei Millionen polnische Schüler Deutsch.

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