Spannung / Vorgestellt

Die Überfahrt
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© [M] Rettungsring: © BArch, Bild 146-1993-069-16 / o.Ang., Blut: © mashimara / Thinkstock; © jopelka / iStock / Thinkstock | Dilek Kraus-Yasar

Albtraum auf See

Die Passagiere der Ostseefähre wollen nur ihren Spaß, doch das Schiff wird für sie zur tödlichen Falle. In dem Thriller „Die Überfahrt“ spielt Autor Mats Strandberg virtuos mit unseren Ängsten.

Die Baltic Charisma liegt im Hafen von Stockholm vor Anker und wartet darauf, dass 1 200 Passagiere und Hunderte Autos in ihrem riesigen Maul verschwinden. Das 170 Meter lange Fährschiff wird nach Finnland fahren, die meisten Gäste wollen jedoch 24 Stunden später wieder in Stockholm aussteigen – falls sie sich noch auf den Beinen halten können. Denn für die Mehrzahl hat die Reise vor allem einen Zweck: Spaß haben und möglichst viel zollfreien Alkohol trinken.

So wie für Madde, die Buchhaltungs­assistentin, die die Ein-Tages-Fahrt bestimmt schon 20-mal mitgemacht hat und die sich heute zusammen mit ihrer Freundin Zandra amüsieren will. Oder wie für Tomas, der mit Freunden Stefans Junggesellenabschied feiert. Das Schiff bevölkern aber nicht nur junge Leute, die dem Alltag entfliehen wollen, und ältere Herrschaften auf der Suche nach erotischen Abenteuern. An Bord sind auch die patente Pia vom Sicherheitsdienst, Filip, der an der Bar im Club Charisma Starlight Dienst schiebt, und der abgehalfterte Schlagerstar Dan Appel­gren, der die Gäste zu Karaoke-Auftritten animiert. 

Und natürlich Kapitän Berggren, der sein Schiff seit Jahren auf der immer gleichen Route über die Ostsee manövriert. Er weiß genau, was ihn und seine Gäste in den kommenden Stunden erwartet und dass seine Crew schon bald alle Hände voll zu tun haben wird, um die Partylaune der Passagiere in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken. Kapitän Berggren hat schon alles gesehen und erlebt. Glaubt er. Denn er kann nicht ahnen, dass die heutige Fahrt der Baltic ­Charisma an einem herbstlich kühlen Tag Anfang November keine Routine, sondern etwas anderes bringt: das Grauen.   

Stephen King lässt grüßen

Der Schrecken in Mats Strandbergs Thriller „Die Überfahrt“ kommt aus einer anderen Welt. Und er kommt unerwartet, obwohl der Leser schon ahnt, dass mit der Mutter und ihrem Kind, die auch an Bord gegangen sind, irgend­etwas nicht stimmt. Der schwedische Autor weiß genau, wie Horror am besten funktioniert: Je normaler die Menschen sind, von denen erzählt wird, desto intensiver ist der Albtraum, der sich Bahn bricht. Keiner weiß dies besser als Stephen King, und vom „King of Horror“ hat Mats Strandberg viel gelernt. Mit zehn (!) Jahren  sei er durch Stephen King zu einem begeisterten Leser geworden und seither liebe er das Horror-Genre, sagte Strandberg in einem Interview. Nun hat der Autor der „Engelsfors“-Trilogie seinen ersten Thriller dieser Art geschrieben, der in Schweden stürmisch gefeiert wurde. 

Virtuos spielt der 40-Jährige mit den Ängsten seiner Leser, macht die klaustrophobische Enge der Fähre, auf der kein Handy funktioniert, hautnah spürbar. Vor dem inneren Auge sieht man die labyrinthischen Gänge im Bauch des Schiffs. Und die Hunderte Kabinentüren – hinter jeder könnte der blutige Tod lauern. Denn blutig, so viel sei verraten, geht es zu in Strandbergs Thriller.

Einen guten Horrorfilm zu schauen, setze bei ihm jede Menge Angst frei und befreie ihn von Stress, sagt Strandberg. Und Horror sei ein gutes Genre, um Figuren zu erforschen und die großen Fragen über Gut und Böse, über Leben und Tod zu ergründen. Seine Figuren bleiben dem Leser lange im Kopf.  Und auch die Frage, ob man wohl jemals wieder eine Ostseefähre betreten will.

Hier finden Sie ein Interview mit David Nathan, dem Sprecher der Hörbuch-Fassung von "Die Überfahrt"!

Wolf Beetz

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