Spannung / Im Porträt

Die Kinder
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Wulf Dorn© sebastian weidenbach www.shadow-cowboy.com

Subtiler Horror

Bestsellerautor Wulf Dorn hat mit „Die Kinder“ einen packenden Psychothriller geschrieben. Die perfekte Lektüre für den Herbst, wenn die Nächte lang und dunkel werden.

Wulf Dorn weiß Bescheid über innere Abgründe. Kaum einer schreibt über die Zerbrechlichkeit der menschlichen Seele so gut wie dieser Autor, der vor sieben Jahren mit seinem Debütroman „Trigger“ eine Blitzkarriere zum Bestsellerautor hinlegte und seither ein international gefragter Thrillerautor ist. 

Eigentlich ist der blonde Endvierziger gelernter Industriekaufmann und Fremdsprachenkorrespondent – dass er einmal Bestseller schreiben würde, hätte er nie vermutet. „Ich habe zwar mit dem Schreiben angefangen, als ich zwölf Jahre alt war – aber dass ich damit heute mein Geld verdiene, ist schon ein großes Glück.“ 

Bevor sich Wulf Dorn ganz dem Schreiben widmete, arbeitete er 20 Jahre lang in einer psychiatrischen Klinik und hatte Gelegenheit, zu verstehen, was eigentlich passiert, wenn die psychische Widerstandskraft nicht mehr ausreicht und die Seele Schaden nimmt. „Das kann ganz schnell gehen – ein Unfall, ein Todesfall in der Familie. Irgendetwas, das uns aus der Vertrautheit herausreißt“, schildert er seine Erfahrungen. Es könne jeden treffen, jederzeit. Um diesen Moment des Verlusts der Standfestigkeit und um die Folgen geht es auch in Dorns Büchern. 

Kaum einer inszeniert den Schrecken und das Fürchten in so leisen Tönen und so spannend wie er; die Bedrohung bleibt meist subtil, der Horror oft nur eine grollende Drohung. Dorn ist ein geduldiger Mensch, das zeigt sich in seinen Büchern ebenso wie im Gespräch. Er ist einer, der zuhören kann, der aufmerksam nachfragt, Sinn fürs Detail hat und selten etwas vergisst. Und der spannende Schlussfolgerungen zieht. Eine Gabe, die er bei seiner Arbeit mit Patienten ebenso einsetzen konnte, wie er es heute beim Schreiben tut. 

Unerklärliche Dinge geschehen
Der neue Thriller „Die Kinder“ ist Dorns siebter Roman – er sei anders als die vorherigen, erklärt der Autor. An die Stelle der psychologischen Seelenforschung tritt ein fantastisches Element, eine schwebende Unerklärlichkeit – es geht einfach nicht mehr mit rechten Dingen zu im Leben der Schwestern Su und Laura Schrader. 

In einem schleichenden Prozess scheint der Wahnsinn in ihrem Leben Einzug gehalten zu haben, und zwar ausgerechnet durch die kleine Mia, Sus Tochter, deren Verhalten immer un­erklärlicher wird. Und dann wird das subtile Gruseln greifbar: In einer stürmischen, verregneten Nacht wird die völlig verstörte Laura in den Trümmern eines Wagens gefunden, in ihrem Kofferraum liegt eine entsetzlich zugerichtete Leiche. Aber was ist geschehen? 

Die Polizei zieht in den Ermittlungen den Psychologen Robert Winter hinzu – es wird der rätselhafteste Fall, mit dem er jemals konfrontiert wurde. Je mehr er von Lauras Erzählungen versteht, umso klarer wird ihm, dass die Gefahr, vor der Laura warnt, erschreckender ist als jeder traumatische Wahn. Im Zentrum dieser Bedrohung stehen die, die doch eigentlich am verletzlichsten sind: die Kinder. „Kinder sind die Zukunft – und mir hat der Gedanke keine Ruhe gelassen: Was passiert eigentlich, wenn die Zukunft gegen die Gegenwart rebelliert?“, fragt Dorn.

Einen Teil der Antwort bietet sein neuer Thriller: Wenn die Kinder zu den Waffen der Erwachsenen greifen, dann bleibt nicht mehr viel Zukunft übrig. Dorn lacht. So könne man das sehen. ­Positiv formuliert, sagt er, bedeute das: „Wir sollten jetzt anfangen, ein Vorbild zu sein. Empathie und Verständnis für die anderen zu entwickeln, anstatt Konflikte eskalieren zu lassen.“ 

Schreiben unter Obstbäumen
In „Die Kinder“ gelingt die Eskalationsvermeidung nicht. Kaum zu glauben, dass Dorn diesen düsteren Thriller in seinem sonnigen Garten in einem Dorf in der Nähe von Ulm geschrieben hat. Hier arbeitet er besonders gern unter Obstbäumen, die Katze streift dabei durch den Garten. Kinder, die auf dem Weg von der Schule nach Hause sind, bleiben stehen, um sie zu streicheln. 

Ob es diese Kinder sind, die ihn beim Schreiben animiert haben? Dorn winkt lächelnd ab. Er kenne nur nette Kinder, habe zwar keine eigenen, aber viele Nichten und Neffen. „Aber wir sehen die Kinder immer durch die Augen von Erwachsenen. Wissen wir denn wirklich, was in ihnen vorgeht?“ Man kann nur hoffen, dass es fern ist von allem, was in seinem Thriller plötzlich möglich wird. Denn sonst wird auch der sichere, sonnige Garten in der Nähe von Ulm schnell zu einem Ort des Grauens. Und das, versichert der Autor augenzwinkernd, sei auch nicht in seinem Interesse. 

Christiane Petersen

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