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Verlorene Heimat

In seinem Roman „Die Stadt der weißen Musiker“ erzählt der kurdische Schriftsteller Bachtyar Ali die märchenhaft anmutende Geschichte eines virtuosen jungen Flötenspielers vor durchaus realem Hintergrund.  

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Die Stadt der weißen Musiker

Für ihn als Kurden sei Heimat mit Unsicherheit, Angst und Grausamkeit verbunden, sagte Bachtyar Ali einmal in einem Interview. Zwar wurde seine kurdisch-nordirakische Heimat 1991 faktisch autonom, doch der Bürgerkrieg setzte die Bedrückungen fort. Deshalb seien auch seine Helden in „Die Stadt der weißen Musiker“ auf der Suche nach einem Ort jenseits der Wirklichkeit. Deshalb ist das Leben des Knaben Dschaladat voller wunderbarer und schrecklicher Wendungen, die ihn vom geliebten Sohn zum Waisen, vom Dorfjungen zum Heimatlosen und vom Flötenvirtuosen zum Tanzmusiker machen. Dabei ahnt er noch gar nicht, dass eine besondere Bestimmung auf ihn wartet: Er wird zum gefeierten Musiker und zum Sendboten jener magischen „weißen Stadt“, in der verfolgte Künstler und zerstörte Kunstwerke Zuflucht gefunden haben.

Als im vergangenen Jahr sein Roman „Der letzte Granatapfel“ auf Deutsch erschien, erntete Bachtyar Ali auf Anhieb höchstes Lob. „Wie konnte sich ein solcher Autor so lange vor uns verbergen?“, fragte ein Kritiker. Diese zweite deutsche Neuerscheinung zeigt Ali erneut als großen, kühnen Erzähler, dessen Romane zwar auf kurdischem Boden angesiedelt sind, der aber zugleich univer­selle Themen der Gegenwart gestaltet. 

Ulrich Baron

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