Literatur-Nachrichten

Scheiben mit Prädikat

Tolle Stimmen, informative Dokus, suggestive Musik: Die mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2007 ausgezeichneten Produktionen.

Der Deutsche Hörbuchpreis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem WDR, der WDR mediagroup und dem Nachrichtenmagazin „Focus“ vergeben. Die Gewinner 2007, die mit jeweils 3333 Euro bedacht wurden, hat eine prominent besetzte Jury aus mehr als 400 Einreichungen ausgewählt. Zu den Preisträgern zählt auch der Schweizer Verleger Wolfgang Koch, der für seine erst 2005 gegründete Edition „Hörkultur“ als „beste verlegerische Leistung“ ausgezeichnet wurde. Wahnsinn Krieg Volker Lechtenbrink war 14, als er in Bernhard Wickis legendärem Antikriegsfilm „Die Brücke“ nach dem gleichnamigen Roman von Manfred Gregor mitspielte. Rund 45 Jahre später leiht der Schauspieler seine raue Stimme der Hörbuchfassung. Die Geschichte um sieben Schüler, die in den letzten Tagen des Weltkrieges zur sinnlosen Verteidigung einer Brücke eingesetzt werden, hat nichts an Eindringlichkeit verloren. Lechtenbrink erhielt den Deutschen Hörbuchpreis als bester Interpret. Idylle mit Riss Als beste Interpretin ausgezeichnet wurde die Schauspielerin Monica Bleibtreu. Mit großer Wandelbarkeit in der Stimme liest sie den Krimi „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel, in dem es um historisch verbürgte Morde auf einem bayerischen Einödhof geht (mehr dazu auf S. 22). Der Roman, der bereits mit dem Deutschen Krimipreis 2007 prämiert wurde, besticht durch seine dichte Atmosphäre, die in der Hörbuchfassung durch Bleibtreus packenden Vortrag sogar noch gesteigert wird. Tanz auf dem Vulkan Gingen die Unterhaltungs- und Kabarettkünstler im Dritten Reich nur ihrem Beruf nach oder waren sie willige Helfer im Dienst der Nazi-Propaganda? Dieser Frage geht Volker Kühn in seiner Hör-Dokumentation „Mit den Wölfen geheult“ nach, ausgezeichnet in der Kategorie „Beste Information“. Historische Recherchen, zeitgenössische Musikaufnahmen und Interviews verwebt Kühn zu einem atmosphärisch jederzeit überzeugenden Zeitpanorama. Mit Pauken und Trompeten Ein Orchesterhörspiel – was ist das denn? Nun, jeder, der schon einmal Sergej Prokofjews berühmtes Hörspiel „Peter und der Wolf“ erlebt hat, weiß, was gemeint ist. Der Komponist Henrik Albrecht hat sich Oscar Wildes Canterville-Gespenst angenommen und dazu eine Originalmusik geschrieben, die dem komischen Schauerstück ein besonderes Flair verleiht. Dafür gab es in der Kategorie „Das besondere Hörbuch“ den Deutschen Hörbuchpreis. Töne einer Metropole Eine Stadt macht Geräusche, eine Stadt macht Musik. Vor allem, wenn sie Lissabon heißt. Der Schweizer Ueli Jäggi hat sie eingefangen und zusammen mit dem Text „Lissabonner Requiem“ von Antonio Tabucchi – ein Lobgesang auf den Dichter Fernando Pessoa – zu einer traumwandlerischen Collage montiert. Dafür gab es den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie „Beste Fiktion“. Von Kindern und Langohren Was hat der zehnjährige Konrad sich da nur aufgehalst! Seine neue Freundin, die vorlaute Friederike, spannt ihn in einen Rachefeldzug gegen die neue Freundin ihres Vaters ein. Ein Riesenkaninchen soll dabei die Hauptrolle spielen. Das Kinderbuch von Burkhard Spinnen ist wunderschön und rasend komisch. Die Hörbuchfassung aber auch. Die Auszeichnung für das beste Kinder- und Jugendhörbuch ging an Sprecher Boris Aljinovic.

Titel

  1. Belgische Riesen
    • VerlagPatmos
    • ISBN 3491241278

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  2. Tannöd
    • VerlagHörbuch Hamburg
    • ISBN 9783899032703

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  3. Mit den Wölfen geheult
    • Verlagduo-phon records
    • ISBN 9783937127095

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  4. Das Gespenst von Canterville
    • VerlagHeadroom Sound Production
    • ISBN 9783934887558

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  5. Lissabonner Requiem. Eine Halluzination
    • VerlagSprechtheater
    • ISBN 9783907877104

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  6. Die Brücke
    • VerlagHörkultur
    • ISBN 9783952308738

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