Literatur-Nachrichten

Special: Garten

Vor die Blumen, Kräuter, Sträucher hat die Natur das Buddeln, Mulchen, Säen gesetzt. Und etliche natürliche Widersacher. Erfahrungsbericht einer leidenschaftlichen Hobbygärtnerin.

Meine erste Kröte hatte ich mit 35. Sie hockte fett im Thymian, unter frisch gefallenen Herbstblättern. Sie war von tiefbrauner Farbe und hatte etwas Meditatives an sich. Im Gegensatz zu mir. Ich war ziemlich erschrocken, während dieser dicke Klumpen, der da so plötzlich auf meiner Hand gelandet war, gelangweilt blinzelte, als wollte er mir sagen: „Mädchen, nun stell dich mal nicht so an …“ Nun ist es nicht so, dass mir Tierisches grundsätzlich fremd wäre. Schließlich konzentrierten sich die Gartenfreuden meiner frühen Jugend auf das Sammeln und Aufbewahren von Regenwürmern. Ein schönes Hobby. Regenwürmer können übrigens auch sehr gut zuhören. Diese kleine Exkursion in die heimische Fauna macht an dieser Stelle durchaus Sinn, weil die meisten Gartenzeitschriften so tun, als sei ein Garten so etwas wie die Kosmetikabteilung eines Luxuskaufhauses. Da glänzen Rosen prall und rosig wie Marzipanschweinchen, stehen Tulpen strammer und geordneter als die Wachen vor Buckingham Palace. Und selbst Komposthaufen sehen aus wie die neue Menükreation eines baskischen Trendkochs. Mit der Realität hat das natürlich nicht viel zu tun. Wenn Sie sich einen Garten anschaffen möchten, dann müssen Sie sich darauf einstellen, ihn mit anderen Wesen zu teilen. Und nicht alle sind so niedlich wie das Eichhörnchen, das jeden Morgen pünktlich um neun in den Wipfeln der Tannen schaukelt und dort oben überlegt, wie es Ihren Hund bloß heimlich in den Schwanz beißen könnte. Schnecken lieben Bier Schnecken beispielsweise können ziemlich gemein sein. Und schnell. Ratzfatz ist ein Frühbeet leer gefuttert. Dann müssen Sie handeln. In Fachbüchern gibt es reichlich Tipps, was Sie tun sollen. Ein gern erteilter Ratschlag lautet, die Übeltäter einzufangen und mit einem Messer zu zerschneiden. Sollten Sie persönlich eine glückliche Kindheit erlebt haben, ist diese Methode nicht praktizierbar. Legen Sie doch lieber Bierfallen aus. Darin finden sich die Tierchen über Nacht zum fröhlichen Umtrunk ein und können am nächsten Morgen umgesiedelt werden. Bitte glauben Sie jetzt nicht, ich möchte Ihnen Ihr blühendes Reich verleiden. Aber wehrhaft sein muss man leider schon, will man sich an einem gesunden Garten erfreuen. Sehen Sie es so: Ihre Blumen und Ihr Gemüse vertrauen Ihnen. Sie haben sie liebevoll aufgezogen. Also dürfen Sie sie jetzt auch gegen alles verteidigen, was da seine biologischen Waffen gegen Ihre Schätzchen in Stellung bringt. Die meditative Kröte ist übrigens ein Verbündeter, obwohl sie nicht so aussehen mag. Kröten vertilgen Schädlinge und werden hübsch dick dabei. Wobei wir endlich bei den unendlichen Freuden eines Gartens wären. Im Februar stellen sich erste Hochgefühle ein, wenn Schneeglöckchen und Krokusse gewitzt ihre Blütenköpfchen durch den Schnee strecken. Der Frühling wird mit einem Meer von Tulpen und Narzissen gefeiert – und das ist zugleich ein Zeichen dafür, dass der Hund im Herbst bei seinen Versuchen, die mühsam vergrabenen Blumenzwiebeln wieder auszubuddeln, doch nicht so erfolgreich war. Übrigens kann man Tulpen auch im Topf ziehen und damit den Frühling auf den kleinsten Balkon locken. Erlebnis für alle Sinne Der Duft von frisch gemähtem Gras – wer verbindet damit nicht Jugenderinnerungen und fühlt sich zugleich erfrischt und belebt? Tipp für Heuschnupfengeplagte: einfach einen reichlichen Vorrat an Heuschnupfentabletten zulegen. Natürlich gar nicht fehlen darf das Kräuterbeet – nicht nur ein Sammelsurium wunderbarer Aromen, sondern auch eine Bereicherung jeder Küche. Ob windscheuer Basilikum, kräftiger Rosmarin, aromatischer Zitronenthymian, blauer Lavendel (übrigens ein prima Partner für die Rosen, denn er hält Läuse fern), wuchernde Petersilie oder fragiler Koriander – Kräuter erfreuen durch ihre Vielfalt. Daher sollte man sich unbedingt einen Sitzplatz in ihrer Nähe einrichten. In den Gartenstuhl sinken, Augen schließen und Düfte einsaugen – die Entspannung stellt sich dann von ganz alleine ein. Ohne Fleiß kein Preis Doch bevor die Mußestunde beginnt, kommt der grüne Daumen zum Einsatz. Hortensien wollen im Frühjahr ordentlich beschnitten werden. Sie bedanken sich dafür mit einer unendlich scheinenden Blühfreude. Beete bepflanzen – gut, wenn man von Gartenbüchern ein bisschen Planhilfe bekommt. Und dann muss man natürlich düngen, mulchen und vor allem Unkraut zupfen – Gartenarbeit kann ganz schön ins Schwitzen bringen. Doch kaum eine andere Tätigkeit vermittelt auch so viel Freude und Wohlbefinden. Zudem trainiert sie die Entscheidungsfreudigkeit und das Gedächtnis. Hatte ich hier im vorigen Jahr etwas gesät oder sind diese kleinen grünen Stängel, die keck aus der Erde sprießen, eher unerwünschtes Unkraut? Wohl dem, der ein Gartentagebuch führt und vermerkt, was er an welcher Stelle gepflanzt hat. Dem sich prächtig entwickelnden kleinen Ginkgo-Baum, den ein übereifriger Nachbar für Wildwuchs hielt und mit resoluter Hand ausrupfte, werde ich bestimmt noch lange nachtrauern. Männer werden – nebenbei bemerkt – wieder zu kleinen Kindern, wenn sie ein paar Körnchen aus einer Samentüte im Frühbeet verstreuen dürfen und nach einigen Wochen sehen, dass sich daraus tatsächlich eine stattliche Anzahl an Jungpflanzen entwickelt. Und abends, wenn das Windlicht im Apfelbaum hängt, der Tisch darunter gedeckt ist und man bei einem Glas kühlem Weißwein die Pracht von Clematis, Rosen, Lupinen und Margeriten bestaunt, weiß man: Um die Seele baumeln zu lassen und neue Energie zu tanken, ist der Garten ein paradiesischer Ort – weit weg vom Alltag.

Sandra Schulte

Titel

  1. Kleine Gärten - große Wirkung
    • VerlagDorling Kindersley
    • ISBN 9783831009893

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  2. 777 x Garten
    • VerlagUlmer
    • ISBN 9783800153565

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  3. Wiesenduft und Blütenzauber
    • VerlagHerder
    • ISBN 9783451294938

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  4. Geheime Gärten in Deutschland
    • VerlagDVA
    • ISBN 9783421035769

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  5. Gärtnern
    • VerlagHoffmann und Campe
    • ISBN 9783455380156

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  6. Mein Garten am Abend
    • VerlagBLV
    • ISBN 9783835401471

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  7. Gärten
    • VerlagHatje Cantz
    • ISBN 9783775718707

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