Literatur-Nachrichten

Cover-Kunst

Viele Bücher locken mit hübschen, bunten Einbänden. Hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht? Vier gelungene Beispiele.

Kleider machen Leute. Dieser Umstand ist nicht zu leugnen. Auch wenn wir sehr wohl wissen, dass es eigentlich auf die inneren Werte ankommt. Doch bis wir zu diesen vordringen, braucht es ein gewisses Maß an Anstrengung, an Einfühlung, an Neugierde. Bücher sind in diesem Zusammenhang auch nur Leute. Welche Schätze sie zwischen ihren Deckeln bereithalten, das ist jedes Mal aufs Neue eine Überraschung. Wobei der Schuss ja gelegentlich auch nach hinten losgeht. Deshalb ist es schön, ja mitunter sogar beglückend, wenn der erste Blick nicht trügt. Wenn das Cover eines Buches etwas verspricht, was sein Inhalt dann einlöst. Vier Neuerscheinungen haben wir ausgewählt, bei denen die Korrespondenz zwischen äußerem Schein und innerem Sein wunderbar stimmig ist. Punkt, Punkt, Komma, Strich In dem Ratgeber „Die Kunst, ein freundlicher Mensch zu sein“ des schwedischen Medizinprofessors Stefan Einhorn macht sich der Autor Gedanken darüber, dass es einen im Leben enorm weiterbringt, wenn man auf seine Mitmenschen eingeht, sie zuvorkommend und mit Respekt behandelt. Und was macht das in Pink getauchte Büchlein? Es blinzelt verwegen und vor allem grinst es sein breitestes Grinsen. Hier gehen Form und Inhalt optisch überzeugend Hand in Hand. Archaische Welten n einem piemontesischen Gebirgsdorf ist ein Mord geschehen. Das Schweigen und Wegschauen, das seit Generationen in dieser kargen Gegend mit ihren verwitterten, grobschlächtigen Bewohnern den Takt vorgibt, ist nun nicht länger möglich. Das Cover des in einer bedächtigen Sprache verfassten Romans „Der Steingänger“ des jungen Italieners Davide Longo zeigt eine Hütte am Hang, grob und verwittert. Hinter ihr gähnt die Finsternis des Gebirgswaldes. Die Hütte, das Gefühl beschleicht uns unwillkürlich beim Betrachten, birgt ein Geheimnis. Wir werden die Tür aufstoßen, auch wenn es uns dabei fröstelt … Symbolische Zeichen Von Geheimnissen ganz anderer Art kündet die Fotografie, die das Cover von Yasmine Ghatas Roman „Die Nacht der Kalligraphen“ schmückt. Wir sehen Schriftzeichen auf einer mit Mehndi-Malerei reich geschmückten Frauenhand, deren Finger sich auf einen Mund legen. Was sie bedeuten? Wir wissen es nicht. Aber sicher sind wir, dass wir in diesem Buch etwas von einer seit Jahrtausenden gepflegten Kunst erfahren werden, von uns fremden Traditionen und in Vergessenheit geratenen Denkweisen. Und die Französin Ghata enttäuscht uns nicht mit der Lebensgeschichte ihrer Großmutter, einer der wenigen Kalligraphinnen in der türkischen Geschichte. Im Rausch Da wird uns ganz schwummerig vor Augen. Buchstaben wabern hin und her und verweigern sich der festen Kontur. Ein paar hingekleckste Farbtupfer sorgen für zusätzliche Verwirrung. Müssten wir das Cover des Buches „Breites Wissen“ auf einen Begriff bringen, es gäbe keinen passenderen als „psychedelisch“. In der Tat geht es in diesem Sammelsurium um Drogen und alles – Bizarres, Skurriles, Abstoßendes –, was mit ihnen zusammenhängt. Das abgefahrene Cover erzählt bereits von alldem.

Balthasar Hauer

Titel

  1. Die Kunst, ein freundlicher Mensch zu sein
    • VerlagHoffmann und Campe
    • ISBN 9783455500226

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  2. Der Steingänger
    • VerlagWagenbach
    • ISBN 9783803132086

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  3. Breites Wissen
    • VerlagEichborn
    • ISBN 9783821856698

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  4. Die Nacht der Kalligraphen
    • VerlagAmmann
    • ISBN 9783250600862

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