Literatur-Nachrichten

Literaturnobelpreis-Gremium in der Krise

Die Schwedische Akademie, deren Mitglieder über den Literaturnobelpreis entscheiden, steckt in einer tiefen Krise: Drei der 18 Mitglieder haben am Freitag bekanntgegeben, nicht mehr mitarbeiten zu wollen, weitere wollen nachziehen. Hintergrund sind Korruptionsvorwürfe gegen das Akademiemitglied Katarina Frostenson.

Die Lyrikerin Katarina Frostenson (65) ist Mitinhaberin des von ihrem Mann betriebenen Kunstklubs Forum, der von der Akademie kontinuierlich finanziell unterstützt worden sei, wie die schwedischen Medien berichten. Damit hätte das Akademiemitglied Frostenson, die seit 1992 Mitglied der Akademie ist, über Zuwendungen an die Klub-Inhaberin Frostenson mitentschieden. Weiterhin steckt der Klub in juristischen Schwierigkeiten vom illegalen Ausschank von Alkohol bis zur Steuerhinterziehung, sodass Sara Danius, die Ständige Sekretärin der Akademie, sich gezwungen sah, eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Prüfung der Gemengelage zu beauftragen. Die Kanzlei gab den guten Rat, die Angelegenheit juristisch zu verfolgen, zumal 18 junge Schriftstellerinnen während der ersten Wellen der #meToo-Debatte berichteten, dass sich Frostenssons Mann mit dem Hinweis auf seine Nähe zur Akademie sexuelle Belästigungen und Übergriffe erlaubt hatte. Des Weiteren gibt es den Verdacht, dass Frostenson an ihn vertrauliche Informationen aus den Akademiesitzungen ausgeplaudert hat – ein Sicherheitsleck, was dem Ansehen der bislang sehr verschwiegenen Akademie immens schadet.

Am vergangenen Donnerstag hatte die Ständige Sekretärin nun die Reißleine ziehen wollen und den Ausschluss von Katarina Frostenson aus der Schwedischen Akademie forciert, aber nicht die nötige Mehrheit hinter sich gebracht: Acht der 14 anwesenden Mitglieder (Sture Allén, Horace Engdahl, Kristina Lugn, Göran Malmqvist, Anders Olsson, Bo Ralph, Tomas Riad och Jayne Svenungsson) konnten sich nicht zum Ausschluss durchringen, wie die Tageszeitung „Expressen“ berichtete; sie sahen die Hinweise der Kanzlei als zu wenig stichhaltig an. Daraufhin gaben am Freitag die Schriftsteller Klas Östergren, Peter Englund und Kjell Espmark bekannt, dass sie künftig den Sitzungen der Akademie fernbleiben wollen. Zurücktreten können sie nicht, denn ein formeller Rücktritt ist den Statuten der seit 1786 bestehenden Gremiums (mit der Aufgabe, die schwedische Sprache und Literatur zu fördern) nicht vorgesehen: Akademiemitglied bleibt man auf Lebenszeit. Da Schweigepflicht auf Lebenszeit bestehe, könne er sich nicht näher äußern, hatte Espmark auf eine Frage eines Radiosenders geantwortet.

 

Handlungsfähigkeit der Akademie bedroht

Wie sieht es nun mit der Arbeitsfähigkeit der Akademie aus? Um einen Beschluss zu fassen, reichen sieben Akademiemitgliederaus, um jedoch ein neues Mitglied in den erlauchten Kreis zu wählen, braucht es zwölf Stimmen, wie die schwedische Zeitung "Dagens Nyheter" klarstellte. Und damit könnte es nun knapp werden, weil Kerstin Ekmann und Lotta Lotass seit vielen Jahren nicht mehr an Sitzungen teilnehmen. Sara Stridsberg will als Nächste nicht mehr an Sitzungen teilnehmen. Verweigert sich noch ein weiteres Mitglied, ist das Gremium nicht mehr vollumfänglich handlungsfähig.

Fest steht, dass der Ruf der als ehrwürdig geltenden Institution durch die Korruptionsvorwürfehöchst ramponiert ist. Ingrid Elam, Kulturkritikerin des Fernsehsenders Sveriges Television, brachte gestern König Carl XVI. Gustav ins Spiel, der offiziell der ”Beschützer der Schwedischen Akademie” ist: Er könnte Sara Danius auffordern, eine neue Riege an Schriftstellern und Literaturwissenschaftlern für das Gremium zusammenzustellen.

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