Literatur-Nachrichten

Essen auf Rädern

Draußen schmeckt es doch gleich doppelt so gut. Ob Picknick oder Barbecue: Hier gibt es die besten Tipps und Tricks für eine gelungene Freiluft-Schlemmerei.

Was könnte stilvoller sein, als in frischer Luft und netter Gesellschaft anmutig eine köstliche Kleinigkeit aufzupicken? Tatsächlich kommt daher der Begriff Picknick. Die Bezeichnung für das Essen im Freien, das Frankreichs Adel im 17. Jahrhundert als Sommervergnügen entdeckte, setzt sich zusammen aus piquer (aufpicken) und nique (Kleinigkeit). In Großbritannien, wo das Picknick bis heute bei den oberen Schichten den Rang eines gesellschaftlichen Ereignisses hat, war Queen Victoria die Vorreiterin der Freiluft-Verköstigung. Die gestrenge Regentin knusperte schrecklich gern außerhalb der düsteren Palastmauern. Auf der Insel wurde im 19. Jahrhundert auch der klassische Picknickkorb erfunden, der sowohl die Speisen als auch eine gummierte Decke, Geschirr und Besteck enthält. Während der traditionellen Pferderennen in Ascot oder des Tennisturniers in Wimbledon ist das edle Accessoire nicht wegzudenken. Und selbst bei dem in England so geschätzten Cricket, dessen Faszination außerhalb des Commonwealth kein normaler Mensch nachvollziehen kann, ist in den Regeln eine 20-minütige Teepause festgelegt, in der ein Imbiss aus dem Körbchen eingenommen wird. Picknick, Grillen, Sommerküche Eigentlich ist ein Picknick gar nicht kompliziert. Zum Gelingen bedarf es lediglich schönen Wetters, eines hübschen Plätzchens im Grünen und geeigneten Proviants. Überraschende Leckereien und Verpackungsideen für unterwegs liefert zum Beispiel Reinhardt Hess in seinem Ratgeber „Grillen & Picknick“. Statt Stullen serviert er Sandwiches mit Olivensalat, Schnitzel-Sticks mit Gurkendip und einen guten Rat: „Denken Sie daran: Im Freien ist der Appetit immer größer.“ Recht hat der Mann! Und weiß auch zum Thema Grillen viele kernige Rezepte beizusteuern. Womit wir bei der rustikaleren und am weitesten verbreiteten Variante des Speisens unter freiem Himmel wären. Let’s do the Barbecue: Was klingt wie ein neuer Disco-Tanz, geht zurück auf einen begeisterten Ausruf französischer Trapper im Amerika des 17. Jahrhunderts. Die Jungs mit den Pelzmützen hatten immer mächtig Appetit und rösteten deshalb ganze Bisons über dem Lagerfeuer. Das brachiale Grillvergnügen nannten sie „Barbe-à-queue“ – vom „Bart bis zum Schwanz“. Seitdem hat das Open-Air-Brutzeln Weltkarriere gemacht. 400 Jahre nach den Trappern haben vor allem die Deutschen den meisten Spaß am Barbecue. Ob auf dem Balkon, im Garten oder in freier Wildbahn: 90 Millionen Mal im Jahr heizen die Menschen vom Niederrhein bis in die Lausitz ihren Grill an – das ist ebenso weltmeisterlich wie kommunikativ. Denn gegrillt wird selten allein. Amerikanische Präsidenten pflegen sogar Staatsgäste an den heimischen Rost zu bitten. Dabei muss man gar nicht groß auf den Busch klopfen, um seinen Freunden ein echtes Barbecue-Erlebnis zu bescheren. Hauptsache, ein saftiges Stück Fleisch schmurgelt über glühender Holzkohle, dann meldet unser Gehirn einen verführerischen Mix aus rund 600 (!) verschiedenen Aromen. Diese Reaktion ist offenbar ein Relikt aus Urzeiten. Frühgeschichtler haben entdeckt, dass bereits vor 300 000 Jahren Fleisch geröstet wurde. Und jede Wette: Von einem Mammut-Kotelett träumt heimlich noch heute manch ambitionierter Barbecue-Freund über seinem Fünf-Euro-Grill von der Tanke. Und warum hocken ausgerechnet Männer so leidenschaftlich vor der glühenden Kohle? Soziologen fanden jetzt heraus, was wir längst ahnten: Grillen weckt die männlichen Ur-Instinkte. Wer über den Grill bestimmt und damit über die Nahrungsversorgung, der steht ganz oben in der Sozialhierarchie. Frisch vom Rost berichtet Kay-Henner Menge in „Grillen – Heiß auf Fleisch“. Vom Hähnchen-Tandoori bis zu Buletten im Speckmantel kennt er die köstlichsten Dinge. Dazu spart er auch nicht mit praktischen Tipps für Meisterbrutzler. Schlicht Bratwürste und Senf aufzutischen, ist sowieso was für Anfänger. Profis veredeln den Grillabend längst zum Gourmet-Event. Sie schlagen auch mal ungeniert beim australischen Kultkoch Bill Granger und seiner „Sunshine-Küche“ nach. Dort stoßen sie auf nachahmenswerte Dinge wie marinierte Riesengarnelen oder Jakobsmuscheln mit Knoblauchbutter. Als Dessert einer solchen Outdoor-Schlemmerei bieten sich leichte „Sorbets, Frappés und Granitas“ an. Wie die hinzukriegen sind, zeigt ein neues Rezeptbuch aus dem Stocker Verlag. Allein die Fotos von Alberto Rossi und Davide Di Prato machen Lust auf eisig-bunte Verführungen. Grüner Anreger Der Grill zischt, die Zikaden zirpen, der Mond ist ein honigfarbener Lampion – und was trinken wir jetzt Feines? Franz Brandl, Altmeister der Bar-Szene, hat da 1000 Ideen. So viele Drinks mit und ohne Alkohol stellt er in seinem Werk „Cocktails“ vor, darunter die verwegen klingende Kreation „Green Sex Machine“, ein froschgrünes Elixier aus Melonenlikör, Lime Juice und Sekt. Wer in lauschiger Sommernacht vielleicht noch anderes vorhat, kann von Elise Marie Collins lernen. Die Yogalehrerin und „spirituelle Beraterin“ empfiehlt „ChakraEnergie-Drinks“. In ihrem gleichnamigen Buch verrät sie so interessante Mixturen wie „Sprich, mein Liebling“ (für die gefühlvolle Kommunikation) oder „Ohrenputzer-Blaubeer-Shake“. Natürlich ist das Servieren von Getränken immer auch eine Frage des Umfelds. In einer Grill-Hochburg wie Gelsenkirchen passt „Süßholzwurzeltee für das Nabelchakra“ vielleicht nicht ganz so gut zum herzhaft gerösteten Bauchfleisch.

Jean de Vasterival

Titel

  1. Grillen & Picknick
    • VerlagGräfe und Unzer
    • ISBN 978-3-8338-0491-5

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  2. Sorbets, Frappés und Granitas
    • VerlagStocker
    • ISBN 978-3-7020-1153-6

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  3. Sunshine-Küche
    • VerlagDorling Kindersley
    • ISBN 978-3-8310-1029-5

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  4. Cocktails
    • VerlagSüdwest
    • ISBN 978-3-517-08305-6

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  5. Chakra-Energie-Drinks
    • VerlagLotos
    • ISBN 978-3-7787-8193-7

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  6. Grillen
    • VerlagGräfe und Unzer
    • ISBN 978-3-8338-0666-7

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