Belletristik / Wortwechsel

Junger Mann
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Wolf Haas© Josef Perndl

"Im Versuchen liegt ein Zauber"

Nicht nur Mord und Totschlag, auch die Liebe hat es Wolf Haas literarisch angetan. Warum das so ist und was ihn zu seinem neuen Roman inspirierte, verrät der Autor der legendären Brenner-Krimis im Gespräch. 

In Ihrem Roman verliebt sich ein 13-jähriger Junge in eine wunderschöne, verheiratete und eigentlich unerreich­bare Frau. Die Sehnsucht nach dem Unmöglichen – ist das eine Stärke oder Schwäche? 
Es ist eine unerfüllbare Liebe, der er sich hingibt. Und das ist vielleicht etwas, das man nur in diesem Alter macht. Das war ­einer der Gründe, weshalb ich so ein Buch schreiben wollte: dass man in dem Alter noch so an die Lösbarkeit von Problemen glaubt. Wenn man alles richtig macht, so der Gedanke, dann kommt man ans Ziel. Man ist noch nicht so erfahren, dass man es gleich gar nicht versucht. Im Versuchen liegt einfach so ein Zauber. Gerade etwas zu probieren, das sicher nicht gut gehen kann. Man könnte fast sagen, das ist das Wesen der Liebe: dass man es versucht, obwohl es nicht funktionieren kann. Sonst ist es eh nur ein Projekt, das man verfolgt. 

Was hat Sie, einen etablierten 57-jährigen Schriftsteller, der mit Krimis berühmt geworden ist und zwei ­schöne, eigenwillige Liebesromane vorgelegt hat, dazu gebracht, eine ­Coming-of-Age-Geschichte zu schreiben? 
Mein Alter hat eine große Rolle gespielt für das Buch. Weil ich mir gedacht habe, ich bin jetzt in so einem seltsam ungreifbaren Alter als Autor, so komisch zwischendrin. Ich habe ernsthaft überlegt, das Buch unter einem anderen Namen herauszugeben. Mir liegt das: der Anfänger zu sein. So bin ich auf den jungen Mann gekommen. Und deshalb habe ich so lange an diesem Ton herumgeschraubt, weil ich wollte, dass es zu mir passt, ohne dass es meinen bisherigen Büchern gleicht.

Es gibt einige Parallelen zwischen dem Autor Wolf Haas und Ihrem jungen Ich-Erzähler. Wie viel unmittelbar erlebte Wirklichkeit steckt in dem Buch? 
Es ist eine erfundene Geschichte mit vielen autobiografischen Elementen. Wobei der Ehrgeiz darin bestand, dass sich so ein Amalgam bildet aus dem, was wirklich war, und dem, was erfunden ist. Zum Teil war es dann so, dass ich zu meiner Freundin gesagt habe: „Das ist ein autobiographischer Roman.“ Und sie darauf: „Wieso, das war ja gar nicht so in deinem Leben.“ Ich habe angefangen, mir selbst zu glauben.

Mich hat Ihr Roman ein wenig an  „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf erinnert … 
Das ist ein wunderbares Buch, aber es gibt natürlich auch noch jede Menge anderer guter Coming-of-Age-Romane, die nur nicht ganz so präsent sind. Bewusst Bezug genommen habe ich beim Schreiben auf keinen davon. Dazu war die Geschichte dann doch zu autobiografisch. Dass man den Jungen mit all seinen Problemen so mag, liegt vielleicht auch einfach daran, dass jeder sich an seine Zeit in diesem Alter gut erinnern kann. 

Warum schreiben Sie eigentlich immer wieder und so gern über das Verliebtsein? 
Das ist mir so nahe, dass ich die Frage nicht einmal verstehe und fast antworten möchte: Kann man überhaupt über etwas anderes schreiben? Es ist für mich fast synonym mit Schreiben, ohne dass ich das beabsichtige. Es ist auch formal eine interes­sante Voraussetzung, das Verliebtsein zu beschreiben, weil es so einen Sog erzeugt, wo einer immer auf den anderen schaut. Ich habe mal einen Psychiater im Radio gehört, der gesagt hat, das Verliebtsein entspricht einer Psychose. Diese totale Hingabe ist natürlich für einen Roman gut.

Interview: Holger Heimann

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