Literatur-Nachrichten

"Die Schallplatte erwies sich als ungemein widerspenstig"

Als am 1. Dezember das Karl-May-Museum in Radebeul seinen 90. Geburtstag gefeiert hat, gab es eine Überraschung: Auf nach 80 Jahren wieder zugänglich gemachten Rundfunkaufnahmen waren Karl Mays Witwe Klara May und Verleger Euchar Albrecht Schmid zu hören.

Reporter Joachim Steinmetz mit Karl-May-Witwe Klara in den 1940er Jahren© Karl-May-Verlag

Da der Karl-May-Verlag fast alles aufbewahrt hat, ist sein Archiv in seiner 105-jährigen Geschichte sehr umfangreich geworden, zudem hat die Verlegerfamilie Schmid im Lauf der Zeit mehrere Nachlässe namhafter Karl-May-Freunde und -Forscher übernommen, darunter unter anderem von Amand von Ozoróczy (1885−1977), dem Burgschauspieler aus Wien. Bei letzterem fanden sich auf sogenannten Schallfolien Tonaufnahmen von 1937 bis 1944, bei denen man keine Ahnung hatte, was dort für die Nachwelt festgehalten worden sein könnte; nur die Beschriftung wies in Richtung Rundfunkaufnahmen.

Der Karl-May-Verlag hat die Schallfolien schließlich durch aufwendige technische Verfahren digitalisieren lassen und sie wieder "hörbar" gemacht. Verleger Euchar Albrecht Schmid hatte am 6. April 1937 mitgeteilt bekommen, dass sich die Schallplatte bei der Probevorführung "als ungemein widerspenstig" erwiesen habe: "Alle Halbtöne schienen zu fehlen. Auch der sächsische Dialekt wirkte etwas beklemmend. Wir hatten schwere Befürchtungen. Die von Frau May selbst verfasste Platte (ich bitte um Diskretion) war phonetisch noch unklarer." Dazu beigetragen schien aber auch der wellige Schallplattenteller.

Für den heutigen Verleger Bernhard Schmid war es ein bewegender Moment, nach über 80 Jahren "die Stimme unserer Verlagsmitgründerin Klara May (1864−1944) zu hören: "Ganz gerührt war ich, als wir erstmals Worte meines Großvaters, Karl-May-Verleger Dr. Euchar Albrecht Schmid, den ich als Jahrgang 1962 nicht kennenlernen durfte, vernehmen konnten."

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