Literatur-Nachrichten

Bundesbürger hätten gern mehr Lesezeit

Am 11. Juli wurd in Hamburg die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) 2019 vorgestellt. Insbesondere Klimawandel und Nachhaltigkeit sind große Themen in der Bevölkerung.   Die Studie hat auch das Leseverhalten der Bevölkerung unter die Lupe genommen.

"Eine neue politisierte junge Generation?" hatte Renate Köcher, Institut für Demoskopie Allensbach, ihren Vortrag betitelt. Und iin der Tat: Gesellschaftliche Themen treiben insbesondere auch die jüngere Generation um, man denke etwa an die "Fridays for Future"-Bewegung. 68 Prozent der unter 30-Jährigen machen sich große Sorgen um den Klimawandel (im Januar 2017 waren es noch 44 Prozent), in der Bevölkerung insgesamt sind es 61 Prozent (Januar 2017: 37 Prozent). Die "Fridays for Future"-Demos bewerten 69 Prozent der Bundesbürger positiv, bei den unter 25-Jährigen sind es 84 Prozent. Die "Grünen" haben als Partei bei der gesamten Bevölkerung einen Sympathiesprung hingelegt.

Für 26 Prozent der 14- bis 29-Jährigen spielen Nachhaltigkeitsaspekte bei Konsumentscheidungen eine größere Rolle (2017: 21 Prozent). Insgesamt ist das "ausgeprägte Interesse" an politischen Themen in dieser Altersgruppe gewachsen: Der Indexwert (1999 = 100) steht 2019 bei 115 (zum Vergleich 2009: 76). Allerdings interessieren sich bei den unter 30-Jährigen nur 36 Prozent (2015: 32 Prozent) für Politik, während es bei der Bevölkerung insgesamt 52 Prozent (2015: 48 Prozent) sind, so ein weiteres Ergebnis der AWA 2019.

Informationsquellen

Wo suchen Bundesbürger gezielt nach Informationen? 16 Prozent der Bevölkerung (ab 14 Jahre) fragen in einer Buchhandlung nach einem Sachbuch zum Thema, bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 12 Prozent. An der Spitze bei der Informationssuch steht das Internet: 72 Prozent der Bevölkerung (ab 14 Jahre) recherchieren hier, bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 92 Prozent.

Allerdings zeigen die Internet-Nutzer auch ein hohes Misstrauen, was die Qualität der Informationen betrifft. Der Aussage "Im Internet kann jeder schreiben, was er möchte. Deswegen sollte man dort besonders vorsichtig sein, welcher Information man glaubt", stimmen 69 Prozent der Bundesbürger, bei den unter 30-Jährigen 70 Prozent, zu.

Print oder Digital?

Zum Leseerlebnis sagen 65 Prozent (2013: 55 Prozent) der Bundesbürger, dass man für Print "Zeit brauche" (Digital: 24 Prozent; 2013: 28 Prozent), und 50 Prozent (2013: 54 Prozent) empfinden das Lesen längerer Texte in digitaler Form "anstrengend" (zum Vergleich: bei Print denken das 37 Prozent; 2013: 22 Prozent). Print zu lesen "macht Spass" antworten 39 Prozent (2013: 42 Prozent), bei digitalen Texten ist der Anteil deutlich niedriger (17 Prozent; aber etliche Prozentpunkte höher als 2013: 10 Prozent).

Rückgang regelmäßiger Buchlektüre

Im 20-Jahre-Vergleich zeigt sich, dass die regelmäßige Buchlektüre weiter zurückgeht. 42 Prozent kommen "nicht jeden Monat" dazu, ein Buch zu lesen (1999 waren es 31 Prozent; 2009: 34 Prozent; 2017: 39 Prozent). Mindestens einmal in der Woche lesen 40 Prozent (1999: 48 Prozent; 2009: 48 Prozent; 2017: 42 Prozent) der Bundesbürger. Entscheidend ist hierbei offenbar die mangelnde Zeit, so würden etwa 42 Prozent der 30- bis 44-Jährigen gern mehr lesen (Bücher oder Zeitungen), haben aber im Moment nicht genug Zeit dafür (das ist die Altergruppe mit dem höchsten Wert).

Bei den 14- bis 29-Jährigen haben laut Studie 70 Prozent dennoch ein "ausgeprägtes Interesse" an Büchern (2009 waren es noch 86 Prozent).

Von den regelmäßigen Buchlesern (mindestens einmal in der Woche) sind 20 Prozent E-Book-Leser (2018: 20 Prozent), keine E-Books nutzen 68 Prozent, weitere 12 Prozent (2018: 11 Prozent) lesen zwar keine E-Books, hätten aber Interesse daran.

Längere Texte werden von 59 Prozent der Befragten lieber auf Papier gelesen, lieber am Bildschirm von 7 Prozent. 29 Prozent lesen am Bildschirm genauso gern wie auf Papier, weitere 5 Prozent sind unentschieden.

  • Lieber auf Papier lesen längere Texte, nach Altersgruppen: 14- bis 19-Jährige (25 Prozent); 20- bis 29-Jährige (34 Prozent); 30- bis 44-Jährige (42 Prozent); 45- bis 59-Jährige (61 Prozent); 60- bis 74-Jährige (78 Prozent) und ab 75-Jährige (89 Prozent). Das heißt etwa umgekehrt, dass 70 Prozent der 14- bis 19-Jährigen längere Texte lieber am Bildschirm lesen oder es für sie keinen Unterschied macht, ob print oder digital.

Als einen Vorteil des Lesens auf Papier nennen 51 Prozent (2013: 56 Prozent), dass man sich das Gelesene gut merken könne − für digitale Texte nennen das nur 6 Prozent (2013: 4 Prozent).

Gefragte Influencer

Mehr als ein Viertel der Bevölkerung, 28 Prozent, verfolgen über soziale Netzwerke regelmäßig Beiträge von Personen außerhalb des privaten Umfelds. Besonders stark wird dies von Jüngeren getan: Bei den 14- bis 19-Jährigen sind es 65 Prozent, bei den 20- bis 24-Jährigen 64 Prozent − danach folgt ein steter Abfall in den Altersgruppen (bis zu den über 70-Jährigen mit 4 Prozent). Umfassend oder selektiv printaffin sind 55 Prozent der 14- bis 29-Jährigen, bei "Followern" sind es 56 Prozent. "Printaffine Follower" bei den 14- bis 29-Jährigen haben laut AWA 2019 ein (sehr) breites Intereressenspektrum (51 Prozent), im Schnitt der Altersgruppe insegsamt steht der Wert bei 38 Prozent. Vor allem interessieren sie sich für Telekommunikation wie Handy und Smartphone (69 Prozent der Follower und 52 Prozent der Nicht-Follower).

Zur AWA

Die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) ermittelt auf breiter statistischer Basis Einstellungen, Konsumgewohnheiten und Mediennutzung der Bevölkerung in Deutschland. Sie wird seit 1959 vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt. Die im Auftrag von derzeit rund 60 Verlagen gewonnenen Ergebnisse werden jährlich im Sommer veröffentlicht.

Befragt wurden für die AWA 2019 23.318 Personen ab 14 Jahre.

Weitere Informationen aus der AWA 2019 finden sich auf der Allensbacher-Webiste.

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