Belletristik

„Die Wolgadeutschen wurden zu Waisen“

In „Wolgakinder“ erzählt Gusel Jachina von einem Dorflehrer, der für eine unmögliche Liebe, die Schönheit der deutschen Sprache und zwei Pflegekinder kämpft.

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Wolgakinder

Ihr neuer Roman beschreibt die Situation der deutschen Siedler in der Wolgarepublik von 1916 bis 1938. Was reizte Sie an diesem eher unbekannten Kapitel deutscher Geschichte?
Der Roman ist eine Liebeserklärung an zwei wichtige Bestandteile meines Lebens: an meine Heimat, die Wolga, und ans Deutsche. Ich bin Deutschlehrerin und habe mein ganzes Berufsleben mit deutschen Kollegen zusammengearbeitet. 

Gusel Jachina© Brigitte Friedrich

Im Zentrum der Geschehnisse steht der Dorflehrer Jakob Bach, ein ebenso starker wie ambivalenter Charakter. Er gibt sich spröde und ist doch von leidenschaftlicher, poetischer Natur. Wie sind Sie auf Ihre Hauptfigur gekommen?
Bach ist einerseits der typische „kleine Mensch“ der russischen Literatur, wie die Helden von Gogol und Tschechow. Sein Ziel im Leben ist, der Zeit und mit ihr der politischen Geschichte zu entfliehen. Aber er verkörpert auch den deutschen Geist und liebt die deutsche Poesie. 

Nach einer tragischen Liebe zieht Jakob Bach zwei Pflegekinder auf – inmitten der politischen Wirren seiner Zeit. Sie zeigen eindrücklich, wie Stalins langer Arm bis in die hintersten Winkel der Wolgadörfer reicht ... 
Der Roman handelt eigentlich von zwei Vätern: dem menschlichen Vater Jakob Bach, der sein Leben für zwei fremde Kinder opfert. Und dem „Vater der Völker“, wie man Stalin offiziell nannte, der viele Völker der UdSSR zu Waisen machte – in erster Linie die Wolgadeutschen. 

aw

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