Hörbuch

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25.01.2008

So lauschet denn ...

Wo früher Minnesänger fabulierten, dreht sich heute der CD-Player: Historische Romane sind fürs Zuhören wie gemacht.

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Eine ungewöhnliche Rose ziert am Ende das Wappen der vereinten Häuser Lancaster und York: Sie hat rote und weiße Blätter. Doch viel Wasser hatte die Themse hinunterrauschen und viel Blut die Schlachtfelder aufweichen müssen, bis Henry VII. als Erbe der Lancaster seine Elizabeth von York heiraten und damit die Rosenkriege beenden konnte.
Fast das gesamte 15. Jahrhundert lang hatten die Lancaster mit der roten Rose und die York mit der weißen um Englands Krone intrigiert und gekämpft. In ihren beiden Romanen „Das Lächeln der Fortuna“ und „Die Hüter der Rose“ hat Rebecca Gablé bereits die ersten Jahrzehnte dieses Konflikts fantasievoll ausgeschmückt. Im dritten Teil, der gleichzeitig als Buch und Hörbuch erschienen ist, erleben wir die Jahre 1455 bis 1485, in denen die Kampfhandlungen voll entflammen.
Immer wieder reizte der Stoff der Rosenkriege Literaten und Theaterleute. Das ewige Wechselspiel vom Aufstieg und Fall der Herrscher stellte etwa der belgische Regisseur Luk Perceval epochenübergreifend in seinem Großprojekt „Schlachten!“ dar. 1999 führte er auf der Grundlage der Shakespeare’schen Königsdramen – von Richard II. über diverse Heinrichs bis zu Richard III. – bei den Salzburger Festspielen den Rosenkriege-Zyklus auf: Kaum umklammerte der eine König das Zepter, sägte bereits der nächste Heißsporn an seinem Thron. Elf Stunden sah man dem Treiben zu, ohne sich eine Sekunde zu langweilen.

Schwerter, Pfeile und Trompeten
Ähnlich ergeht es einem mit dem Hörbuch von Gablé. Doppelt so lang wie im Theater, mehr als 22 Stunden, entfalten sich in einer geschickten Dramaturgie die verzweigten Machenschaften vor dem inneren Auge. Die 43-jährige Autorin vom Niederrhein versucht, die historischen Verhältnisse in die heutige Sprache zu übersetzen und doch der mittelalterlichen Atmosphäre treu zu bleiben.
Entlang der Lebenswege des jungen Adligen Julian of Waringham und seiner Zwillingsschwester Blanche erzählt sie die geschichtlichen Ereignisse aus einem fiktiven Blickwinkel.
Gleich der Beginn schleudert einen aufs Schlachtfeld: Julians Vater wird tödlich verwundet. Bisher hatte der 18-jährige Sohn zum Missfallen des Vaters mit den Yorkisten geliebäugelt. Mit seiner neuen Verantwortung für das elterliche Waringham aber schlägt er sich auf die Seite der Lancaster, geht dafür ins Exil – und muss sich am Ende eingestehen, dass auch ihn sein von der Mutter ererbtes Tröpfchen Lancaster-Blut fast zur Machtgier verführt hätte.
Der Sprecher Detlef Bierstedt, die deutsche Stimme von George Clooney, passt wunderbar zu diesem eigensinnigen, einzelgängerischen Helden. Gablé selbst liest die Passagen der Blanche. Wie überhaupt die hörspielartige Inszenierung höchst abwechslungsreich geraten ist: Schwertklingen scheppern und Pfeile sirren knapp an den Ohren vorbei, Vögel tirilieren, Brände knistern und Trompeten blasen zum Fest. Rebecca Gablés Epen sind unterhaltsame Geschichtsstunden.

Von verbotenem Wissen und mutigen Frauen
Die Rolle der Märchenerzähler für Erwachsene nehmen zunehmend reine „Vorlese“-Hörbücher ein. Sandra Lessmanns „Das Jungfrauenspiel“ etwa. Wieder bekommen wir es mit englischer Geschichte zu tun. Die nordenglische Rebellion gegen Elizabeth I. hat Roger und Marianna Ashton ins Exil verschlagen. Bei dem Versuch, auch ihren Sohn aus England herauszuholen, geraten die beiden in die Fänge ihrer Gegner und werden zu Spitzeldiensten gezwungen. Weniger geschichtslastig, dafür mit dem Raunen eines Thrillers entführt Richard Dübells „Die Teufelsbibel“ ins Böhmische des Jahres 1572. Zu wissenschaftlichen Zwecken will Andrejs Vater den sagenumwobenen „Codex Gigas“ aus einem Kloster entwenden. Nur Andrej überlebt den Raub und muss mit dem fürchterlichen Schatz im Gepäck künftig allein um die Macht des Wissens kämpfen.
Mit verheißungsvoller Stimme, aufgeweckt und keck wie die Hauptfigur, liest Antje Temler „Die Tochter des Salzhändlers“ von Norbert Klugmann. Ende des 16. Jahrhunderts verschwinden in Lübeck Lilis Mutter, ihr Neugeborenes und plötzlich auch noch der Vater. Zusammen mit der Hebamme, die um den guten Ruf ihres Standes fürchtet, versucht die älteste Tochter des Salzhändlers, die Rätsel zu lösen.
Auch in Marie Cristens „Die Stunde des Venezianers“ wird ein unerhörtes historisches Frauenschicksal entfaltet. Mutig genug, dass die junge Adlige Aimée im Brügge des 14. Jahrhunderts einen Tuchhändler heiratet. Als der stirbt, beschließt sie, die Geschäfte selbst zu führen. Und hat Erfolg …
„Es war einmal“ – mit diesem Gestus heben all diese historischen Romane an. Vielleicht eignen sie sich deshalb so hervorragend fürs Hörbuch-Medium, das seine Zuhörer, gleich welchen Alters, fasziniert wie Kinder lauschen lässt.

Christine Diller

Titel
Richard Dübell
Die Teufelsbibel
Lübbe - 19,95 € (D) / 20,20 € (A) / 37,30 sFr
Format: 6 CDs
ISBN: 978-3-7857-3373-8
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Rebecca Gablé
Das Spiel der Könige
Lübbe - 29,95 € (D) / 30,80 € (A) / 53,50 sFr
Format: 18 CDs
ISBN: 978-3-7857-3384-4
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Sandra Lessmann
Das Jungfrauenspiel
Lagato - 24,90 € (D) / 24,90 € (A) / 45,90 sFr
Format: 6 CDs
ISBN: 978-3-938956-38-0
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Norbert Klugmann
Die Tochter des Salzhändlers
Radioropa - 9,90 € (D) / 10,00 € (A) / 19,90 sFr
Format: 1 MP3-CD
ISBN: 978-3-86667-826-2
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Marie Cristen
Die Stunde des Venezianers
Argon - 24,95 € (D) / 25,70 € (A) / 46,00 sFr
Format: 6 CDs
ISBN: 978-3-86610-381-8
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