Spannung

DRAUSSEN
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Michael Kobr (links), Volker Klüpfel© Hans Scherhaufer

Dunkles Geheimnis

Ihre Kluftinger-Krimis sind Kult, doch nun machen die Autoren Ernst: „DRAUSSEN“ heißt ihr packendes Thrillerdebüt. Es erzählt die Geschichte eines Trios, das im Wald im Verborgenen lebt – und von einem unsichtbaren Feind gejagt wird.

S  ie bunkern Lebensmittel, trainieren unter härtesten Bedingungen und wissen, was am Tag X zu tun ist. Prepper, wie sie sich selbst nennen, sind bereit für den Krisenfall: für die Naturkatastrophe, den nächsten Krieg oder einen Terror­anschlag, der das Stromnetz lahmlegt. Prepper sind auf alles vorbereitet, sie sind: prepared. So wie die 17-jährige Cayenne und ihr jüngerer Bruder Joshua. Sie leben komplett im Verborgenen, in einem versteckten Lager im Wald, unter dem Radar der Gesellschaft. Der Dritte im Bunde ist Stephan, ihr Freund und Anführer. Er beschützt die beiden und hat sie zu harten Kämpfern ausgebildet. Doch sie warten nicht auf ein Erdbeben oder die Atombombe. Die drei sind seit Jahren auf der Flucht vor einem Feind. 

Neue Wege: Für ihren Thriller „DRAUSSEN“ recherchierten die Autoren in der Prepper-Szene und ­ließen sich von der Atmosphäre im Wald ­inspirieren© privat

Dies ist das bedrohliche Szenario des Thrillers „DRAUSSEN“ von Volker Klüpfel und Michael Kobr. Ja, richtig gelesen: Die beiden Autoren, die ihr Publikum seit Jahren mit Krimis um den schrulligen Kommissar Kluftinger amüsieren, haben ihren ersten Ausflug ins Thrillergenre unternommen. „Wir wollten gern einmal etwas ohne Humor machen, reine Spannungslektüre, ohne einen Ermittler, ohne dem Schema ‚Es passiert ein Mord und jemand klärt ihn auf‘ folgen zu müssen“, sagt Volker Klüpfel im Interview. Der Urlaub von Kluftinger sei für ihr Schreiben ­regelrecht erholsam gewesen, bekräftigt Michael Kobr. „Sich im Ernsthaften ausprobieren zu können, einen anderen, nüchternen Ton zu finden, das war eine tolle Erfahrung.“ 

Eine TV-Reportage hatte die beiden auf die Idee gebracht, die weitgehend im Verborgenen agierende Prepper-Szene in ihren ­Thriller einzuarbeiten. Die Recherche war allerdings nicht ganz einfach, sagt Michael Kobr: „Prepper reden nicht gern über das, was sie tun, schon gar nicht, wenn sie befürchten, jemand könne etwas über sie schreiben.“ So wälzten sie Prepper-Handbücher und absolvierten sogar einen kleinen Kurs in einer Outdoorschule, „um am eigenen Leib zu erfahren, worauf es draußen so ankommt, im Falle ­eines Falles“. 

Hartes Training für den Ernstfall
Vielleicht kam den Autoren dort auch die Idee für die Figur des Stephan, der in „DRAUSSEN“ sein Geld damit verdient, Leute im Wald in Survival-Grundlagen einzuführen – allerdings auf die eher harte Tour, die nicht allen gefällt. Stephan hütet ein dunkles Geheimnis. Furchteinflößend sind nicht nur seine Wut und seine Gewalt­ausbrüche, sondern auch sein Gesicht, das von Narbengewebe entstellt ist. 

© privat

Für Cayenne und Joshua sorgt er wie ein Vater; physisch und psychisch verlangt er ihnen aber alles ab. Sie rennen stundenlang mit Karte und Kompass durch den Wald, trainieren Selbstverteidigungstechniken und den Gebrauch von Waffen und müssen Baumstämme eine Anhöhe hochschleppen. „Verschärftes Training“ nennt Stephan diesen Drill.

Cayenne, die eigentliche Hauptfigur von „DRAUSSEN“, stößt Stephans Fanatismus zunehmend ab. Ging es ihm früher ums Überleben in der Natur, um kluge Selbstverteidigung, verlangt Stephan nun von ihr und Joshua, selbst angreifen zu können: „Das Ziel ist immer, den Gegner auszuschalten und ihn, wenn nötig, zu töten.“ Die 17-Jährige, die noch nie ein richtiges Zuhause hatte, will aussteigen. Doch dann kommt der Tag, an dem sie und ihr Bruder erkennen, dass es keine Paranoia war, die Stephan antreibt: Jemand verfolgt sie. Sein Ziel: sie zu töten.

Atmosphäre ständiger Bedrohung
Zwar geht es auch in den Kluftinger-Krimis um Mord und Totschlag, doch zwischen deren Humor und Leichtigkeit und der Härte von „DRAUSSEN“ liegen Welten. Die Autoren schlagen hier einen ganz anderen Ton an als in den Allgäu-Krimis, treiben die Story mit wechselnden Perspektiven voran – ein Seitenstrang der Story spielt in der Politikszene Berlins – und fesseln mit klassischer Suspense: Lange bleibt unklar, wer der unsichtbare Feind ist. Es herrscht eine Atmosphäre ständiger Bedrohung, Gewalt ist allgegenwärtig und das Böse kann unvermittelt zuschlagen. 

© privat

Volker Klüpfel und Michael Kobr haben sich als Autoren neu erfunden. Das Thrillergenre eröffnete ihnen neue Möglichkeiten, verlangte aber auch mehr Aufwand bei der Konzeption, so Kobr. Ihre grundsätzliche Arbeitsweise hätten sie aber nicht verändert: „Volker und ich haben auch diesmal den Plot besprochen und die Szenen untereinander aufgeteilt.“ Das Thrillerschreiben habe ungeheuer Spaß gemacht, resümiert er. „Doch wie es häufig ist: Am Ende des Urlaubs freut man sich auch wieder auf seinen Alltag. Und das ist bei uns Kluftinger, den wir nach wie vor lieben und mit dem wir noch einiges vorhaben.“ 

Wolf Beetz

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