Literatur-Nachrichten

Über die eigene Familie

Monika Helfer und Christian Baron, die beiden Neuen in den Belletristik-Charts, haben sich in autofiktionalen Romanen mit ihrer komplizierten Familiengeschichte befasst. Zwei Wirtschaftsnobelpreisträger kommen mit ihrem Buch über "gute Ökonomen" neu in die Sachbuchliste. Mit dabei ist diesmal die Indie-Bestsellerliste Belletristik vom Januar.

Die Wochencharts auf Börsenblatt Online

Ermittlungszeitraum: 3. bis 9. Februar 2020

BELLETRISTIK

Familiengeschichten

Zwei Neulinge, ein Wiedereinsteiger das ist das Bewegungsprofil in die Charts hinein. Neu auf Platz 9: "Die Bagage" (Hanser) in Monika Helfers Roman sind die Moosbruggers, die mit ihren Kindern zur Zeit der Ersten Weltkriegs als Außenseiter am Rande eines Bergdorfes hausen. Josef, der Mann Marias wird zur Armee eingezogen, dann kommt Georg aus Hannover ins Dorf − Maria wird schwanger, Grete wird geboren. Josef, ein Opfer falscher Gerüchte, wird sie immer ignorieren. Grete ist die Mutter der österreichischen Autorin, die hier ihre Familiengeschichte bis in die Gegenwart hinein aufrollt − auf 160 Seiten. Im Mittelpunkt der autofiktionalen Geschichte stehen aber ihre Großeltern. "Die Bagage" ist in dieer Woche auch der Top-Aufsteiger bei der Belletristik (plus 31 Plätze).

Helfer, geboren in Au/Vorarlberg, hat für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen erhalten. 2017 stand sie mit "Schau mich an, wenn ich mit dir rede!" (Jung und Jung) auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Mit "Die Bagage" startet sie im März eine Lesetour (Termine).

Das von Ullstein wiederbelebte Imprint Claassen bringt einen weiteren Titel in die Charts: Neu dabei ist auf Platz 20 ist der Journalist Christian Baron mit seinem erzählerischen Debüt "Ein Mann seiner Klasse". Ebenfalls ein autofiktionaler Text. Baron, Jahrgang 1985, erzählt darin seine Kindheit in Kaiserslautern − mit depressiver Mutter und prügelndem Trinker-Vater (Lesungstermine). Die Bewertungen in den Rezensionen gehen weit auseinander: Während die "Rhein-Zeitung" von einem "Buch der Stunde", von "wahrhaftiger Literatur" spricht, urteilt die "Zeit": "Bei der literarischen Durchdringung des Stoffs ist noch Luft nach oben."

Der zweite Claassen-Titel in den Charts, Bov Bjergs "Serpentinen", war in der vergangenen Woche auf Platz 14 in die Top 25 eingestiegen, in dieser Woche klettert er auf Rang 10.

Peter Prange kehrt mit "Eine Familie in Deutschland − Am Ende die Hoffnung" (Fischer Scherz) zurück in die Top 25 − auf Platz 25.

  • Und an der Spitze? Hier übernimmt Pascal Merciers "Das Gewicht der Worte" (Hanser), in der Vorwoche auf Platz 4, die Führung. Die Spitzenreiterin der Vorwoche, Lisa Taddeo, rutscht mit "Three Women − Drei Frauen" (Piper) auf Platz 3.

Paperback und Taschenbuch

Drei neue Titel kommen in die Paperbackliste, ganz ans Ende, auf die Plätze 23 bis 25. Der Reihe nach:

  • "Cold Case − Das verschwundene Mädchen" (Lübbe) der schwedischen Kriminalreporterin Tina Frennstedt. Hier legt sie ihr Thrillerdebüt um einen Serienmörder vor, der Frauen in ihren Wohnungen tötet. Die Spur an einem Tatort weist auf lange zurückliegenden Vermisstenfall hin. Tess Hjalmarsson, Expertin für Cold Cases, übernimmt. Frennstedt schreibt bereits an der Fortsetzung der Reihe. Bastei Lübbe kündigt für Januar 2021 an: "Cold Case − Das gezeichnete Opfer".
  • "Das neunte Haus" (Knaur) von Leigh Bardugo. Ein Fantasy-Roman mit dunkler Magie, der an der Yale Universität spielt.
  • "Liebe mich. Für immer" (Piper) von Kathinka Engel. Die Liebesgeschichte zwischen der Sozialarbeiterin Amy und dem Unidozenten Sam. Der Abschlussband ihrer romantischen New Adult-Reihe, in der zuvor bei Piper erschienen sind: "Finde mich. Jetzt" (September 2019) und "Halte mich. Hier" (November 2019).

Von Platz 13 an die Spitze der Charts springt Michael Tsokos' "Abgefackelt" (Knaur), ein True-Crime-Thriller des Rechtsmediziners (Die Paul Herzfeld-Reihe, Band 2). 

Auch beim Taschenbuch reihen sich die beiden Neulinge ganz hinten in die Charts ein: Charlotte Jacobi mit "Sturm über der Villa am Elbstrand" (Piper; Platz 24) und Harlan Coben mit "In deinem Namen" (Goldmann; Platz 25).

Alle Belletristik-Charts im Überblick, dazu die wichtigsten Aufsteiger innerhalb der Top 100

SACHBUCH

Wirtschaftnobelpreisträger zeigen gute Ökonomie

Beim Sachbuch übernimmt Jonathan Franzens "Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?" (Rowohlt Tb.), vorige Woche neu auf Platz 2 gelandet (war als Top-Aufsteiger um 76 Plätze geklettert), in dieser Woche den ersten Rang. Franzen verdrängt damit Bas Kasts "Ernährungskompass" (C. Bertelsmann), der mit 98 Wochen die längste Verweildauer in den Charts aufweist, auf Position 2.

Einziger Neueinsteiger, auf Platz 23, sind die Wirtschaftsnobelpreisträger 2019 Esther Duflo und Abhijit V. Banerjee mit "Gute Ökonomie für harte Zeiten" (Penguin). Sie führen aus, was Ökonomen zur Lösung dringender Weltprobleme beisteuern könnten. Beide sind Professoren am Massachusetts Institute of Technology (MIT), befassen sich mit Armutsbekämpfung und Entwicklungsökonomie. Gemeinsam gründeten sie das Netzwerk "Poverty Action Lab".

Drei Wiedereinsteiger kommen hinzu:

  • Platz 11: "Sei du selbst" (Goldmann) von Richard David Precht
  • Platz 19: "Alles könnte anders sein" (S. Fischer) von Harald Welzer
  • Platz 25: "The Great Nowitzki" (Kiepenheuer & Witsch) von Thomas Pletzinger

Paperback und Taschenbuch

Neu in der Paperbackliste sind die Journalistin Nena Schink mit "Unfollow!" (Eden Books; Platz 9), Untertitel: "Wie Instagram unser Leben zerstört", und die Schauspielerin Mimi Fiedler mit "Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten" (Knaur), die anhand ihrer Geschichte aufzeigt, wie man mit dem Älterwerden prima klarkommen kann. Beim Taschenbuch sind in dieser Woche keine Neueinsteiger zu vermelden, die vier Wiederkehrer schaffen es ins untere Drittel der Liste.

Alle Sachbuch-Charts im Überblick, dazu die wichtigsten Aufsteiger innerhalb der Top 100

RATGEBER

Zweimal Zuckerfrei

"Die Ernährungs-Docs − Zuckerfrei gesünder leben" (ZS Verlag) von Matthias Riedl, Anne Fleck, Jörn Klasen und Silja Schäfer setzen sich diese Woche, nach Rang 2 in der Vorwoche, an die Spitze des Feldes. Zwei Titel rücken neu in die Ratgeberliste, darunter ein weiterer, der vom 'süßen Gift' wegführen will: "Zuckerfrei express" (Gräfe und Unzer) der Ernährungsberaterin und Food-Bloggerin Hannah Frey (projekt-gesund-leben.de) auf Platz 9. Leserinnen und Leser finden hier Rezepte mit wenigen Zutaten, die sich in 10 bis 25 Minuten realisieren lassen. Frey hat schon mehrere Bestseller zum Thema "Zuckerfrei" bei GU veröffentlicht.

Ebenfalls neu dabei, auf der 11, ist "Breifrei für Babys" (Gräfe und Unzer) von Annina Schäflein und Lena Merz (die beiden haben den Blog breifreibaby.de gegründet). Der Titel des Küchernratgebers sagt, worum es bei den Rezepten geht.

Neben den zwei Neu-, finden sich vier Wiedereinsteiger in der Liste − alle zum Thema Essen / Ernährung:

  • Platz 10: "Die Ernährungs-Docs" (ZS Verlag)
  • Platz 21: "Simple. Das Kochbuch" (Dorling Kindersley) von Yotam Ottolenghi
  • Platz 23: "Vegan Foodporn" (Riva) von Bianca Zapatka
  • Platz 25: "Veggies" (Dorling Kindersley) von Jamie Oliver

Zur Top 25 Ratgeber und den wichtigsten Aufsteigern innerhalb der Top 100

BELLETRISTK INDEPENDENT

Auswertungszeitraum: Januar

Robert Seethaler holt sich mit "Der Trafikant" (Kein & Aber) den ersten Platz zurück, er verdrängt Axel Hackes "Wozu wir da sind" (Kunstmann) auf Rang Zwei.

Insgesamt schaffen es vier Neueinsteiger in die Januarliste: Am höchsten kann sich die Kanadierin Louise Penny mit ihrem Krimi "Das verlassene Haus" (Kampa) platzieren, Rang 10. Es ist der dritte Fall von Inspector Armand Gamache. Es ist Ostern in Three Pines: Bei einer Séance stirbt Madeleine Favreau. Ein Mord?

Der Kunstmann Verlag hat eine Neuübersetzung von Margaret Mitchells Südstaaten-Klassikers "Vom Winde verweht" herausgebracht, die erste komplette Neuübersetzung seit 1936, so der Verlag. Übersetzt haben Andreas Nohl und Liat Himmelheber. "Für die sachlich-spöttische Mitchell finden die Übersetzer eine schlanke und elastische Sprache", schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Der Roman demonstriere die "unterschiedlichen Geschwindigkeiten sozialen Fortschritts", er sei "modern in der Frauenfrage und archaisch im Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß". Neu auf Platz 11.

Die beiden weiteren neuen Titel in den Charts:

  • Platz 17: "Die Alte" (Argument) von Hannelore Cayre. Im Mittelpunkt die Arabischübersetzerin Madame Portefeux, eine französische Mittfünfzigerin mit Geldsorgen, der sich eine (kriminelle) Chance auftut. Das Buch wurde mit dem Deutschen Krimipreis, International Platz 1 ausgezeichnet.
  • Platz 24: "Heimweh nach einer anderen Welt" (Liebeskind) von Ottessa Moshfegh. Die US-Autorin legt einen Erzählungsband vor. Sie "sticht ihre Sätze wie Messer in das eiskalte Herz ihrer Figuren", heißt es in einer Rezension im "Stern". Und der "Spiegel" meint: "Sie erzählt hoffnungslose Geschichten von verpfuschten Leben − und das brillant."

Liste der Top 25 Belletristik aus Independent-Verlagen

Über die Bestsellerlisten

Die Börsenblatt-Bestsellerlisten basieren auf Verkaufszahlen, die von unserem Kooperationspartner Media Control erhoben werden. Hierzu werden wöchentlich, elektronisch die Verkaufszahlen aus den Warenwirtschaftssystemen von deutschlandweit mehr als 6.550 Verkaufsstellen ausgelesen: Sortimentsbuchhandlungen inklusive eCommerce, Bahnhofsbuchhandel, Kauf- und Warenhäuser sowie Elektro- und Drogeriemärkte. Bezogen auf das Umsatzvolumen bilden die Daten 88 Prozent des gesamten deutschen Buchmarktes ab. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

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