Romane
Ein mieser Morgen. „Bevor er seine Kabine verließ, sah er in den Spiegel. Ein Fremder blickte ihm entgegen. Aufgedunsen, mit dicken Tränensäcken unter den Augen, ein müder, von den Jahren gezeichneter Mann.“ Na ja, wer sieht schon mit 3000 Jahren noch knackig aus? Aber im Unterschied zu uns Normalsterblichen vor dem Badezimmerspiegel kann sich dieser Mann trösten: „Das Spiegelbild, das ihn zeigte, war nur eine von Unbekannten erzeugte Fiktion. Das war nicht sein wahres Gesicht, das zum Glück wiederherstellbar war.“
Wir befinden uns im Jahr 1340 NGZ (Neuer Galaktischer Zeitrechnung) und in „Nekrogenesis“, einem aktuellen Band einer der erfolgreichsten Science-Fiction-Serien aller Zeiten: „Perry Rhodan“. Dank eines Zellaktivators bleibt Perry Rhodan für immer Ende 30 und ist unsterblich. Für seine Fans ist er das ohnehin. Der „Ritter der Tiefe“ hat mit mehr als 2400 Heftchen und 400 Taschenbüchern längst den Sprung vom Bahnhofskiosk in das grenzenlose World Wide Web geschafft. Gedruckte Weltauflage: mehr als eine Milliarde.
Perrypedia, ein nach Wikipedia-Vorbild gestaltetes Nachschlagewerk im Netz, enthält bei Redaktionsschluss 13 627 Artikel zum Thema „Perry Rhodan“. Das dürfte selbst einem Jedi-Ritter die Sprache verschlagen! Der Name des Helden klingt so amerikanisch wie Jerry Cotton. Doch tatsächlich ist dieser Spacehero completely made in Germany.
1960, zur Blütezeit des Kalten Krieges, taten sich zwei beliebte deutsche Science- Fiction-Autoren – Karl-Herbert Scheer und Clark Darlton alias Walter Ernsting – zusammen und schossen einen neuen Helden, den Amerikaner Perry Rhodan, zum Mond. Rhodans Mondexpedition war der realen um ein paar Jahre voraus und führte zu weit spektakuläreren Ergebnissen.
Auf dem Erdtrabanten entdeckt Rhodan nämlich ein riesiges Raumschiff und trifft auf Außerirdische, die Arkoniden. Ihr Führer Atlan, der „Fürst der Einsamkeit“, hat Jahrtausende im Tiefschlaf zugebracht, nachdem seine Heimat Atlantis untergegangen war. Mit der überlegenen Technik der Arkoniden im Gepäck kehrt Rhodan zur Erde zurück, verhindert den Ausbruch des dritten Weltkrieges und eint die Erdstaaten. Die Menschheit ist bereit für den nächsten Schritt: Auf zu den Sternen ...
Hippies im Weltraum
Kritiker unterstellten den frühen „Perry Rhodan“-Heften eine Nähe zu völkischem Gedankengut. Die Freude des ehemaligen U-Boot-Mannes Karl-Herbert Scheer (Spitzname: „Kanonen-Herbert“) am Ballern im All war ja auch unübersehbar. Atlan wurde mit dem Atlantismythos der Nazis in Verbindung gebracht. Allerdings ballern auch die uramerikanischen Jedi-Ritter der „Star Wars“-Reihe gerne, und der zartbesaitete Folksänger Donovan pries in den 60er-Jahren Atlantis nicht minder emphatisch als Ort einer versunkenen Utopie.
Die militaristischen Reste beseitigt in den 70ern Chefautor William Voltz. Hippiegedankengut, surreale und poetische Elemente halten jetzt Einzug in die Serie. In Voltz’ letztem Roman „Einsteins Tränen“ passiert laut Perrypedia Folgendes: „Alle Menschen versammeln sich im Freien und blicken erwartungsvoll in den Himmel. Sie warten auf Einsteins Tränen. Am 16. April beginnen die Menschen zu schrumpfen. Gleichzeitig tauchen die azurblauen Tränen am Himmel auf und verharren jeweils über einem Individuum. Vier Tage später stellen Ellert und Chthon fest, dass Einsteins Tränen ihre azurblaue Farbe verloren haben.“ Das ist nicht eben das, was man gemeinhin von einem Weltraumscharmützel erwartet.
Inzwischen hat das heute für „Perry Rhodan“ zuständige zehnköpfige Autorenteam auf den veränderten Zeitgeist reagiert: Action und interstellare Konflikte prägen wieder die Serie. Dazu kommt manchmal ein selbstironisches Spiel mit bekannten Motiven. So konnten Eingeweihte etwa in der solaren Meisterschaft des Jahres 1345 NGZ die Fußball-WM in Deutschland wiedererkennen. Trotzdem scheint es möglich, dass den Deutschen ihre Erfindung allmählich aus den Händen gleitet. Der kürzlich verstorbene Nachfolger von Voltz, Ernst Vlcek, war EUP (Ehrenvorsitzender unter Protest) der „Sentenza Austriaca“, der „sehr geheimen Geheimgesellschaft zur schleichenden Verösterreicherung des Perryversums“. Ihr gehören österreichische „Perry Rhodan“-Autoren an.
Die Amerikaner hingegen zeigen unserem intergalaktischen Helden nach wie vor die kalte Yankee-Schulter, obwohl er doch einer der ihren ist. Aber das ist ja schon so bei Winnetou gewesen … Trotzdem gilt Perry Rhodan weltweit als der größte Superheld der Science-Fiction-Geschichte. Soeben ist Band 101 der Silberbände erschienen, seit 30 Jahren das Rückgrat von „Perry Rhodan“. Und dem Heyne Verlag ist mit dem breit angelegten Ara-Toxin-Zyklus ein ambitionierter zivilisationskritischer Weltraumthriller geglückt.
Rhodan wird sich also wahrscheinlich auch nach weiteren 3000 Jahren mit Stolz im Spiegel seiner Fans betrachten können. Die Fangemeinde expandiert ebenso unaufhaltsam wie das Universum. „Perry ist Pop“, urteilte der „Stern“. Oder um es mit den Worten von Geoffry Abel Waringer, seines Zeichens plophosischer Hyperphysiker und Schwiegersohn von Perry Rhodan, zu sagen: „Die Zukunft wartet, Perry!“ Na dann: Möge die Macht mit Dir sein.
Bert Bresgen
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Hans Joachim Alpers Nekrogenesis Heyne - 6,95 € (D) / 7,20 € (A) / 12,90 sFr Format: 368 S. ISBN: 978-3-453-52388-3 Bestellen |
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Vim Vandemaan Die eiserne Karawane Heyne - 6,95 € (D) / 7,20 € (A) / 12,90 sFr Format: 416 S. ISBN: 978-3-453-52389-0 Bestellen |
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Hubert Haensel Die Trümmerbrücke Heyne - 6,95 € (D) / 7,20 € (A) / 12,90 sFr Format: 416 S. ISBN: 978-3-453-52390-6 Bestellen |
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Michael Marcus Thurner Der Unlichtplanet Heyne - 6,95 € (D) / 7,20 € (A) / 12,90 sFr Format: 416 S. ISBN: 978-3-453-52391-3 Bestellen |
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Perry Rhodan Pan Thau-Ra Heyne - 15,00 € (D) / 15,50 € (A) / 27,50 sFr Format: 992 S. ISBN: 978-3-453-52450-7 Bestellen |
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Perry Rhodan Eiswind der Zeit Pabel-Moewig - 16,90 € (D) / 17,40 € (A) / 29,90 sFr Format: 400 S. ISBN: 978-3-8118-4087-4 Bestellen |
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Perry Rhodan Aufbruch der BASIS Pabel-Moewig - 16,90 € (D) / 17,40 € (A) / 29,90 sFr Format: 416 S. ISBN: 978-3-8118-4088-1 Bestellen |
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Perry Rhodan Die Mediale Schildwache Lübbe Audio - 7,95 € (D) / 8,10 € (A) / 15,70 sFr Format: 1 CD ISBN: 978-3-7857-3436-0 Bestellen |
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