Sachbuch

astronomieastronomie

08.09.2008

Nächster Halt: Milchstraße

Lust auf einen Spaziergang zwischen den Sternen?
Vier Bücher über Planeten, Kometen und Galaxien laden zu einer eindrucksvollen Reise durch die unendlichen Weiten von Zeit und Raum ein.

Schlagworte:

Die Welt wurde am 23. Oktober 4004 vor Christus erschaffen, einem Sonntag, versteht sich. Und zwar um 9 Uhr morgens. Das war die Ansicht von James Ussher, der Mitte des 17. Jahrhunderts als anglikanischer Erzbischof in Nordirland wirkte. Intensives Bibelstudium hatte ihm zu dieser Datierung verholfen, namentlich die Altersangaben der im Buch Genesis verzeichneten Patriarchen. Heute nutzen Kosmologen die Rotverschiebung fernster Galaxien, um den Zeitpunkt des Urknalls auf 13 bis 14 Milliarden Jahre vor unserer Zeit zurückzurechnen. Bischof Ussher wäre vermutlich außer sich.
Keine andere Wissenschaft hat sich so sehr gegen ehrwürdige Glaubenstraditionen durchsetzen müssen wie die Astronomie. Noch im Doppelsinn unseres Wortes „Himmel“ spiegelt sich der alte Widerstreit. Was für eine Zumutung muss es für das Selbstverständnis der Menschen gewesen sein, als Kopernikus, Kepler und Galilei erklärten, die Erde stünde keineswegs im Zentrum des Universums, sondern sei ein im leeren Raum schwebender Ball …
Dergleichen lässt sich nachlesen in „Die Geschichte der Astronomie“ von Heather Couper und Nigel Henbest. Die Autoren – beide Astrophysiker und TV-Journalisten – spannen einen weiten Bogen: Sie führen uns von den Megalithen von Stonehenge auf die Beobachtungstürme der chinesischen Astrologen, von den Sternzeichnungen der Polynesier zu den Observatorien der Maya im Urwald von Yucatán. Wir begegnen Thales, dem Griechen, der als Erster eine Sonnenfinsternis exakt vorausberechnet haben soll. Wir erleben die Schockwelle der Erkenntnis, die die Erfindung des Fernrohrs ausgelöst hat. Und werden eingewiesen in fantastisch klingende Mutmaßungen über das Universum, wie die Kosmologen sie heute anstellen.

Schwarze Löcher und Quasare
Wer sich der Welt der schwarzen Löcher und Neutronensterne, der Quasare und planetarischen Nebel vorsichtig annähern will, halte sich an den Band „Astronomie“. Diese „Einführung in das Universum der Sterne“ erklärt Schritt für Schritt alle Grundbegriffe, und ein prächtig bebilderter Atlas stellt den Reigen der Sternbilder vor. Überhaupt ist dieses Buch – es wiegt mehr als drei Kilo – opulent illustriert: Die Planeten und Monde liegen so plastisch vor uns, als würden wir auf dem Hubble-Teleskop durchs Weltall reiten. Ein ausführliches Kapitel widmet sich den Möglichkeiten der Raumfahrt: Werden Menschen auf dem Mars siedeln? Auf einem Kometen landen? Außerirdische Zivilisationen finden? Mit einiger Wahrscheinlichkeit lautet die Antwort jeweils „Ja“.
Eine virtuelle Reise durch Raum und Zeit offeriert auch der „Kosmos Reiseführer Universum“ von Bernd Mackowiak – eine lehrreiche Tour durchs Sonnensystem und den interstellaren Raum. Hier erfährt man, warum jedes einzelne Atom des Körpers (vom Wasserstoff einmal abgesehen) aus dem Kern einer erloschenen Sonne stammt. Oder warum der Planet Saturn so federleicht ist, dass er in einem großen Bottich mit Ozeanwasser schwimmen würde. Oder dass unser Milchstraßensystem und die Andromedagalaxie sich unausweichlich auf Kollisionskurs befinden. Doch keine Angst: Zum Crash kommt es erst in drei Milliarden Jahren.
Vielleicht wäre aus dem kleinen Johannes Kepler kein so brillanter Astrophysiker geworden, hätte seine Mutter ihn nicht im Herbst 1577 einmal aus dem Bett geholt, um ihm einen Kometen zu zeigen. Kepler war damals keine sechs Jahre alt, und an diesem Abend erwachte seine Leidenschaft für Astronomie … Was dann wohl aus der sechsjährigen Stella einmal werden wird? So heißt die Tochter des Schriftstellers und Astronomen Ulrich Woelk, der nichts lieber tut, als ihre vielen Fragen zu den Vorgängen am Himmel zu beantworten.

Kinderleichte Sternenkunde
Seine Gespräche mit ihr beschreibt er in einem Buch mit dem Titel „Sternenklar“. Woelks große Gabe ist die Anschaulichkeit seiner Formulierungen. Astronomen von solchem Zuschnitt müsste es mehr geben. Solche Väter auch! Um die Relativität der Zeit verständlich zu machen, erfindet Woelk für Stella einen „Lichtgeschwindigkeitsläufer“. Um ihr die Krümmung des vierdimensionalen Raumes zu erklären, knüpft er beim „raumverzaubernden Herrn Tur Tur“ an, dem Scheinriesen aus „Jim Knopf“. „Wenn Sterne ihre Energie verloren haben, stürzen sie in sich zusammen wie Regenschirme ohne Speichen“, heißt es an einer Stelle. Und schon sieht man den Zusammenbruch am Ende eines Sternenlebens, aus dem die Neutronensterne hervorgehen, förmlich vor sich.
Bei alldem ist Woelk sehr darauf bedacht, dass aus seiner Tochter keine „neunmalkluge Atheistin“ wird. „Manchmal wünsche ich mir“, schreibt er, „ich könnte den Weltraum noch einmal mit Stellas Augen sehen. Ich möchte noch einmal alles vergessen, was ich weiß, und einfach nur staunen.“
Ein Buch, das sprachlos macht angesichts der Größe und überirdischen Schönheit des Himmels.

Christian Dombrowski

Titel
Astronomie
Komet - 12,95 € (D) / 13,40 € (A) / 23,90 sFr
Format: 648 S.
ISBN: 978-3-89836-598-7
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Heather Couper / Nigel Henbest
Die Geschichte der Astronomie
Frederking & Thaler - 39,90 € (D) / 41,10 € (A) / 66,00 sFr
Format: 228 S.
ISBN: 978-3-89405-707-7
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Bernhard Mackowiak
Der Kosmos Reiseführer Universum
Kosmos - 14,95 € (D) / 15,40 € (A) / 27,90 sFr
Format: 160 S.
ISBN: 978-3-440-11345-5
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Ulrich Woelk
Sternenklar
DuMont - 14,90 € (D) / 15,40 € (A) / 27,50 sFr
Format: 224 S.
ISBN: 978-3-8321-8060-7
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