Sachbuch
sind von Kindheit an, was wir sind, und alles Spätere ist Auslegung des Frühesten“, heißt es in Golo Manns Monografie über Friedrich von Gentz, den Staatstheoretiker und Ghostwriter des Fürsten von Metternich. Zeitlebens galt Golo Mann (1909 – 1994) diese an Emphase und Empathie reiche Arbeit als seine liebste unter all jenen Studien, mit denen er als Historiker hervorgetreten war. Zum einen, weil er mit dem 1946 entstandenen Text erstmals als Schriftsteller an die Öffentlichkeit tritt. Zum anderen, weil ihm das Buch wohlwollende Worte von Thomas Mann einträgt, seinem sonst nur spärlich lobenden Vater. Schließlich und vor allem, weil Mann in diesem Großessay exemplarisch seine poetische und historiografische Grundhaltung ins Werk setzt: eine lebenspralle Schilderung geschichtlicher Geschicke, die ihm zwar nicht den Segen der Akademien, wohl aber die Zuneigung eines Publikums beschert, das unterhalten sein will, nicht aber belehrt.
Wie im deutschsprachigen Raum zuvor nur Stefan Zweig und Theodor Mommsen gelang es Golo Mann in seinen biografischen Versuchen, die Wallenstein und Wilhelm II. betrafen, Vita und Werk seiner Beschreibungsobjekte derart virtuos und flüssig lesbar zu verzahnen, dass ein tie-feres Verständnis für deren Handlungsweisen allererst möglich wurde. Es ist daher eine glückliche Fügung, dass sich sein Biograf Tilmann Lahme einer ähnlichen Methode befleißigt, um sich Mann zu nähern. Auch er begreift Geschichte als Erzählung, als „wahren Roman mit Lücken“, wie Mann sein historisch-poetisches Programm mit Paul Veyne charakterisierte.
Lahme nähert sich dem ebenso streitbaren wie umstrittenen Mann, der durch seine Nähe zu Willy Brandt polarisierte, durch eine kluge und einfühlsame Synopsis von teils unbekannten, unpublizierten Quellen wie Briefen und Tagebuch, die Vita und Werk gleichermaßen betreffen. So wird neben diesem für die Fachwissenschaft schnöde periodisierbaren Dichter und Denker (NS-Gegnerschaft, Emigration, Biografik, politisches Engagement) ein Mensch sichtbar, der zugleich passionierter Kämpfer für Humanität war.
Leben und Werk eines anderen leidenschaftlichen Homme de Lettres bezieht auch der Schriftgelehrte Fritz J. Raddatz, Jahrgang 1931, aufeinander, um daraus eine filigrane Biografie zu weben, die ihrerseits poetischen Charakter beanspruchen darf. Seine Monografie über Rainer Maria Rilke (1875 – 1926) besticht, wie bereits sein früherer Versuch über den Lyriker Gottfried Benn, durch eine anregende Mixtur aus Epocheneinschätzung und Psychogramm, Selbstauskünften des Dichters und zeitgenössischen Zuschreibungen, kulturgeschichtlichen Querverweisen sowie fundiert begründeten Mutmaßungen des Lebenstexters Raddatz.
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Hendrik Werner
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Tilmann Lahme Golo Mann S.Fischer - 24,95 € (D) / 25,70 € (A) / 42,90 sFr. UVP Format: 560 S. ISBN: 978-3100432001 Bestellen |
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Fritz J. Raddatz Rilke Arche - 22,- € (D) / 22,70 € (A) / 39,- sFr. UVP Format: 224 S. ISBN: 978-3716026069 Bestellen |
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Wilhelm von Sternburg Joseph Roth Kiepenheuer und Witsch - 22,95 € / 23,60 € / 42,20 sFr. UVP Format: 608 S. ISBN: 78-3462055559 Bestellen |
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