Krimi
Der Mann ist ein Kenner krachlederner Rhetorik. Seine Figuren sprechen wundervolles Rotwelsch: Über Haberer (Zuhälter), Weiberer (Frauenheld) und Kuttenbrunzer (Mönch) lästern sie zwischen Münchner Polizeipräsidium und Zuchthaus Stadelheim, über Geschiss (Ärger) und Krätzn (Ausschlag) klagen sie. In einem Bajuwarisch, das derber ist, als es die Polizei erlauben dürfte. Aber im München der 1920er Jahre, von dem Robert Hültner in seinen sozialkritischen Krimis erzählt, scheint erlaubt, was gefällt. Die Stadt im dauernden Ausnahmezustand bildet die historisch glaubwürdig geschilderte Kulisse für deftige Sitten- und Sippengemälde.
Ein Cicerone ist dieser Autor, ein Fährmann zwischen den Zeiten: Er entführt seine Leser in eine politisch instabile, moralisch verderbte Räterepublik. Ihre Fährnisse schildert er in atmosphärischer Dichte, die kein Geschichtsbuch leistet. Hültner recherchiert akribisch; zudem zieht er Zeitzeugen zu Rate.
Das oft belächelte Genre des historischen Krimis hat der 58-Jährige lange vor Andrea Maria Schenkels Coup „Tannöd“ zu hoher Blüte geführt. Dass beide Autoren, der Altmeister und sein erklärter Fan, mittlerweile gemeinsam Lesungen bestreiten, bereichert den Krimistandort Deutschland. In diesem Frühjahr legen beide nach: Schenkel mit „Bunker“ (Edition Nautilus) bleibt erstmals in der Gegenwart; Hültner mit „Inspektor Kajetan kehrt zurück“, einem neuen Fall für seinen Serienfahnder, der wiederum in der heiklen Epoche zwischen zwei Weltkriegen ermittelt.
„Er war kein Held“, schickt er dem neuen Fall seines Protagonisten ein Bonmot des Schriftstellers Theodor Plivier voran. „Dazu hatte er zu viel Phantasie.“ Wahrlich: Die aberwitzigen Imaginationstalente des Paul Kajetan, der seinem Erfinder den Friedrich-Glauser-Preis beschert hat, machen dem Schnüffler das Leben schwer.
In nunmehr fünf Fällen hat die zwischenzeitlich vom Dienst suspendierte Spürnase so viel Dreck auch in den eigenen Reihen aufgewirbelt, dass er daran zu ersticken droht: „Walching“ (1993), „Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski“ (1995), „Die Godin“ (1997), „Inspektor Kajetan und die Betrüger“ (2004) – und jetzt „Inspektor Kajetan kehrt zurück“.
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Hendrik Werner
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Volker Kutscher Der stumme Tod Kiepenheuer und Witsch - 19,95 € (D) / 20,60 € (A) / 35,- sFr. UVP Format: 512 S. ISBN: 978-3462040746 Bestellen |
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Robert Hültner Inspektor Kajetan kehrt zurück btb - 17,75 € (D) / 18,50 € (A) / 31,90 sFr. UVP Format: 288 S. ISBN: 978-3442751891 Bestellen |
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Volker Kutscher Der stumme Tod Argon - 24,95 € (D) / 25,20 € (A) / 47,50 sFr. UVP ISBN: 978-3866106192 Bestellen |
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