Sachbuch
40 Jahre Journalistenleben, komprimiert auf 500 Seiten. Ziehen Sie mit Ihrem neuen Buch Bilanz nach dem Motto "Das war’s“?
Klaus Bednarz: Ich halte mich für viel zu unbedeutend, als dass ich den Anspruch erhebe, eine Bilanz zu ziehen und diese dann auch noch öffentlich zu präsentieren. Ich war zwar Fernsehjournalist, der zwangsläufig sein Gesicht zeigen musste, habe mich aber nie als öffentliche Person betrachtet. Nein, das Buch „Ferne und Nähe“ ist allein Oskar zu verdanken.
Wer ist Oskar?
Mein erster Enkel, der vor zwei Jahren geboren wurde. Zu seiner Taufe wollte ich ihm ein besonderes Buch schenken, ein Buch mit Texten aus meinem Berufsleben: mit Berichten, Reisereportagen, Kommentaren, Reden, Interviews. Wenn sich Oskar in vielen Jahren dafür interessieren sollte, was sein Großvater einmal gemacht hat, kann er dann dieses Buch hervorholen. Oskar soll es nicht so gehen wie mir. Ich hatte zwei wunderbare Großväter, und noch heute mache ich mir Vorwürfe, sie nicht genug über ihr Leben befragt zu haben.
Stimmt es, dass Sie beinahe Schauspieler geworden wären?
Das war eine Überlegung während meines Studiums in Hamburg. An der Universität gab es damals zwei Bühnen: eine gute, die „Studiobühne“, und eine weniger gute, die „Studentenbühne“. Dort arbeitete und spielte ich, hoffte aber natürlich, irgendwann zur „Studiobühne“ wechseln zu können, die vom heute nicht ganz unbekannten Theatermann Claus Peymann geleitet wurde. Als es um die Besetzung eines neuen Stückes ging, sprach ich Peymann vor, der danach nur einen Satz sagte: „Ich vermute, Sie werden mich heute nicht in Ihr Nachtgebet einschließen – aber es reicht nicht.“ Die Schauspielerei war für mich damit erledigt.
Wie sind Sie dann beim Fernsehen gelandet?
Es war purer Zufall. Auf Empfehlung einer Freundin bewarb ich mich 1967 beim WDR, obwohl ich vorher nicht die geringste Berührung mit diesem Medium hatte. Der damalige Programmdirektor Werner Höfer sagte aber einfach nur: „Dann mach mal, Junge“, und so fing ich eben gleich als Kulturredakteur beim WDR an.
1971 wechselten Sie auf den Korrespondentenposten nach Warschau. Unter welchen Bedingungen mussten Sie damals in Polen arbeiten?
Das war in vieler Hinsicht schwierig. Die Polen haben erwartet, dass ein erfahrener, gestandener Korrespondent nach Warschau kommt. Dass nun ein 29-jähriger, ziemlich unerfahrener Journalist auf den Posten geschickt wurde, betrachtete das polnische Außenministerium als typisch deutschen Affront. Das schwierigere Problem war für mich jedoch das Bewusstsein um die tragische Vergangenheit zwischen Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert. So habe ich in Warschau sehr schnell aufgehört, in der Öffentlichkeit deutsch zu sprechen. Es gab damals noch sehr viele Polen, denen allein der Klang der deutschen Sprache nicht nur psychische, sondern bisweilen physische Schmerzen bereitete. Auf der anderen Seite war es eine wunderbare Erfahrung, dass ausgerechnet Menschen, die unter den Deutschen besonders gelitten haben, oft die ersten Schritte taten, um Barrieren abzutragen. Diese Erfahrung hat sich später übrigens in der Sowjetunion wiederholt.
Wurden Sie als Deutscher offen angefeindet?
Ich habe in all den Jahren keinen Menschen getroffen, der mir feindlich gegenübergetreten wäre, nur weil ich Deutscher bin. Für mich war es aber schon von Vorteil, dass ich wegen meines Alters nicht der Tätergeneration angehören konnte. Allerdings habe ich immer wieder bemerkt, dass man mich taxierte und mein Gegenüber sich die Frage stellte: Was hat sein Vater während des Krieges wohl getan?
1977 sind Sie als Korrespondent nach Moskau gewechselt. Was waren die Unterschiede im Vergleich zu Warschau?
In Russland war die Arbeit schwieriger als in Polen. In Warschau wurden wir bei der Arbeit zwar auch gegängelt, privat konnten wir uns aber frei bewegen, auch wenn jeder Schritt überwacht und wir in unserer Wohnung abgehört wurden. In Russland durften wir uns nur im Umkreis von 40 Kilometern um den Kreml frei bewegen. Jede Fahrt darüber hinaus – und natürlich jedes Drehprojekt – musste beim Außenministerium angemeldet werden. Der Zugang zur Bevölkerung war in der Sowjetunion sehr viel schwieriger als in Polen. Die Überwachung war fast total.
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Eckart Baier
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Klaus Bednarz Ferne und Nähe Rowohlt - 22,90 € / 23,50 € / 39,90 sFr. UVP Format: 496 S. ISBN: 978-3498006358 Bestellen |
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