Romane
Düster ist das Angesicht von Roderich, dem asturischen Grenzgrafen der baskischen Mark: Waskonen haben seine Schafe gestohlen, und wehe dem, der sich nun in die Nähe seiner Speerspitze wagt. Schon auf den ersten Seiten des neuen Romans von Iny Lorentz, „Die Rose von Asturien“, ahnen wir: Hier bahnt sich eine Mordtat an, denn sogar das Sonnenlicht färbt sich bereits „blutrot“, und blaue Augen blicken kühl „wie Eis“.
Zu den Höhepunkten experimenteller Wortkunst zählt ein solcher Romanbeginn vielleicht nicht. Doch an der konventionellen Sprache und dem erwartbaren Handlungsablauf stören sich viele Leser nicht. Vielmehr zählen die Werke von Iny und Elmar Lorentz, die unter dem gemeinsamen Pseudonym Iny Lorentz veröffentlichen, zu den meistverkauften der letzten Jahre. Seit „Die Kastratin“ (2003, Knaur) landet das Duo einen Bestseller nach dem anderen. Allein ihr bislang erfolgreichstes Buch „Die Wanderhure“ (2004, Knaur) verkaufte sich im Taschenbuch über eine Million Mal, und „Die Rose von Asturien“ geht gleich mit 100 000 Exemplaren an den Start.
Für den seit Jahren anhaltenden Boom des Genres ist ihr Erfolg symptomatisch. In den Feuilletons werden Neuerscheinungen historischer Romane zwar meist ignoriert – wenn sie nicht von Daniel Kehlmann oder Ilija Trojanow stammen. Doch im Buchhandel füllen gerade die unterhaltenden Titel viele Regalmeter: Noah Gordons „Medicus“, Ken Folletts „Die Säulen der Erde“ oder die Mittelalter-Romane von Peter Berling – etwa sein jüngstes Werk „Ritter zum heiligen Grab“, in dem er von Papst Urban II. und dessen Entschluss erzählt, das „Heilige Land“ zu erobern. Oder die Werke von Robert Harris: Im Oktober erscheint „Titan“, nach dem Bestseller „Imperium“ der zweite Teil seiner dreibändigen Cicero-Biografie.
Diese und viele andere geschichtsträchtige Werke bringen die Kassen zum Klingeln, seitdem Umberto Eco mit seinem Welterfolg „Der Name der Rose“ (1980) an die bereits im 19. Jahrhundert beliebte Tradition historischen Erzählens anknüpfte. Begründet hatte sie der Schotte Sir Walter Scott (1771 – 1832) im Jahre 1814 mit „Waverley“.
Da sich vor allem weibliche Leser für das Genre begeistern, stehen immer öfter Frauen im Zentrum historischer Romane – meistens in heroischen Rollen, doch bisweilen tragen sie auch grausame Züge. So zeichnet die Amerikanerin Jeanne Kalogridis in „Die schwarze Königin“ das Leben der Katharina von Medici nach, die schon von ihren Zeitgenossen „Madame la Serpente“ (die Schlange) genannt wurde. Denn um die Regierungsmacht ihres Sohnes, Karl IX., zu erhalten, soll sie 1572 die Bartholomäusnacht initiiert haben, bei der in Paris Tausende französischer Hugenotten massakriert wurden. Kalogridis erzählt aus der Sicht der Königin und macht dadurch deren Intrigen wenngleich nicht verständlich, so doch auf einer emotionalen Ebene nachvollziehbar – und zeigt sie als willensstarke, mutige Frau.
Lesen Sie weiter im aktuellen "Buchjournal", das Ihr Buchhändler für Sie bereithält!
Brigitte Preißler
| Titel | |
|---|---|
|
Iny Lorentz Die Rose von Asturien Droemer Knaur - 19,95 € (D) / 20,60 € (A) / 34,90 sFr. UVP Format: 873 S. ISBN: 978-3426662434 Bestellen |
|
|
Peter Berling Ritter zum heiligen Grab List - 22,90 € (D) / 23,60 € ( A) / 41,50 sFr. UVP Format: 544 S. ISBN: 978-3471795712 Bestellen |
|
|
Jeanne Kalogridis Die schwarze Königin List - 19,90 Eur[D] / 20,50 Eur[A] / 35,90 sFr. UVP Format: 496 S. ISBN: 978-3471795569 Bestellen |
|
|
Heike Koschyk Pergamentum Ruetten & Loening - 20,- € (D) / 20,60 € (A) / 34,50 sFr. UVP Format: 420 S. ISBN: 978-3352007729 Bestellen |
|
|
Heike Koschyk Hildegard von Bingen Aufbau TB - 8,95 € (D) / 9,20 € (A) / 17,70 sFr. UVP Format: 260 S. ISBN: 978-3746625225 Bestellen |
|


