Krimi

Arne Dahl, der lässige Krimistar© Foto: Sara Arnald

12.02.2010

Arne Dahl, der lässige Krimistar

Die US-Invasion im Irak ebenso wie Immigrationspolitik oder das Verhältnis der Geschlechter: In seinen Krimis setzt sich Arne Dahl mit wichtigen Themen unserer Zeit auseinander – und schlägt in seinem achten Fall um das A-Team ein besonders düsteres Kapitel auf. Ein Gespräch in Stockholm.

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Es ist ein klarer Wintertag, es hat ein wenig geschneit, und es dämmert schon – die perfekte Stimmung, um mit einem der erfolgreichsten schwedischen Krimiauto­ren über seine komplexen Bücher mit ihren ernsten Themen zu sprechen. Wir haben uns im Café Frappino verabredet, im Stockholmer Stadtteil Södermalm, wo Arne Dahl auch wohnt. Es ist ein gemütliches, gut besuchtes, aber unspektakuläres Café, das zu ihm passt: Der 47-jährige Autor scheint nicht der Typ zu sein, der sich gern in Szene setzt. Er wirkt zurückhaltend, fast ein wenig schüchtern und ist selbst zum Fototermin ein paar Tage vorher schwedisch-lässig erschienen: mit ein wenig verwuschelten Haaren, in Jeans, kariertem Hemd und mit kariertem Schal.

Schnörkel macht er keine, sondern er ist gleich zum Gespräch über seine Bücher bereit. Er ist freundlich und offen, redet konzentriert und eher leise – auf Englisch. Arne Dahl versteht zwar Deutsch, nicht zuletzt nach einem längeren Aufenthalt in Berlin, traut sich aber nicht zu, es zu sprechen. Nicht weil er es nicht könnte, sondern weil er seinen eigenen Ansprüchen nicht genügt. „Aber ich hoffe, dass sich das bald ändert“, sagt er. „Ich möchte ein Apartment in Berlin haben und in Zukunft öfter dort sein. Dann sollte sich mein Deutsch verbessern.“
Hohe Ansprüche stellt er nicht nur an sich, sondern auch an seine Krimis. „Sie sollen natürlich unterhalten, aber ich will mehr. Ich will Geschichten erzählen, die man nach der letzten Seite nicht einfach vergisst, sondern die nachhallen. Geschichten, die die Leserin, den Leser noch eine Weile beschäftigen.“

Dass seine Bücher einmal Krimis sein würden, war am Anfang nicht abzusehen. Arne Dahl begann Ende der 80er Jahre, professionell zu schreiben: Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und seine Doktorarbeit. 1990 wurde sein erstes Buch veröffentlicht, unter seinem richtigen Namen Jan Arnald, unter dem er auch für die Schwedische Akademie tätig war. Mit deren Vergabe der Nobelpreise hatte er allerdings nichts zu tun, sondern er war als Redakteur der Kulturzeitung „Artes“ tätig.

Für einen jungen, ambitionierten Autor war das ein beachtlicher Erfolg. Aber Jan Arnald war nicht zufrieden. „Mein Schreiben wurde mir bald zu akademisch, zu abgehoben.“ Er wollte sich stattdessen mit dem aktuellen Schweden befassen, mit dem Wandel des Landes in den 90er Jahren, als Schweden nach dem Ende des Kalten Krieges seine Neutralität aufgab, Mitglied der EU und internationaler wurde. „Dieser Roman, den ich über das aktuelle Schweden schreiben wollte, sollte leichter zu lesen, er sollte populärer sein als meine früheren Romane. Deshalb kam ich auf die Idee, dass es ein Krimi sein sollte. Denn Krimis sind zwar spannend und unterhaltsam, hatten sich aber schon oft als Reflexionen der Gegenwart bewährt.“
Bei seinem Wechsel von der anspruchsvolleren zur leichteren Literatur sieht sich Arne Dahl, in Schweden nahezu unvermeidlich, in der Nachfolge des Autorenpaars Sjöwall / Walhöö. Die kriminellen Übereltern hatten in den 60er und 70er Jahren Bücher um den Polizisten Martin Beck geschrieben. Wie sie wollte Arne Dahl zehn Fälle einer gesellschaftskritischen Reihe schreiben – allerdings nicht um einen Kommissar, sondern um eine Gruppe von Ermittlern. Es ist das A-Team, eine Sondereinsatzgruppe der Stockholmer Polizei.
Natürlich sind seine Bücher insofern autobiografisch, als seine Erfahrungen in sie einfließen. „Aber Schreiben heißt für mich, nicht in erster Linie mit dem eigenen Leben befasst, nicht egozentrisch zu sein, sondern die Welt aus immer neuen Perspektiven zu sehen, und dafür bietet ein Team sehr gute Möglichkeiten.“

Nicht nur die Gruppe, auch die Figuren sind fiktiv – „Schlüsselromane wollte ich nicht schreiben“, sagt Arne Dahl. Aber die Ermittler haben alle Züge von ihm selbst, einige mehr, andere weniger. „Ich mag sie alle. Aber meine Lieblingsfigur ist Kerstin Holm“ – und das ist typisch für ihn: Er fühlt und denkt sich ebenso in weibliche wie in männliche Figuren ein. Frauen spielen dabei nicht nur Nebenrollen, sind nicht nur Dekoration, sondern ihre Erfahrungen und ihr Blick auf die Welt spielen in seinen Krimis eine wichtige Rolle.

 

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Sabine Schmidt

Titel
Arne Dahl
Dunkelziffer
Piper - 19,95 € (D) / 20,60 € (A) / 34,90 sFr.
Format: 432 S.
ISBN: 978-3492053501
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