Ratgeber

Michael Mittermeier: "Ich bin Gerne-Papa"

12.02.2010

Michael Mittermeier: "Ich bin Gerne-Papa"

Vor zwei Jahren ist Comedian Michael Mittermeier Papa geworden. In seinem Buch "Achtung, Baby!" beschreibt er, wie Tochter Lilly sein Leben umgekrempelt hat.

Schlagworte:

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie erfahren haben, dass Ihre Frau schwanger ist?
Michael Mittermeier: Es waren die reinen Glücksgefühle, weil es für uns ein Wunschkind war. Die Schwangerschaft kam also nicht unerwartet.

Sie haben auf der Bühne früher gern auch Ihre Späße über junge Eltern gemacht. Blöd, wenn man plötzlich selber mittendrin ist?
Ich habe vorher vor allem über junge Eltern auf Kreuzzug gelästert, die die Freunde zum Kind bekehren wollen – diese Art von Baby-Inquisition nervt mich tierisch, weil jeder seine eigene Entscheidung treffen muss.

Und jetzt sind Sie derjenige, der die Freunde mit Geschichten und Babybildern langweilt?
Ja, klar! Man erzählt begeistert vom Baby und merkt erst hinterher, dass die Geschichten keine Sau interessiert haben. Am schlimmsten ist es aber vor der Geburt, wenn man sich Ultraschallfotos anschauen muss, die aussehen wie Nachtbilder vom ­Irakkrieg. Die Eltern begeistern sich an der tollen Kopfform – „Schau mal, ganz die Mama!“ –, man sieht aber rein gar nichts.

Sind Sie eigentlich ein Perfektionist, der Babybücher gelesen und schon vor der Geburt das Kinderzimmer eingerichtet haben muss?
Vom Typ her wäre ich für solche Planungen eigentlich prädestiniert. Wir haben die Schwangerschaft aber einfach nur genossen und uns nicht verrückt gemacht. Ich wusste auch, dass ich mit einem Babybuch gar nicht anfangen durfte, denn sonst hätte ich nicht mehr aufhören können und gleich 20 davon lesen müssen.


Aber wenigstens ein Geburtsvorbereitungskurs?
Nicht mal das, einfach weil ich glaube, dass es im Ernstfall nichts bringt, wenn man vorher wochenlang Puppen gewickelt hat. Nach der Geburt hat mir die Hebamme Lilly in die Hand gedrückt und gesagt: „So, Herr Mittermeier, jetzt wird gewickelt, schließlich hat bisher Ihre Frau die ganze Arbeit gemacht.“ Sie glauben nicht, wie schnell man das lernt.

Gehört Wickeln auch heute noch zum Papa-Job – oder überlassen Sie das lieber Ihrer Frau?
Natürlich wickele ich! Väter, die das der Mama überlassen, wissen gar nicht, was sie versäumen. Überhaupt erlebt man so viele schöne Momente, zum Beispiel, wenn das Baby zum ersten Mal lacht, wenn es versucht nach einem zu greifen, wenn es später versucht, sich die Windel selbst anzuziehen.

Sie sind ja richtig begeistert.
Ich finde es einfach nur toll und bin der totale Gerne-Papa. Unser Leben ist heute ganz anders und vor allem: lustiger. Man lernt so viele Dinge, von denen man vorher nichts geahnt hat. Nehmen Sie nur das Wort „Blähungen“, das für mich früher noch eine komplett andere Bedeutung hatte.

Bei den meisten Eltern kommt irgendwann der Babyblues – bei Ihnen auch?
Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass alles toll ist. Die ersten zwei Monate nach der Geburt unserer Tochter war ich fast komplett zu Hause, da kommt man schon gelegentlich ans Ende seiner Kräfte und seiner Nerven. Aber selbst nach den schlimmsten Nächten fast ohne Schlaf schmilzt du dahin, wenn dich morgens dieses kleine Wesen anlacht, dir die Ärmchen entgegenstreckt und „Papa, Papa“ sagt. Da gibt’s dann kein Mir-geht’s-schlecht mehr.

Hätten Sie nicht abwarten können, welche Baby-Gags auf der Bühne zünden, und dann anschließend das Buch schreiben?
Genau das wollte ich nicht. Mir ging es darum, die vielen schönen und intensiven Erlebnisse und Empfindungen unmittelbar aufzuschreiben, die man als Eltern normalerweise schnell wieder vergisst, und nicht erst zu sehen, was auf der Bühne lustig rüberkommt. Das ging mir sogar schon beim Lesen der ersten Druckfassung so, wo ich mich an diese Momente wieder erinnert habe.

Fand Ihre Frau die Idee, ein Babybuch zu schreiben, eigentlich gut? Schließlich gibt man darin ja auch viel Persönliches preis.
Das war für meine Frau kein Problem, weil sie mich ja von der Bühne kennt, wo ich auch von uns erzähle. In den fast 20 Jahren, die wir zusammen sind, habe ich in meinen Shows aber nie respektlos über meine Frau gesprochen. Deshalb hatte sie auch das Vertrauen, dass ich in dem Buch bestimmte Grenzen nicht überschreite. Über die Geburt zu schreiben wäre mir zum Beispiel nicht in den Sinn gekommen.

Warum?
Weil das unser ganz eigenes, persönliches Erlebnis war, über das niemand etwas wissen muss. Außerdem gibt es so viele Comedy-Nummern über diesen Moment, dass ich mich da nicht einreihen wollte.

Wie schwer ist es für Sie, während der Tourneen auf Ihre Tochter zu verzichten?
Ich habe meine Tourneepläne so umgestellt, dass ich normalerweise nicht länger als vier Tage auf Tour und anschließend mindestens vier Tage zu Hause bin. Mir ist wichtiger, die Zeit mit meiner Tochter zu verbringen, sie aufwachsen zu sehen, als wie früher wochenlang unterwegs zu sein.

Wann gibt’s das Geschwisterchen für Lilly?
Ich sag’s mal mit den Worten des großen Philosophen Franz Beckenbauer: „Schau’n mer mal.“

Eckart Baier

Titel
Michael Mittermeier
Achtung, Baby!
Kiepenheuer & Witsch - 14,95 € (D) / 15,60 € (A) / 26,90 sFr.
Format: 256 S.
ISBN: 978-3462042023
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