Krimi
30.06.2010Die "Elbenschlächer" im Interview
"Wir sind Männer mit krudem Humor"
Wenn es Nacht wird in den Straßen Nophelets, der Hauptstadt des Königreichs Sdoom, kommen die Elben. Allerdings sind die blonden Jünglinge gesellschaftlich ziemlich abgestürzt und prostituieren sich. Ein nicht nur hässlicher, sondern auch gefährlicher Job, denn in den besonders dunklen Nächten geht ein Mörder um: „Der Elbenschlächter“, der die schönen Jungen auf sehr schmerzhafte Weise tötet und sie ausbluten lässt. Als das Gerücht in Umlauf kommt, Vampire könnten die Elben getötet haben, weil sie mit Tierblut und Medikamenten nun einmal doch nicht zu bändigen sind, und bürgerkriegsähnliche Zustände drohen, müssen die Profis ran: Der rustikale Troll Jorge und der feingeistige Magier Hippolit ermitteln.
Ihre Elben müssen sich als Strichjungen verkaufen, bevor sie ermordet werden. Warum lassen Sie sie so unter die Räder kommen?
Jens Schumacher: Elben sind meistens ätherische, ewig singende und tanzende Gestalten in Strumpfhosen. Ich hatte schon immer den Eindruck, dass sie eigentlich schwul sein müssten. So sind wir dann auf die Strichjungen gekommen (lacht).
Jens Lossau: Oder, um es mal ernsthaft zu sagen (lacht auch): Wir versuchen, den Klischees des Fantasy-Genres aus dem Weg zu gehen und das Gegenteil von dem zu machen, was sonst für spezielle Archetypen bekannt ist.
Fantasy ist oft eine eher humorfreie Zone. Warum ist das bei Ihnen anders?
Lossau: Unser Hauptansatz war nicht, auf Teufel komm raus humoristisch zu sein. Uns ging es erst mal darum, einen Mix aus Krimi und Fantasy zu schreiben. Dass das Ganze dann auch witzig geworden ist, liegt daran, dass wir zu zweit schreiben. Wir schicken uns die Textpassagen gegenseitig zu und denken uns Ereignisse und Sprüche aus, von denen wir glauben, dass sie dem anderen Spaß machen.
Wie sind Sie auf die Idee zum „Elbenschlächter“ gekommen?
Lossau: Nachdem klar war, dass es ein Fantasy-Thriller sein soll, war der „Elbenschlächter“ ziemlich schnell aus dem Nichts da, ein bisschen mit Verbindungen zum London des 18. Jahrhunderts, zu Jack the Ripper, da sind wir beide schon immer ziemlich drauf abgefahren – mein Gott, was für eine Grammatik ...
Schumacher: Vor allem hast du 18. statt 19. Jahrhundert gesagt.
Lossau: Ich glaube trotzdem, dass klar ist, was ich sagen wollte.
Jack the Ripper ist angekommen.
Lossau: Das finde ich gut, das war auch das Einzige, was verstanden werden sollte. Viktorianisches London, Jack the Ripper – das waren die Stichworte, mit denen wir gespielt haben. Das war am Telefon, und nach zwei Stunden hatten wir uns den kompletten „Elbenschlächter“ erzählt.
Es tritt ein recht ungewöhnliches Ermittlerpaar auf: der Troll Jorge, ein kompakter Hüne, der ganze Schweine frisst, Bier in sich hineinschüttet und Prügeleien schätzt; und der weise Magier Hippolit, der nach einer verunglückten Verjüngungsoperation wie 15 aussieht. Ist jeder von Ihnen für einen von beiden zuständig?
Lossau: Überwiegend ist das so, manchmal tauschen wir die Figuren aber auch untereinander aus.
Wer ist für wen zuständig?
Lossau: Müssen wir das verraten?
Klar.
Lossau: Na ja, ok. Da ich eher in die Trollrichtung gehe, bin ich der gemütliche Jorge-Typ. Ich habe ihn weitgehend übernommen, während Kollege Schumacher, cholerisch, wie er ist, blasshäutig und 15-jährig für Hippolit zuständig ist.
Was reizt Sie an Jorge?
Lossau: Er ist auf den ersten Blick ein wahnsinniger Unsympath – und ich mag Gestalten, die erst mal rüde daherkommen, aber in Wirklichkeit ein großes Herz haben und eigentlich ganz liebe, harmlose Typen sind. – Wolltest du was sagen?
Schumacher: Nein, ich habe nur so fasziniert genickt, weil du dich selbst beschrieben hast. Und Hippolit ist die Gegenfigur, ein rationaler Typ mit großer beruflicher und persönlicher Erfahrung, der aber auf Jorges physische Präsenz zurückgreifen muss, weil er wie ein 15-jähriges Bürschchen aussieht.
"Der Elbenschlächter" hat nicht nur einen martialischen Titel, sondern auch einige Szenen, die nicht unbedingt für Jugendliche geeignet sind. Warum sind Sie nicht auf den zurzeit sehr erfolgreichen All-Age-Zug aufgesprungen?
Lossau: Wir wollten dieses Mal ein Buch für Männer schreiben, die Bier trinken ...
Schumacher: Ich habe in den letzten Jahren überwiegend Jugendbücher geschrieben, und ich wollte einfach mal wieder Köpfe abhacken und Blut spritzen lassen (ja, doch: Er lacht).
Sie wollten also mal ein richtiges Männerbuch schreiben.
Schumacher: Die Vorgabe war nicht, dass die Geschichte männerkompatibel sein muss. Das hat sich dadurch ergeben, dass wir nun mal zwei Männer mit etwas krudem Humor sind. Ich glaube aber auch, dass das Resultat unisexmäßig lesbar ist. Im nächsten Band kommen dann natürlich auch erstens überhaupt Frauen und zweitens starke Frauen vor.
Jens Lossau und Jens Schumacher, beide geboren 1974, kennen sich seit der Grundschule. Seit Mitte der 90er Jahre veröffentlichen sie zusammen und solo in unterschiedlichen Genres. Insbesondere mit ihrer Regionalkrimi-Reihe um die beiden chaotischen Sonderermittler Grosch und Passfeller haben sie sich einen Ruf als „Punks der Literaturszene“ erworben, den sie mit ihrer neuen Fantasy-Reihe ausbauen wollen. „Der Elbenschlächter“ ist deren erster Band.
Sabine Schmidt
| Titel | |
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Jens Lossau / Jens Schumacher Der Elbenschlächter Lyx - 9,95 € (D) / 10.30 € (A) / 18,60 sFr. Format: 320 S. ISBN: 978-3802582578 Bestellen |
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