Ratgeber

Her mit der Schürze!

03.08.2010Die besten Ratgeber für die Grillparty

Her mit der Schürze!

Der Sommer ist noch längst nicht vorüber. Deshalb heißt es, egal ob auf dem Balkon oder draußen im Park: Ran an den Grill! Mit den folgenden Ratgebern bestehen Sie jede Feuerprobe.  

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Her mit der Schürze, ran an den Rost: Sei es jwd, verbotenerweise im Stadtpark, trotz Nachbarschaftsstreit auf dem Balkon oder ganz gesetzestreu im eigenen Gärtchen – Grillen bleibt die aufregendste Art der Nahrungszubereitung. Der Rauch muss eingedämmt, die Glut erhalten, die Würzmischung aufgetragen werden und, und, und. Alles irgendwie immer noch Männersache. Bricht sich bei der fleischlastigen Prozedur gar ein steinzeitlicher Après-Jagd-Impuls Bahn? Gemahnt der Funkenflug an cowboyhaft-coole Einsamkeit oder reanimiert er bloß den jungenhaften Stolz auf tapfere Nachtwachen im Pfadfinderlager?

Egal, ein offenes Feuer braucht es heutzutage nicht mehr zur Feier von Virilität: Sonst wären die Gerichte, die Ross Dobson in "Fired up" (Untertitel: "Kochbuch für Männer"!) präsentiert, wohl kaum fürs Gasgerät konzipiert. Der Australier plaudert appetitanregend über Biowachteln mit Erdnüssen, Miesmuscheln in Lime-Pickle-Butter und ähnlich unkomplizierte Hochgenüsse; Strandfotos tun ein Übriges fürs sommerliche Easy-Living-Gefühl.

Halt, muss nicht auch irgendwer aufmerksam das Gargut überwachen? Dass Barbecue mehr meint als Herumfläzen in Liegestühlen, enthüllt schonungslos der Band "Grillen wie die Weltmeister", schließlich bündelt er die besten Rezepte des deutschen Grillsportvereins. Ob die Mitgliedschaft einem ähnlich üppige Bonuspunkte bei der Krankenkasse einbringt wie der Fitnessclub?

Genug gelästert: Wer sich schweißtreibendere Ertüchtigungen vorstellen kann, als Würstchen zu wenden, sei daran erinnert, dass die Vokabel "Sport" im ursprünglichen Wortsinn Zeitvertreib sowie Vergnügen bedeutet. Und Letzteres kann rund um den Bratrost
schier grenzenlos sein, wie Johann Lafer mit gewohntem Gourmet-Anspruch behauptet: "Mein Grillbuch“ überzeugt mit dem Versuch, das Outdoor-Brutzeln als Ereignis für wirklich jedweden Anlass zu etablieren – vom eleganten Gala-Event inklusive Tafelsilber bis zur Spontan-Aktion mit Überraschungsgästen.

Letzte Machbarkeitszweifel bleiben: Barbecue im Winter und draußen?!? Gewöhnungsbedürftig, obwohl der saisongerechte Bratapfel bestimmt vorzüglich mundet, zumal bei Minusgraden Mutter Natur das dazugehörige Vanilleeis kühlt. Noch vor der nächsten Frostperiode könnte mal ein Candle-Light-Grillen stattfinden, das der Spitzenkoch ebenfalls anpreist – und zwar als "Romantik in ihrer reinsten Form“. Einspruch! Wie, bitte schön, vereinbart man ein verliebtes Einander-in-die-Augen-Schauen mit dem Sicherheitshinweis, die bestückte Hitzequelle niemals alleine zu lassen?

Mit einer Entschärfung dieser Problemlage wartet Jamie Purviance auf: Als nützliches Profi-Instrument stellt der Amerikaner ein Funkthermometer vor, das die Fleischtemperatur überwacht – und bei erreichter Wunschwärme einen Empfänger zum Piepsen bringt. Der Titel – „Weber’s Grillbibel“ – gibt sich einen religiösen Anstrich, innendrin gibt’s dann aber ein profanes Credo: "Ja, im Detail liegt der Erfolg!“ Konsequenterweise machen exakte Instruktionen die Stärke des Buchs aus: Schritt-für-Schritt-Fotografien zeigen beispielsweise, wie man ein – im Durchschnitt tatsächlich rund 800 Gramm wiegendes – Porterhouse-Steak tranchiert oder die Tofuscheiben einpinselt, damit sie sich später unverbrannt zum Möhren-Cashew-Salat gesellen können. Hauptsache, alles gelingt perfekt. Eine Haltung, die meist mit vorangeschrittenem Alter einhergeht. Doch auch wer jung ist, spielt gern mit dem Feuer – und bevorzugt beim gemeinschaftlichen Gekokel wahrscheinlich eher die sachlich-stylishe Optik von „Open Air“. Ein paar Fettspritzer auf dem Cover wären hier kein Sakrileg.

Selbst Einsteiger an ein pannenfreies BBQ-Behagen heranzuführen hat sich auch Susanne Fischer-Rizzi vorgenommen – doch die Mission der Heilpraktikerin reicht weit darüber hinaus: In „Wilde Küche“ plädiert sie mit Inbrunst für ein kulinarisches Zurück zur Natur. Ihr Versprechen: Fernab von Autobahnen und „seelenlosen“ Mikrowellengeräten verhelfen uns Feuerstellen, errichtet unter der „Himmelsdecke“, zu Auszeiten von der Zivilisation sowie mehrdimensionalen Sinneserlebnissen. Na dann, schnell raus und auf nach jwd!?

Auf jeden Fall dürfte es sich lohnen, der Autorin bei den originellen Speisenvorschlägen nachzueifern. An Ort und Stelle gesammelte Wildkräuter und -beeren tragen neben Geschmacksfülle auch Vitamine und Mineralstoffe bei – und ergeben gesunde Leckerbissen wie etwa gefüllte Zwiebeln mit gedünstetem Giersch, Eichelfladen mit Holunder oder Brennnesselchips, die kross von den Vorzügen dieser ansonsten heimtückischen Pflanze künden.

Die wichtigste aller Fragen wird indes nirgendwo geklärt: Wie verhindere ich bloß einen zerstörerischen Platzregen? Trotzdem: Gut Glut allerseits!

Andrea Rinnert

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