Krimi

Mörderisches Paradies

10.09.2010Die Buchjournal-Krimitipps für den September

Mörderisches Paradies

Gehen Sie mit uns auf Verbrecherjagd – zum Beispiel nach Kalifornien: Don Winslows toller Surfer-Krimi "Pacific Paradise“ ist nicht nur spannend, sondern bringt Ihnen auch den Sommer zurück. Und auch bei den anderen Krimis, die wir für Sie herausgesucht haben, wird Ihnen garantiert nicht langweilig.

Schlagworte:

Don Winslow: „Pacific Paradise“. Suhrkamp

Boone Daniels ist Ex-Polizist und Surfer aus Leidenschaft. Ansonsten hält er sich als Privatdetektiv in San Diego eher schlecht als recht über Wasser. Jeden Morgen trifft sich Boone mit seinen Kumpels, um die ersten Wellen zu reiten und in Baywatch-Manier Surfer in Seenot zu retten. Das coole Leben hat ein Ende, als Surf­legende K2 vor einer Kneipe erschlagen wird. Boone soll die Motive der Tat ermitteln und macht sich damit nur Feinde, denn er muss im Kreis der eigenen Freunde ermitteln. Doch damit nicht genug: Im Rahmen eines an sich harmlosen Auftrags eines Surferkollegen, die Ehefrau beim Seitensprung zu erwischen, kommt Boone tödlichen Machenschaften einer Immobilienmafia auf die Spur. Nach „Pacific Private“ unter­streicht Winslow seine Klasse als Thrillerautor, der die ­Leser mit spannenden Storys und cool-ironischem Ton überzeugt. bai

 

Dominique Manotti: "Letzte Schicht". Argument Hamburg

"Dies ist ein Roman. Alles ist Wahrheit, alles ist Lüge", schickt die Französin Dominique Manotti ihrem jenseits von Deutschland 2006 erstveröffentlichten Roman als "Warnung“ voraus. Das ist natürlich eine klug lancierte Finte. Denn nachrichtlicher Kern und dramaturgischer Ausgangspunkt dieses spannenden Sozialthrillers bestehen aus nichts als der Wahrheit. Und die ist auf dem weiten Feld der Wirtschaftskriminalität erschütternd genug, um kaum verbrämt in Belle­tristik umgemünzt zu werden. Es geht um die Privatisierung des Rüstungs- und Elektronikkonzerns Thomson, um die Übernahmeschlacht zwischen Alcatel und Matra-­Daewoo – und um die Verlotterung aller moralischen Standards. Lange vor der jüngsten Wirtschaftskrise hat Manotti ein frappierendes Lehrstück über die Verderbtheit und Inhumanität der Managerkaste geschrieben. Dass wenigstens ihr mit der Aufdeckung von dubiosen Betriebsunfällen betrauter Detektiv Montoya leidlich integer ist, beruhigt nicht in diesem beklemmenden Ökonomie-Thriller. wer

 

Patricia Cornwell: „Scarpetta Factor“. Hoffmann und Campe

Dass Patricia Cornwell nicht zimperlich ist, zeigt auch ihr 17. Fall um die Pathologin Kay Scarpetta. Das Buch beweist in teils widerwärtigen Vivisektionen die Evidenz der barocken Binsenweisheit, wir seien mitten im Leben vom Tode umfangen: Auch dieser Thriller, der von einem Taximörder, einer abgängigen Millionenerbin und von telegenem Exhibitionismus handelt, wirft die Frage auf, warum sich Krimifans so morbiden Stoff so mörderisch gern antun. Stichhaltige Erklärung: Wann immer Scarpetta zum klärenden Schnitt ausholt, schwingt des Lesers Lust mit, noch mal davongekommen zu sein. In einer auf Sensation geeichten Mediengesellschaft stellt die formvollendete Öffnung einer Leiche womöglich das letzte Menschheitsabenteuer dar: die Eröffnung eines Dialogs mit den Toten. Dieser Tabubruch gelingt in Cornwells Romanen plas­tischer als im Fernsehen. wer
 

Pablo Tusset: „Sakamura, Corrales und die lachenden Leichen“. Frankfurter Verlagsanstalt

Katalanische, baskische und alle anderen Politiker sind saufende Sesselfurzer und Nasenbohrer. Quallen töten Touristen, oder nicht? Nebenbei stöckelt Agentin 69 so sexy daher wie keine andere Frau auf der Iberischen Halbinsel. Und sämtliche Regionen, zumal in Krisenzeiten, vereint nur eins: herzlicher Hass. Pablo Tusset hat mit seinem Krimi ein Fanal der Fantasie hingelegt  – ein spanisches Spottpourri sondergleichen. Da wirken unaussprechliche Separatisten, sie entführen eine Sprachmaschine und beleidigen die durchgeknallte Königin. Fulminant ist vor allem eine Figur: Inspektor Sakamura, der japanische Zenmeister von Interpol. Achtung, der arrangiert alle Blumen, Bösewichte und Basken neu, Feng-Shui ist nichts dagegen. Tusset hat das Kultbuch geschrieben, noch bevor die spanischen Fußballer den WM-Titel holten. Dem Mann mit dem Wahnsinnswitz gebührt ebenso der Weltmeistertitel. Costa Brava bravissimo! pms
 

Kommentar schreiben

Wir bitten um sachliche Kommentare zum Thema.

Ihr Kommentar

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination. TIPP: Zwischen Klein- und Großbuchstaben müssen Sie nicht unterscheiden.

Anzeige