Krimi

Wulf Dorn: Tiefer Blick ins Seelenleben© Wulf Dorn
Foto: Frank Riederle

10.09.2010

Wulf Dorn: Tiefer Blick ins Seelenleben

Wulf Dorn ist der Shootingstar der Thrillerszene, dessen Bücher "Trigger" und "Kalte Stille" mit subtilem Horror überzeugen. Der Autor ist ein Mann der leisen Töne, der die dörfliche Ruhe schätzt. Wir haben Dorn in seiner Heimat in der Nähe von Ulm besucht.

Schlagworte:

Wenn Wulf Dorn an die Frankfurter Buchmesse im vergangenen Herbst denkt, schüttelt er immer noch ungläubig den Kopf. Wenige Tage zuvor war sein ers­ter Thriller "Trigger“ erschienen, und der Verlag wollte seinen neuen Autor bei der Messe präsentieren. „Ich stieg in Frankfurt aus dem Zug und blickte auf eine dieser ­City-Light-Kästen mit Werbung für den neuen Thriller von Frank Schätzing“, erinnert sich Dorn. „Danach kam irgendeine andere Reklame und plötzlich war ein Bild von mir und meinem Buch zu sehen – irre.“

Der 40-Jährige, der ein wenig an den jungen David Bowie erinnert, blinzelt in die Sonne und nippt an der Kaffeetasse. Auch acht Monate später und wenige Wochen bevor sein zweiter Thriller „Kalte Stille“ erscheint, wirkt Dorn noch immer wie einer, der sechs Richtige im Lotto gezogen hat und es immer noch nicht so recht fassen kann.

Dabei ist die Blitzkarriere zum Bestsellerautor nur ein Baustein des Glücks, das der jugendlich wirkende Blondschopf genießt. Der zweite ist das Traumhäuschen in einem Dorf in der Nähe von Ulm, in das er und seine Frau gezogen sind und wo Dorn im idyllischen Obstgarten gerade die Sommersonne genießt. Außerdem freut er sich über seinen neuen Teilzeitberuf als Schriftsteller. Doch was heißt schon neuer Beruf. „Ich schreibe, seit ich zwölf bin, nur werden meine Bücher jetzt gelesen und ich bekomme für meine Arbeit Geld.“

Jahrelang schrieb er abends nach der Arbeit und am Wochenende: Romane, Erzählungen, Fantasy- und Horrorgeschichten, wovon einige in diversen Anthologien sogar veröffentlicht wurden. „Außerdem“, bemerkt er grinsend, „habe ich noch sechs Romane in der Schublade liegen.“

Gut möglich, dass Dorn seine Karriere Andreas Eschbach zu verdanken hat. Vor Jahren hatte D0rn Kontakt zum Bestsellerautor („Das Jesus-Video“) aufgenommen. Man traf sich, plauderte, freundete sich an und schließlich bekam Eschbach auch Dorns Texte zu lesen. Er war begeistert und empfahl ihn gleich an einen Literatur­agenten weiter. Dieser erkannte ebenfalls Dorns Qualitäten und überzeugte ihn, einen Psychiatrie-Thriller zu schreiben, um bei einem renommierten Verlag zu reüssieren – ein halbes Jahr später war „Trigger“ fertig.

„Dann ging alles ganz schnell“, erinnert sich Dorn. „Es boten gleich mehrere Verlage um das Buch und Heyne bekam den Zuschlag.“ Der gelernte Industriekaufmann und Fremdsprachenkorrespondent, der seit 16 Jahren in einer psychiatrischen Klinik arbeitet, hatte erreicht, wovon Tausende Freizeitautoren träumen.

Trotz Bestsellerrummel und Lesereisen  durch die Republik bleibt Wulf Dorn bodenständig und am liebsten anonym. Er liebt die Ruhe der Schwäbischen Alb, wo er geboren wurde und die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat. Selbst in der Nachbarschaft wissen nur wenige, dass der sportliche Typ, der mit einem alten offenen Mazda-MX5-Roadster durch die Gegend fährt und am Wochenende mit seiner Frau gern Wanderungen auf die Alb oder ins nahe Donautal unternimmt, einer der bes­ten deutschsprachigen Thrillerautoren ist. „Mein Leben soll so weitergehen wie bisher – ganz normal.“

Dazu gehört auch das allmonatliche Treffen mit Autorenkollegen wie Thomas Thiemeyer, Rainer Wek­werth und Nina Blazon in Stuttgart, dem  „Club der fetten Dichter“. „Nicht weil wir besonders füllig wären, sondern weil wir uns in einem Steakhouse treffen und dabei viel fettes Fleisch verzehren“, sagt Dorn und lacht. Auch seinen Job in der Psychiatrie, wo er Patienten betreut, die in den Arbeitsalltag zurückkehren sollen, will er nicht an den Nagel hängen. Allerdings arbeitet Dorn nur noch drei Tage die Woche, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben. „Der Job macht mir immer noch Spaß und außerdem: Wer weiß, wie lange die Leute meine Bücher lesen wollen.“

Nicht zuletzt bietet ihm der Klinikjob Anregungen für seine Bücher: „Trigger“ und „Kalte Stille“ blicken tief in die menschliche Psyche, verarbeiten kenntnisreich und hoch spannend viel Wissen um unser kompliziertes Seelenleben, um verdrängte traumatische Erlebnisse. „Mich interessiert, was die Psyche mit einem Menschen machen kann.“

Wie auch in Dorns neuem Buch „Kalte Stille“: Der Psychiater Jan Forstner leidet seit 23 Jahren unter dem spurlosen Verschwinden seines damals sechsjährigen jüngeren Bruders und unter dem Unfalltod seines Vaters in derselben Nacht. Als Klinikarzt kehrt Forstner in seine Heimatstadt zurück und kommt den Gespenstern der Vergangenheit und den damals geschehenen Verbrechen auf die Spur.

Dorns Thriller überzeugen mit einer Stimmung unterschwelliger Bedrohung und subtilem Horror, kommen aber ohne jene offene Brutalität aus, mit denen andere Thrillerautoren Leser gewinnen. „Gewalttätige Szenen, die Horror und Ekel erzeugen sollen, sind überhaupt nicht mein Ding“, betont Dorn.

Stilistisch, sprachlich und dramaturgisch sind seine Thriller von hoher Qualität – ein Ergebnis seines Schreibtalents und disziplinierter Arbeit. An Schreibtagen steht Dorn morgens um sechs Uhr auf und setzt sich nach dem Frühstück an den Computer. „Ich bin ein Morgenmensch und arbeite, wenn es gut läuft, bis zum Mittag durch.“

Auch sein Schreiben folgt einem genauen Plan: „Ich kann nicht einfach ins Blaue fabulieren, sondern habe ein genaues Gerüst der Handlung und der Personen, die vorkommen, vor mir.“ Die Inspiration für seine Storys holt sich Dorn im Alltag: „Ich bin der Beobachter-Typ, der mit Notizbuch und Diktiergerät im Café sitzt.“ Thriller Nummer drei, so viel will Dorn verraten, wird schon im nächs­ten Jahr erscheinen

Eckart Baier

Kommentar schreiben

Wir bitten um sachliche Kommentare zum Thema.

Ihr Kommentar

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination. TIPP: Zwischen Klein- und Großbuchstaben müssen Sie nicht unterscheiden.

Anzeige