Literatur-Nachrichten

Nádas verlässt Berlin Verlag

Der ungarische Schriftsteller Péter Nádas wechselt mit seinem neuen Roman zum Rowohlt Verlag. Das in der Übersetzung mehr als 1600 Seiten umfassende Werk „Parallelgeschichten“, ein aus drei Teilen bestehendes Panorama des 20. Jahrhunderts mit Berlin und Budapest als Knotenpunkten, soll in Reinbek im Frühjahr 2012 erscheinen.

Damit kehrt Nádas zu seinem früheren deutschen Verlag zurück. Im Original ist das Buch 2005 herausgekommen.

Rowohlt hat die bereits vorliegende Übersetzung von Christina Viragh, an der diese seit mehreren Jahren arbeitet, übernommen. Auch der bisherige Lektor Delf Schmidt arbeitet weiter an dem Buch – nun für Rowohlt, zugleich behält er seinen Vertrag als freier Mitarbeiter des Berlin Verlags, für den er auch weiterhin Autoren betreut. Nádas war wie sein damaliger Lektor Schmidt und eine Reihe anderer Autoren vor über zehn Jahren von Rowohlt weggegangen, nachdem dort die Berater von McKinsey Einzug gehalten hatten. Später trafen sich der Autor und sein Lektor beim Berlin Verlag wieder.

„Parallelgeschichten“ sollte ursprünglich im Herbst dieses Jahres gemeinsam mit der französischen und englischen Übersetzung auch auf Deutsch erscheinen. Aufgrund des Verlagswechsels ist der ehrgeizige Plan jedoch hinfällig. Gut die Hälfte des Buches muss noch lektoriert werden. Geplant ist außerdem ein umfangreicher Begleitband mit Materialien und Interviews.

Nachdem sich die Mitgründerin des Berlin Verlags, Elisabeth Ruge, vor einigen Wochen als Reaktion auf die neue, zentralistisch orientierte Geschäftspolitik des Mutterhauses Bloomsbury zurückgezogen hatte, war schon längere Zeit darüber spekuliert worden, ob auch Autoren den durch Ruge entscheidend geprägten Verlag verlassen würden. Nádas ist nun der erste, ob ihm weitere folgen, etwa Ingo Schulze, ist offen.

Birgit Schmitz, die jetzt für das Programm des Berlin Verlags verantwortlich ist, wird dies zu verhindern suchen. Auf der London Book Fair jedenfalls war eine selbstbewusste junge Frau zu erleben.

Bloomsbury-Chef Nigel Newton erklärte derweil in die britische Hauptstadt eingeladenen deutschen Journalisten, dass der deutsche Zweig des Unternehmens nicht geschwächt, sondern gestärkt werden soll:  „Wir suchen den deutschen Stieg Larsson, den deutschen Henning Mankell.“ Das scheint auf einen Ausbau des deutschen Bloomsbury-Programms, für das Dorothee Griesebach zuständig ist, hinzudeuten.  Damit ist jedoch nicht viel darüber gesagt, wie es tatsächlich weitergeht beim Berlin Verlag, welchen Platz dort künftig die Autoren haben, deren Bücher nicht weltweit vermarktet werden können.

hh

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