Kolumnen

02.09.2011Dunkelkammer – Die Krimikolumne

Walter Mosleys "Manhattan Karma"

Leonid McGill ist ein Typ mit dunkler Vergangenheit – und ein bemerkenswerter neuer Serienheld des US-Amerikaners Walter Mosley. Eine Empfehlung von Buchjournal-Krimiexperte Tobias Gohlis.

Schlagworte:

Es ist hart, schwarz zu sein. Selbst dann, wenn der Präsident ein Schwarzer ist. Es ist hart, Privatdetektiv zu sein, und noch härter, wenn einer ein schwarzer Privatdetektiv ist, der sich vorgenommen hat, so wenig wie möglich falsch und manches wiedergutzumachen. Das ist Leonid McGill, Sohn eines kommunistischen Gewerkschafters, gebildeter Boxer, Kerl voller Widersprüche.

Walter Mosley, geboren 1952 in Los Angeles, ist einer der profiliertesten afroamerikanischen Autoren. Berühmt gemacht hat ihn seine Serie um den Schul-Hausmeister und Privatdetektiv wider Willen Easy Rawlins. Er ist der Held in neun Kriminalromanen, in denen Mosley ein historisches Porträt  seiner Geburtsstadt entworfen hat. Ein Buch dieser Serie, „Teufel in Blau“, wurde mit Denzel Washington verfilmt.

Mosley variiert immer einen Heldentyp. Er ist schwarz, kennt Gewalt, kann sie aus-üben, sucht aber jetzt nach dem Richtigen im Leben. McGill, Protagonist seiner neuen bisher dreibändigen Serie, deren ersten Band wir jetzt mit „Manhattan Karma“ in der Hand halten, hat früher die Drecksarbeit für New Yorker Gangster gemacht. Bis eine junge Frau mit dem Spitznamen Karma sich dafür rächen wollte, dass McGill ihren Vater mit untergeschobenen Beweisen sowohl in den Knast als auch den Tod gebracht hatte. Sie starb fluchend in McGills Armen, seitdem versucht er, „den Weg zurückzugehen“. Karma taucht in dem Roman, dem sie den deutschen Titel gegeben hat (er ist im Original 2010 als „The Long Fall“ erschienen), nicht weiter auf.

McGill hat alle Hände voll zu tun und braucht all seine Erfahrung, um sich aus den Fallen zu winden, in denen er steckt. Zum einen hat er die Familie zu ernähren, eine luxussüchtige Frau mit Faible für reiche Männer und einer Zahl Kinder, deren Vater er meist nicht ist. Zum anderen muss er seinen Sohn, der ein Talent zum Verbrecher hat, von einem Mordanschlag abhalten, dessen Motive nur allzu gerechtfertigt scheinen. Und dann hat McGill noch im Auftrag eines Unbekannten vier Männer aufgespürt, die in ihrer Jugend eine Bande waren. Kurz nachdem McGill sie gefunden hat, werden sie von einem Monster von Kerl umgebracht, McGill kommt selbst in die Schusslinie der Polizeiermittlungen.

Dieser Fall läuft nach den Mustern der alten kalifornischen Detektiverzählungen ab. Der Privatmann McGill muss, weniger seinen Auftraggebern als sich selbst treu, seine Weste sauber halten. Nebenjobs dienen zur Finanzierung der Familie. Kabbeleien mit blöden und weniger blöden Polizisten, die Suche nach dem verrotteten Blut und den Erbsünden der upper ten – kalifornische Bilderinnerungen an Raymond Chandler und Ross MacDonald mischen sich mit Szenen am Hudson River.

Der Teil der Handlung, der sich an die alten Detektivromane anlehnt, ist der schwächere. Stark und absolut lesenswert sind die Passagen, in denen McGill sich durch die Realität seiner Gegenwart schlägt, um seinen Sohn vor der Gewaltfalle zu bewahren. Glänzend: Mosleys Skulptur des schwarzen amerikanischen Mannes zwischen Kraft, Stolz und Selbstzweifel.

Tobias Gohlis ist Sprecher der KrimiZeit-Bestenliste.

Titel
Walter Mosley. Übersetzt von Kristian Lutze
Manhattan Karma. Ein Leonid-McGill-Roman
Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-46255-3
Bestellen

Kommentar schreiben

Wir bitten um sachliche Kommentare zum Thema.

Ihr Kommentar

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination. TIPP: Zwischen Klein- und Großbuchstaben müssen Sie nicht unterscheiden.

Anzeige