Krimi

Seehundblutsuppe, bitte!

16.01.2012Drei Krimiempfehlungen

Seehundblutsuppe, bitte!

Zum aktuellen Frostwetter in Deutschland passt der fulminante Thriller "Im Eis" von Melanie McGrath, bei der eine Inuit-Frau mit merkwürdigen kulinarischen Vorlieben die Hauptrolle spielt. Weitere passende Empfehlungen: Ragnar Jónassons Krimi "Schneebraut" und Didier Daeninckx eiskalter Thriller "Tod auf Bewährung".


Melanie McGrath: "Im Eis" (Kindler)
Vergessen Sie das exorbitant gute Gespür für Schnee einer gewissen  Smilla; jetzt kommt eine Inuit-Frau namens Edie Kiglatuk literarisch groß raus. Diese wenig damenhafte Person leitet eine frostige bis fatale Polarexpedition, bei der ein deutscher Teilnehmer unter dubiosen Umständen ums Leben kommt. Abgesehen von dem wunderbar unterkühlt dargebotenen Plot ist vor allem die Figur der Edie ein Ereignis: Sie ist ziemlich stark am Alkohol interessiert, rhetorisch harsch bis barsch, ihre Lieblingsspeise: Seehundblutsuppe, ihre kuriosen Steckenpferde: alte Filme und Ohrenschmuck aus Knochen. Ein origineller, eindrucksvoller und erstaunlich martialischer Charakter ist zu besichtigen. Eine Figur, die eine ideale Führerin ist zwischen hysterischen Wissenschaftlern, korrupten Polizisten und gierigen Öljägern. Dazu gibt es Landschaft, Landschaft, Landschaft. Melanie McGrath hat vor fünf Jahren in Gestalt eines Sachbuchs das Fundament für diesen fulminanten Roman gelegt. Hendrik Werner

Ragnar Jónasson: "Schneebraut" (Scherz)
Als Buchmesse-Gastland hat Island die Besucher bezaubert. Einen Einblick, wie es sich lebt im Land der Sagas und Naturwunder, verschafft Ragnar Jónassons Thriller „Schneebraut“. Schauplatz ist ein Fischerstädtchen im Norden, das über Land nur durch einen Tunnel zu erreichen ist, den Schneemassen langsam, aber sicher verstopfen. Jungpolizist Ari, der unter Klaustrophobie und einer Fernbeziehung leidet, hat in dieser Abgeschiedenheit seinen ers­ten Einsatz. Er glaubt, es mit Verkehrssündern zu tun zu bekommen. Doch dann fällt ein greiser Schriftsteller die Treppe herunter – Unfall oder Mord? Und im blutrot verfärbten Schnee liegt dann auch noch eine sterbende Frau. Ari muss tief in die Vergangenheit des Dorfs eintauchen, um des Rätsels Lösung zu finden. Autor und Jurist Jónasson übersetzt auch Agatha-Christie-Krimis – was seinem Roman zugutekommt. Jutta Ochs

Didier Daeninckx: "Tod auf Bewährung" (Liebeskind)
Einer der anregendsten Thrillerautoren der jünge­ren Zeit ist der Franzose Didier Daeninckx, dessen „Tod auf Bewährung“ in Frankreich bereits 1984 erschienen ist. Der  Privatdetektiv René Griffon lebt wild, abenteuerlich und gefährlich im Paris zwischen den Weltkriegen. Der Ex-Frontsoldat, dessen Zynismus biografischen Verletzungen geschuldet ist, wird mit seinen Traumata konfrontiert, als ihn ein Kriegsheld mit einer Mission betraut. Doch was  harmlos scheint, mündet in Morde, soziale Abgründe – und in ein Wiedersehen mit jenen Schlachtfeldern, die der Protagonist gern verdrängen würde. Daeninckx schreibt so cool, wie es Griffon gern wäre. Zwar durchwirken psychologische Themen seinen Plot, ohne indes plakativ platziert zu werden. Umso nachhaltiger ist das Grauen, das zwischen den Zeilen ruchbar wird. Hendrik Werner

Titel
Melanie McGrath
Im Eis
Kindler - 19,95 €
Format: 464 S.
ISBN: 978-3-463-40594-0
Bestellen
Ragnar Jónasson
Schneebraut
Scherz - 14,95 €
Format: 368 S.
ISBN: 978-3-651-00022-3
Bestellen
Didier Daeninckx
Tod auf Bewährung
Liebeskind - 18,90 €
Format: 272 S.
ISBN: 978-3-935890-83-0
Bestellen

Kommentar schreiben

Wir bitten um sachliche Kommentare zum Thema.

Ihr Kommentar

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination. TIPP: Zwischen Klein- und Großbuchstaben müssen Sie nicht unterscheiden.

Anzeige