Krimi
Melanie McGrath: "Im Eis" (Kindler)
Vergessen Sie das exorbitant gute Gespür für Schnee einer gewissen Smilla; jetzt kommt eine Inuit-Frau namens Edie Kiglatuk literarisch groß raus. Diese wenig damenhafte Person leitet eine frostige bis fatale Polarexpedition, bei der ein deutscher Teilnehmer unter dubiosen Umständen ums Leben kommt. Abgesehen von dem wunderbar unterkühlt dargebotenen Plot ist vor allem die Figur der Edie ein Ereignis: Sie ist ziemlich stark am Alkohol interessiert, rhetorisch harsch bis barsch, ihre Lieblingsspeise: Seehundblutsuppe, ihre kuriosen Steckenpferde: alte Filme und Ohrenschmuck aus Knochen. Ein origineller, eindrucksvoller und erstaunlich martialischer Charakter ist zu besichtigen. Eine Figur, die eine ideale Führerin ist zwischen hysterischen Wissenschaftlern, korrupten Polizisten und gierigen Öljägern. Dazu gibt es Landschaft, Landschaft, Landschaft. Melanie McGrath hat vor fünf Jahren in Gestalt eines Sachbuchs das Fundament für diesen fulminanten Roman gelegt. Hendrik Werner
Ragnar Jónasson: "Schneebraut" (Scherz)
Als Buchmesse-Gastland hat Island die Besucher bezaubert. Einen Einblick, wie es sich lebt im Land der Sagas und Naturwunder, verschafft Ragnar Jónassons Thriller „Schneebraut“. Schauplatz ist ein Fischerstädtchen im Norden, das über Land nur durch einen Tunnel zu erreichen ist, den Schneemassen langsam, aber sicher verstopfen. Jungpolizist Ari, der unter Klaustrophobie und einer Fernbeziehung leidet, hat in dieser Abgeschiedenheit seinen ersten Einsatz. Er glaubt, es mit Verkehrssündern zu tun zu bekommen. Doch dann fällt ein greiser Schriftsteller die Treppe herunter – Unfall oder Mord? Und im blutrot verfärbten Schnee liegt dann auch noch eine sterbende Frau. Ari muss tief in die Vergangenheit des Dorfs eintauchen, um des Rätsels Lösung zu finden. Autor und Jurist Jónasson übersetzt auch Agatha-Christie-Krimis – was seinem Roman zugutekommt. Jutta Ochs
Didier Daeninckx: "Tod auf Bewährung" (Liebeskind)
Einer der anregendsten Thrillerautoren der jüngeren Zeit ist der Franzose Didier Daeninckx, dessen „Tod auf Bewährung“ in Frankreich bereits 1984 erschienen ist. Der Privatdetektiv René Griffon lebt wild, abenteuerlich und gefährlich im Paris zwischen den Weltkriegen. Der Ex-Frontsoldat, dessen Zynismus biografischen Verletzungen geschuldet ist, wird mit seinen Traumata konfrontiert, als ihn ein Kriegsheld mit einer Mission betraut. Doch was harmlos scheint, mündet in Morde, soziale Abgründe – und in ein Wiedersehen mit jenen Schlachtfeldern, die der Protagonist gern verdrängen würde. Daeninckx schreibt so cool, wie es Griffon gern wäre. Zwar durchwirken psychologische Themen seinen Plot, ohne indes plakativ platziert zu werden. Umso nachhaltiger ist das Grauen, das zwischen den Zeilen ruchbar wird. Hendrik Werner
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Melanie McGrath Im Eis Kindler - 19,95 € Format: 464 S. ISBN: 978-3-463-40594-0 Bestellen |
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Ragnar Jónasson Schneebraut Scherz - 14,95 € Format: 368 S. ISBN: 978-3-651-00022-3 Bestellen |
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Didier Daeninckx Tod auf Bewährung Liebeskind - 18,90 € Format: 272 S. ISBN: 978-3-935890-83-0 Bestellen |
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