Sachbuch

Päpste, Pest und Poeten

30.01.2012Drei neue Sachbücher

Päpste, Pest und Poeten

Karl der Große, Burgen, Kathedralen und die Wikinger: Ein lesenswertes Buch schildert die Welt des Mittelalters – und warum wir heute eine so andere Vorstellung dieser Epoche haben. Und keine Angst vor den beiden anderen Sachbüchern, die wir empfehlen – es geht um Monster, Mörder und Piraten.


Johannes Fried, Olaf B. Rader (Hrsg.): Die Welt des Mittelalters. Erinnerungsorte eines Jahrtausends" (C.H:Beck)
Wer in diesem Mittelalter-Band liest, stößt nicht nur erwartungsgemäß auf Kathedralen und Klöster, Ritter, Kreuzzüge, Päpste, Poeten und Jeanne d’Arc. Sondern auch auf die Brille, den Petersdom, die Großstadt, Wikinger und die Pest. Und auf einzelne Re­gionen wie beispielsweise das Burgund als mäzenatische Zone der Künste. Aber auch auf weniger Bekanntes, das zugleich das Mittelalter bereicherte: das Symbol des Meersterns etwa oder die jüdische Geschichte Europas (und deren Kehrseite, den Antisemitismus). Jeder der 33 gut zu lesenden Beiträge stammt von einem ausgewiesenen Experten. Zusammen ergeben sie ein weites Panorama eines Mittelalters in anderem Licht. Alexander Kluy

Stephen T. Asma: "Monster, Mörder und Mutanten. Eine Geschichte unserer schönsten Alpträume" (Propyläen)
„Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“, hat der Maler Francisco de Goya eines seiner verstörenden Bilder genannt. So beschränkt sich der Kulturhistoriker Stephen T. Asma dann auch nicht auf ein Monstrositätenkabinett, sondern ergründet die Psychologie und Philosophie unserer schlimmsten Ängste, die sich in Riesen, Werwölfen, Hexen, Vampiren, Drachen und Serienmördern verkörpert haben. Höchst aktuell ist Asmas anspruchsvolles Buch auch, weil wir uns in einer paradoxen Situation befinden. Während wir meinen, die alten Ungeheuer ins Kino verbannt zu haben, bringt die Tiefseeforschung bizarre Mons­ter ans Tageslicht und lässt die Biotechnologie jene Hybridwesen möglich erscheinen, die wir für Ausgeburten der Fantasie gehalten hatten. Ulrich Baron

Jann M. Witt: "Piraten. Eine Geschichte von der Antike bis heute" (Primus)
Natürlich dürfen Johnny Depp und „Der Fluch der Karibik“ in keinem Piratenbuch fehlen. Doch als rehäugiger Captain Jack Sparrow verkörpert er gerade jene romantisierte Klischeevorstellung vom Seeräuber, die der Marinehistoriker Jann M. Witt nun in Wort und Bild demontiert. Witts faktenreiche Darstellung spannt den Bogen von der Antike über das „Goldene Zeitalter“ der Piraten und der staatlich geförderten Freibeuter im 16. und 17. Jahrhundert bis zur modernen Seeräuberei am Horn von Afrika. Piraten seien keine Robin Hoods der Meere gewesen, sondern heimtückische, brutale Verbrecher: „Sie raubten und plünderten nicht aus wohltätigen oder sozialrevolutionären Motiven, sondern aus Habgier.“ Ulrich Baron

Titel
Johannes Fried, Olaf B. Rader
Die Welt des Mittelalters. Erinnerungsorte eines Jahrtausends
C.H.Beck - 38,- €
Format: 560 S.
ISBN: 978-3-406-62214-4
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Stephen T. Asma
Monster, Mörder und Mutanten. Eine Geschichte unserer schönsten Alpträume
Propyläen - 24,99 €
Format: 448 S.
ISBN: 978-3-549-07400-8
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Jann M. Witt
Piraten. Eine Geschichte von der Antike bis heute
Primus - 29,90 €
Format: 152 S.
ISBN: 978-3-89678-835-1
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