Krimi

Mörderisches Mittelalter

10.02.2012Drei Krimiempfehlungen

Mörderisches Mittelalter

An zeitgenössische Serienkiller im hohen Norden oder in den USA sind wir inzwischen gewohnt. Doch im Mittelalter? Holger Karsten Schmidt entführt uns in "Isenhart" in eine mörderische Zeit, die nicht nur von tapferen Rittern und schönen Burgfräulein bevölkert war. Außerdem empfehlen wir die Krimis "Karwoche" und "Der Trümmermörder".


Holger Karsten Schmidt: "Isenhart" (Kiepenheuer & Witsch)
Um 1180: Den jungen Isenhart umgibt eine unheimliche Aura. Er sei tot gewesen und jemand hätte ihn wieder zum Leben erweckt. Trotzdem lässt man ihn auf Burg Laurin bei Spira aufwachsen, wo er gemeinsam mit Konrad, dem Stammhalter des Hauses Laurin, unterrichtet wird. Die Welt gerät aus den Fugen, als seine heimliche Liebe, die Fürstentochter Anna, bestialisch ermordet wird. Isenhart versucht den Mord aufzuklären. Seine Jagd führt ihn bis nach Iberien, wo er seinem eigenen Geheimnis bedrohlich nahekommt. Holger Karsten Schmidt ist ein erfolgreicher Drehbuchautor („Die Sturmflut“ und „Der Seewolf“), der seinen ersten Roman geschrieben hat – einen Thriller der Extraklasse. Nicole Filbrandt

Andreas Föhr: "Karwoche" (Droemer Knaur)
Weil seine gewitzten Romane „Schafkopf“ und „Der Prinzessinnenmörder“ als „eindringliche Psychopathen-Psychogramme aus Oberbayern“ gerühmt wurden, gab es Anlass zur Vorfreude auf Andreas Föhrs nächsten Streich. Der trägt den nicht nur für bajuwarische Kirchgänger sakrosankten Titel „Karwoche“ – und entführt Leser jedweder Weltanschauung freilich in ziemlich gottlose Winkel. Föhr enttäuscht die Erwartungen nicht. Rasant geht es schon mal los: mit einem Auto­rennen, das halsbrecherischer ist, als es die Polizei erlauben dürfte. Bizarre Fügung, dass einer der Fahrer Polizeiobermeister Kreuthner ist, der beinahe seinen Vorgesetzten rammt. Vom Glauben fallen die Beamten ab, als ihnen bei einer Straßenkontrolle, die das illegale Rennen bemänteln soll, eine Leiche mit grotesker Grimasse unterkommt. Fratzenwettbewerb? Ritualmord? Teufelswerk? Föhr, der keine schlimmstmögliche Wendung auslässt, glänzt seinerseits mit Rasanz, vor allem aber mit Esprit und  Ideenreichtum. Hendrik Werner

Cay Rademacher: "Der Trümmermörder"(DuMont)
Nachkriegszeit, eisige Kälte in Hamburg – und zwischen den Trümmern geht ein Serienmörder um. In diese Atmosphäre der Entbehrung und Zerstörung schickt Rademacher den von der NS-Zeit und von Bombenangriffen schwer gezeichneten Polizisten Frank Stave auf Ermittlung. In den Milieus der Flüchtlinge und Heimatlosen, der britischen Alliierten als Aufsichtsorgan und der getarnten Kriegsverbrecher stößt Stave auf der Suche nach dem Täter immer wieder an seine körperlichen und moralischen Grenzen. „Der Trümmermörder“ basiert auf einem wahren Fall, der – anders als im Roman – allerdings niemals gelöst wurde. Rademacher ist als Historiker um größtmögliche Detailtreue bemüht, dabei verliert sein Krimi aber nie an psychologischer Plausibilität oder an Spannung bei der Suche nach dem Täter. Jutta Ochs

Titel
Holger Karsten Schmidt
Isenhart
Kiepenheuer & Witsch - 19,99 €
Format: 816 S.
ISBN: 978-3-462-04332-7
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Andreas Föhr
Karwoche
Droemer Knaur - 14,99 €
Format: 400 S.
ISBN: 978-3-426-65252-7
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Cay Rademacher
Der Trümmermörder
DuMont - 9,99 €
Format: 336 S.
ISBN: 978-3-8321-6154-5
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