Romane

Die Hölle auf Erden

15.02.2012

Die Hölle auf Erden

Ein 650-Seiten-Roman über das Ghetto von Lódz - kann das gut gehen? Es kann, wie der schwedische Autor Steve Sem-Sandberg beweist. Außerdem empfehlen wir Bücher von Barbara Bongartz und Katherine Webb.


Steve Sem-Sandberg: "Die Elenden von Lódz" (Klett-Cotta)
Kann das gut gehen? Ein 650-Seiten-Roman über das Ghetto von Lódz, geschrieben von einem 1958 geborenen Schweden? Ja, das geht: „Die Elenden von Lódz“ wurde mit dem August-Preis, dem Pendant zum Deutschen Buchpreis, ausgezeichnet. Sandberg hat die Tausende Seiten umfassende Ghetto-Chronik durchgearbeitet und auf Basis der Fakten ein beeindruckendes fiktionales Gebäude errichtet. Ihn interessiert zweierlei: die konkreten Lebensbedingungen sowie das psychologische Gefüge des Ghettos. Darum steht der Judenälteste des Ghettos, Mordechai Chaim Rumkowski, im Mittelpunkt, von dem man sagte, er hätte auch mit dem Teufel paktiert. Er machte sich die perverse Logik der Unterdrücker zu eigen – und wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Sandberg zeichnet ohne Pathos das Bild einer Hölle auf Erden. Christoph Schröder

Barbara Bongartz: "Die Schönen und die Reichen" (Weissbooks)
Schon häufiger hat sich Barbara Bongartz in den vergangenen Jahren literarisch auf dem Gebiet der Schönheit getummelt, so beispielsweise in ihrem semidokumentarischen Roman „Topmodel“. Und auch der Titel ihres neuen Buchs macht sofort klar, worum es geht – um „Die Schönen und die Reichen“. Bongartz hat einen Gesellschaftsroman und zugleich eine Satire ­geschrieben. Ihren mittlerweile abgehalfterten Prot­agonisten Boy, der sich einstmals mit dem Verfassen von Biografien einen Namen machte, schickt sie in ein gefährliches Szenario aus Intrigen und Ruhmsucht. Boy wird als Ghostwriter angeheuert, um die Memoiren Ina von Mallinds aufzuschreiben, der Witwe eines weltberühmten Dirigenten, die mittlerweile allein in ihrer Bay­reuther Villa lebt. Mit Wonne und Geschick entwickelt die 54 Jahre alte Schriftstellerin ein Geflecht aus Voyeurismus, gesellschaftlicher Abgrenzung und den individuellen Folgen von Ruhm und Prominenz. Christoph Schröder

Katherine Webb: "Das geheime Vermächtnis" (Diana)
Als Erica und Beth nach dem Tod ihrer Großmutter den Landsitz Storton Manor erben, werden schlimme Erinnerungen an ihre Kindheit wach. Mit zwölf Jahren verschwand ihr Cousin Henry dort spurlos. Beth scheint mehr darüber zu wissen, hüllt sich aber in Schweigen. Erica will endlich Klarheit: Was ist damals mit Henry geschehen? Auf der Suche nach Anhaltspunkten findet sie auf dem Dachboden von Storton Manor alte Fotos und Briefe ihrer Großmutter, die ein dunkles Familiengeheimnis offenbaren. Katherine Webb gelingt es meisterlich, Familiensaga mit Krimi und wiederum Krimi mit Liebesgeschichte zu verbinden. Perfekt für lange Leseabende im Winter. Nicole Filbrandt

Titel
Steve Sem-Sandberg
Die Elenden von Lódz
Klett-Cotta - 26,95 €
Format: 651 S.
ISBN: 978-3608938975
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Barbara Bongartz
Die Schönen und die Reichen
Weissbooks - 19,90 €
Format: 320 S.
ISBN: 978-3863370053
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Katherine Webb. Übersetzt von Katharina Volk
Das geheime Vermächtnis
Diana - 9,99 €
Format: 544 S.
ISBN: 978-3453355460
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