Krimi
16.02.2012Krimi & Thriller
Die dunkle Welt eines Borderliners
Es gab Zeiten, da war Frank Schulz, der Mann mit dem absoluten Gehör fürs gesprochene Wort, vor wichtigen Auftritten "mit den Nerven zu Fuß". Als vor 14 Tagen im Hamburger Uebel & Gefährlich die Hörbuchfassung seines neuen Romans "Onno Viets und der Irre vom Kiez" live eingelesen wird, schlägt ihm das Herz wieder mal bis zum Hals. Buchhändler und Presse sind geladen, reichlich Astra-Pils, Fischsuppe und eine wahre All-Star-Mannschaft aufgeboten. Auf der Bühne wird der Autor von Harry Rowohlt, Rocko Schamoni, Karen Duve und Sven Regener flankiert. Publikum begeistert, Heimspiel gewonnen. "Jetzt geht’s mir besser."
Hinter ihm liegen zwölf Schreib-Monate, in denen er sich tagsüber in seiner kleinen Arbeitswohnung im siebten Stock eines Eppendorfer Mietshauses verschanzte, am Figuren-Tableau feilte, um den richtigen Sound rang. Mit einem Suspense-Thriller hat sich Frank Schulz nicht nur auf neues Terrain vorgewagt – sondern auch "eine Art Jugendtraum" erfüllt.
Mit zwölf verschlang er Enid Blytons "Fünf Freunde" und Agatha-Christie-Krimis in Serie, war von deren "Indizien-Wahn" elektrisiert. So sehr, dass die Kumpels alsbald mit selbst geschriebenen Krimis beliefert wurden, denen regelmäßig der Schluss fehlte. "Ich hatte immer das Gefühl: Eines Tages muss ich mich für meine Jugendsünden rehabilitieren."
Wenn ein Autor von Schulz’ Finesse mit dem Genre hantiert, ist kein heiteres Mörder-Raten zu erwarten. Erst recht nicht, wenn man sich etwa an die "Trilogie der Gewalt" aus seinem letzten Erzählband "Mehr Liebe" (2010) erinnert: Drei kurze Stücke, in denen es zu unerklärlichen, extremen Gewalt-Eruptionen kommt – ein Thema, das Schulz seit frühesten Schulhofprügeleien fesselt. Wie die dunkle Welt eines Borderliners nun mit elementarer Wucht in die halbwegs heile von Onno Viets, Schulz’ Detektiv wider Willen, kracht – das ist großes Kino. Doch so viel darf verraten werden: Der charmante Bankrottexperte Onno hat zu leiden, darf am Ende aber wieder seinem Altherren-Pingpong in der Turnhalle des Eppendorfer Günther-Jauch-Gymnasiums nachgehen. Ein zweiter Viets-Roman ist unter Vertrag.
Zur Person
Frank Schulz, Jahrgang 1957, lebt als freier Schriftsteller in Hamburg. Für die Romane seiner "Hagener Trilogie" wurde er mehrfach ausgezeichnet. Sein neues Buch "Onno Viets und der Irre vom Kiez" erscheint heute bei Galiani, die Live-CD bei Roof Music /tacheles. Lesetermine unter: www.frank-schulz.eu
Nils Kahlefendt
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Frank Schulz Onno Viets und der Irre vom Kiez Galiani - 19,99 € Format: 366 S. ISBN: 978-3869710389 Bestellen |
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